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Semaine de la Critique


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Das Schiff des Torjägers
CH 2010 91'
Regie: Heidi Specogna
Drehbuch: Kristine Kretschmer
Kamera: Rainer Hoffmann
Ton: Paul Oberle, Kai Tebbel, Bernd von Bassewitz, Bernd von Bassewitz, Matthias Lempert
Schnitt: Ursula Höf
Musik: Hans Koch
Produktion: Fama Film, teamWorx Television & Film GmbH, Fama Film AG

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Dokumentarfilm
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Das Schiff des Torjägers

Heidi Specogna

Im April 2001 erschütterte die Meldung über ein vermeintliches Kindersklavenschiff die Welt. Besitzer des Schiffes war der nigerianische Torjäger Jonathan Akpoborie, damals im Dienste des VfL Wolfsburg. Obwohl ihm nie eine Schuld nachgewiesen wurde, trennte sich der Klub über Nacht vom Spieler – Akpobories Karriere war ruiniert. Der Film rekonstruiert die Ereignisse und nimmt sie zum Anlass, sich heute auf die Suche nach den damaligen Protagonisten zu machen. Aus den Begegnungen entsteht eine deutsch-afrikanische Geschichte über Träume, Fußball und die Handelsware Mensch.

Drei Schauplätze, drei Ebenen, drei Lebenssituationen: das Meer und ein Schiff vor Westafrika, junge Menschen in afrikanischen Dörfern, der Fussball und ein erfolgreicher Stürmer aus Nigeria. Alles begann vor beinahe zehn Jahren: Im April 2001 wurde ein Schiff vor Gabun aufgebracht – die «Etireno» soll angeblich als Kindersklaven-Transporter unterwegs gewesen sein. An Bord finden Mitarbeiter von Terre des hommes tatsächlich 43 Kinder und Jugendliche, die von ihren Eltern in die Fremde geschickt wurden – zum Arbeiten, zum Überleben. Diese Aktion ging durch die Presse – vor allem weil der Spitzenfussballer Jonathan Akpoborie, dazumal beim VFL Wolfsburg, der Besitzer dieses ominösen Schiffes war. Er, der sein Geld in der Bundesliga verdiente und die «Nordby», eine dänische Inselfähre, gekauft hatte, um seiner Familie eine Lebensgrundlage zu bieten, war plötzlich der «Böse». Akpoborie geriet in die Schlagzeilen und war für seinen Klub nicht mehr tragbar. Seine fussballerische Karriere war damit von heute auf morgen zu Ende.
Es hat Jahre gedauert, bis die Schweizer Filmerin Heidi Specogna gemeinsam mit ihrer Co-Autorin Kristine Kretschmer die Protagonisten gefunden hatte und eine Vertrauensbasis aufbauen konnte. Die Filmemacherinnen haben tatsächlich zwei Kinder aufgespürt, die dazumal als Neun- und Zehnjährige von ihren Familien als Arbeitskräfte auf die ungewisse Reise nach Gabun geschickt wurden. Sie erzählen heute von ihrem Transport. Die Eltern wirken schuldbewusst und schweigen – meistens.
Es sind diese bewegenden Momente im Film, die unsere Welt als globalisierten «Sklavenmarkt» entlarven. Specogna zeigt Abhängigkeiten, Verzahnungen, Verletzungen. Dazu gehört auch der Fussballprofi Akpoborie, der sich als unschuldiges Opfer wähnt. Heute vergleicht er, nach einer Rechtfertigung suchend, seine Karriere im Ausland mit der der Kinder. Eine afrikanische Kindheit eben, wo der Begabteste für den sozialen Aufstieg der ganzen Familie in die Fremde geschickt wird.
Und dann ist da noch der Strandwächter, der das im Sand versunkene Schiff hütet. Der Rosthaufen hat noch Wert. Fast lakonisch bemerkt er: «Nichts ist vergänglich.» Alles – ob Opfer oder Täter – ist Teil eines Prozesses. Solche Vorgänge beschreibt Specognas Film unaufdringlich, aber eindringlich. Und zurück bleibt der dunkle Gedanke, dass Kinder immer noch und immer wieder als Kapital eingesetzt und missbraucht werden.
Rolf Breiner, Semaine de la Critique Locarno 2010

"Im Film DAS SCHIFF DES TORJÄGERS geht es um Handelskreisläufe, um den Austausch von Handelsgütern: mal ist es Stahl, mal ist es die Ware Mensch. Waren, die an ihrem Bestimmungsort mehr wert sind als an ihrem Herkunftsort. Seien es eine ausrangierte dänische Inselfähre, ein afrikanisches Fußballtalent oder Kinder, die verschickt werden, weil ihre Familien hoffen, so überleben zu können."
Heidi Specogna

"So ist Heidi Specogna ein politischer Film gelungen, der immer konkret bleibt und dadurch eine präzise Analyse der herrschenden Verhältnisse liefert."
Deutsche Film- und Medienbewertung: Prädikat besonders wertvoll

Heidi Specogna

Geboren 1959 in Biel. 1982-88 Studium an der DFFB (Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin). 1991 Gründung der Specogna Filmproduktion. Dozentin an der Filmakademie Ludwigsburg für Dokumentarfilm. 2007 Schweizer Filmpreis, Bester Dokumentarfilm für DAS KURZE LEBEN DES JOSE ANTONIO GUTIERREZ

2011 CARTE BLANCHE
2010 DAS SCHIFF DES TORJÄGERS
2006 DAS KURZE LEBEN DES JOSE ANTONIO GUTIERREZ
2004 ZEIT DER ROTEN NELKEN
2002 KAPRUN
1996 TUPAMAROS
1995 Z'MAN KIND
1993 DECKNAME ROSA
1991 TANIA LA GUERILLA
1987 DAS SCHWINDEN DER SCHWELLE
1984 FÄHRTEN

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Das Schiff des Torjägers

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