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 Pepperminta

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Pipilotti Rist

Pepperminta ist eine ganz besondere junge Frau. Sie kennt keine Furcht. Und sie liebt die Farben wie Menschen und die Menschen so sehr, dass sie ihnen helfen möchte, aus dem Gefängnis ihrer Ängste auszubrechen.

Was Pepperminta tut und denkt, stösst zunächst auf Unverständnis. Doch die Unbeirrbare findet unerschrockene Mitstreiter, und die grosse Mission beginnt. Jetzt bleibt kein Stein mehr auf dem anderen, und das Leben der Menschen, auf die sie treffen, wird sich auf wundersame Weise verändern.

PEPPERMINTA ist ein erfrischendes zeitgenössisches Märchen von Pipilotti Rist – produziert von den Machern von VITUS und DARWIN’S NIGHTMARE.

Erzählt wird die Geschichte von Pepperminta, einer Art erwachsenen Pippi Langstrumpf, die die Menschheit von Ängsten und Zwängen befreien will. Ihre Mitstreiter sind der dickliche Werwen, den Pepperminta aus den Fängen seiner despotischen Mutter entreisst, sowie die Tulpenflüsterin Edna. In Peppermintas Wohnung rüstet man sich mit knalligen Uniformen aus und trinkt zur Stärkung Menstruationsblut. Die Geheimwaffe des Trios aber sind Farben. Mit ihnen hypnotisieren sie mit Vorliebe autoritäre Mitmenschen und erhoffen sich so eine neue Weltordnung zu schaffen.
Klingt schräg? Ist es auch. Dennoch dürfte PEPPERMINTA, wie von der Regisseurin versprochen, ein Publikum ausserhalb der Kunstwelt finden. Denn Rists Film setzt auf die Mittel des klassischen Story-Tellings. Hauptfigur Pepperminta verfolgt ein klares Ziel, es treten allerlei Antagonisten auf und mit Werwen hat man sogar einen tapsigen «Love Interest», der einer Romantic comedy würdig wäre. Sogar eine Verfolgungsjagd und ein bisschen Hollywood-Psychologie kommen vor: Weil Pepperminta als Kind Erdbeeren als Haustiere hielt und dafür ausgelacht wurde, ist sie später zum liebenswerten Freak geworden.
Trotzdem ist PEPPERMINTA ein ganz ausserordentlicher Film. Das liegt vor allem an der Machart. Die Bildsprache gleicht Rists Videoinstallationen, mit einer subjektiven Kamera, die den Zuschauer durch Tulpenfelder und Tunnels fliegen lässt, um dann wieder auf Brustwarzen, Poren oder Nasenflügel einzuzoomen. Passend unterlegt sind diese psychedelischen Passagen mit einem pochend-hallendem Sound-Teppich. Wer noch nie Drogen genommen hat, möchte dies nun wohl tun.
Ein weiteres Verdienst von PEPPERMINTA sind, wer hätte es gedacht, zum Brüllen komische Szenen. Etwa wenn das Kommando in eine Uni eindringt und den Studenten Farborgasmen beschert – sehr zum Missfallen des Lehrkörpers, der die Fantasie-Revolutionäre vom Campus jagt. Oder im Edelrestaurant, wo Pepperminta dem Besitzer zuerst den Hilfskoch ausspannt und den Gästen dann ihre geheimsten lukullischen Wünsche entlockt. Zum Beispiel Zuckerwatte.
Philippe Zweifel, Tages Anzeiger

Wie schon in ihrem Kurzfilm PICKELPORNO (CH 1992) und in ihren audiovisuellen Installationen, mit denen sie Museumssäle in aller Welt verzauberte, besticht Pipilotti auch in ihrem Kinodebüt mit viel Originalität und kühnen Kameraperspektiven: Sie verkehrt Oben und Unten, Gross und Klein und lässt die Farben in faszinierenden Kompositionen auf der Leinwand explodieren. Mit Pipilotti auf Bilderreise gehen, heisst, die Riesenzehen im Lehm suhlen, schwerelos in tiefblaue Unterwasserwelten eintauchen und bunt bemalte Schneckenhäuschen in Grossaufnahme bestaunen. So wird Kino zu einem alle Sinne verzückenden Ereignis – wenn da die Erzählung nicht wäre: In einer Mélange aus Märchen, Kitsch, New Age und Feminismus reiht sich in Pepperminta Anekdote an Anekdote, ohne dass sich daraus ein wirklich spannungsreicher Plot entwickelt. Und auch die propagierte Anarchie der ansonsten so erfrischend-unverblümten Künstlerin ist mit der ausgiebig genutzten Off-Stimme etwas zu didaktisch geraten. So gelingt Pipilotti – trotz der poppigen Sinneswelt, die sie einmal mehr kreiert – der Sprung aus der Kunstwelt der Museen hinaus in die breitenwirksame Kultur der Kinosäle leider nur ansatzweise.
Doris Senn, CINEMA

Pipilotti Rist

2008 PEPPERMINTA

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EAN 7619965021871
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Pepperminta
CH 2008 80'
Regie: Pipilotti Rist
Drehbuch: Pipilotti Rist, Chris Niemeyer
Kamera: Pierre Mennel
Ton: Rainer Flury, Thomas Gassmann, Roland Widmer
Ausstattung: Su Erdt
Kostüme: Selina Peyer
Schnitt: Gion-Reto Killias
Visual Effects Supervisor: Davide Legittimo
Musik: Andreas Guggisberg
Produktion: Hugofilm
Mit: Ewelina Guzik, Sven Pippig, Sabine Timoteo, Elisabeth Orth, Noemie Leonhardt, Oliver Akwe

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