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 Paradies: Liebe

Paradies: Liebe

Ulrich Seidl

Description française

English Description

critic.de: „Verstören und bereichern“

Ulrich Seidl: "Himmel und Hölle liegen offensichtlich sehr nahe zusammen. Das sieht man auch immer wieder in der bildenden Kunst. Ich glaube, der Mensch hat Abgründiges in sich, das in Situationen, in denen er keine Verantwortung mehr trägt, herauskommt. Dann kommt das Böse zu Tage. Kino sollte also im besten Sinne beides sein. Tor zum Himmel und zur Hölle. Es würde ja nichts bringen, wenn man dem Menschen nur die Hölle zeigt und sie dadurch nur desillusioniert und deprimiert. Aber was es auf der anderen Seite für mich auch nicht bringt, ist den Zustand nur zu bestätigen und beschönigen. Mir geht es schon darum, die Menschen zu verführen, sie gewisse Realitäten und Wahrheiten erkennen zu lassen, die sie beschäftigen. Ich versuche mit meinem Kino den Menschen etwas mitzuteilen, im Sinne einer Bereicherung, auch wenn es zunächst eine Verstörung ist. Ich habe immer wieder von Kritikern gelesen, es sei schwer, den Film anzusehen, „aber man muss ihn gesehen haben“. Das macht es aus. Es ist nicht eine Unterhaltung, die dann einfach vorbei ist."
PARADIES: LIEBE
http://www.critic.de

critic.de: PARADIES: LIEBE

Liebe und Geld. Ein kulturelles Missverständnis aus den Augen von Ulrich Seidl. PARADIES: LIEBE wird nie zur reinen Leidensgeschichte seiner Protagonistin und erzählt auch nicht mit gespielter Empörung von der sexuellen Ausbeutung junger Afrikaner. Ständig verschieben sich zwischen den Szenen die Machtverhältnisse und damit auch die Sympathien des Zuschauers. Kaum entwickelt man für Teresa Mitgefühl, weil sie bei ihrer ersten Begegnung mit einem einheimischen Gigolo fast vergewaltigt wird und unter Tränen das Stundenhotel verlässt, wendet man sich schon wenig später mit Abscheu wieder von ihr ab, wenn sie sich wie eine Kolonialherrin aufführt. Die Männer behandelt sie mitunter wie ein Stück Fleisch, macht sich über das Fremde lustig und führt einen verlegenen Kellner vor, der wie ein Papagei österreichische Wörter nachplappern soll, damit sie und ihre Freundin sich vor Lachen wegwerfen können („Sag amal Blunzngröstl!“). Mit Hauptdarstellerin Margarete Tiesel, die bisher vor allem im Theater und in kleinen Nebenrollen zu sehen war, hat Seidl eine Schauspielerin gefunden, die keine falsche Scham besitzt und sich den gesamten Film über buchstäblich wie im übertragenen Sinne nackt macht. (...)
Der Mangel an Innovation ändert aber nichts daran, dass PARADIES: LIEBE wieder ein großartiger Film geworden ist. Seidl arbeitet einfach anders. Er hat die für ihn angemessene Art und Weise, auf die Welt zu blicken, schon gefunden und verschiebt mit jedem neuen Film nur den Fokus. Im Prinzip praktiziert Seidl so etwas wie einen aufrichtigen Humanismus, denn seine Figuren stehen nicht unter dem Zwang, immer nett und sympathisch sein zu müssen. Menschlichkeit ist für ihn keine romantisch verklärte Idealvorstellung, sondern beinhaltet auch die scheußlichsten Seiten unseres Daseins.
http://www.critic.de

kino-zeit.de: PARADIES: LIEBE

PARADIES: LIEBE ist der erste Teil einer Trilogie des Österreichers Ulrich Seidl und der Auftakt könnte stärker nicht sein. Anfänglich besticht der Film durch seinen trockenen Humor, der vor allem auf kleinen Alltagsepisoden und bildhafter, ja manchmal gar an Buster Keaton erinnernde Bildkomik beruht. Die Absurdität des alltäglichen Menschen zu zeigen, genau das erwartet man ja auch von Seidl. Diese Art der Entlarvung ist Teil seiner Handschrift. Doch das ist nur die Oberfläche des Filmes. Darunter brodelt es gewaltig. Seidls Film entpuppt sich nach und nach als knallharter Sozialkommentar und vor allem als Film, der bis zum bitteren Ende dabei bleibt, der seine Geschichte konsequent durchkonjugiert. Je länger man Teresa folgt, desto schwieriger wird das hinsehen und aushalten. Aber es muss eben auch einmal ordentlich wehtun.
http://www.kino-zeit.de

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Paradies: Liebe
A/D/F 2012 120'
Regie: Ulrich Seidl
Drehbuch: Veronika Franz, Ulrich Seidl
Kamera: Ed Lachman, Wolfgang Thaler
Ton: Ekkehart Baumung
Ausstattung: Andreas Donhauser, Maribel Martin
Schnitt: Christof Schertenleib
Produktion: Ulrich Seidl Film Produktion GmbH
Mit: Margarethe Tiesel, Peter Kazungu, Inge Maux

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