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Monte Grande (DVD)
What is life?
Franz Reichle
Wie können Körper und Geist als ganzheitliches Wesen existieren? Der chilenische Neurobiologe Francisco Varela beschäftigte sich von seiner Kindheit bis zu seinem frühzeitigen Tod mit dieser Frage. Die Struktur des Films basiert auf Varelas nicht-linearem Denken und fokussiert auf Autopoiesis, Ethik, Bewusstsein, Meditation und Sterben. Erzählt und reflektiert wird von ihm selbst, von seinen Familienangehörigen, von führenden Wissenschaftern, engsten Freunden und Denkern wie Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama, Heinz von Foerster, der Vater der Kybernetik, Jean-Pierre Dupuy, Evan Thompson, Anne Harrington, Humberto Maturana und anderen. Drei Kernthemen prägen den Film: die Beziehung zwischen Körper und Geist (Verkörperung), der Sinn persönlicher Verantwortung (Autonomie) und die Spiritualität.
Franz Reichle hat einen außerordentlich dichten und sehr schönen Film gemacht, der gewiss einen konzentrierten Betrachter fordert, diese Konzentration aber auch befördert. Monte Grande ist dabei erst die Spitze des Eis- beziehungsweise des, wie es hier wohl heißen müsste, Großen Bergs. Das in jahrelanger Arbeit zusammengetragene Material erwies sich als zu reichhaltig für bloß einen Film.
Neue Zürcher Zeitung
Francisco Varela war ein Genie der Synthese. Bewundert, umstritten und von der
mitreißenden Leidenschaft eines begnadeten Forschers. Er hat die moderne Systemtheorie
genauso geprägt wie die Kognitionswissenschaft. Er war ein Freund des Dalai Lama und ein
unorthodoxer Anreger auf dem Parkett der internationalen Wissenschaftsszene. In dem Film
von Franz Reichle – der Dokumentation eines Lebens im Angesicht des nahen Todes –
kommt man Francisco Varela in einer Weise nahe, die ich nicht für möglich gehalten hätte.
Liebevoll und behutsam, berührend und klug wird hier die Geschichte eines Menschen
erzählt, der sein Leben lang Brücken gebaut hat: zwischen westlicher Wissenschaft und
östlicher Weisheit, zwischen Neurobiologie und Philosophie, zwischen abstrakter Theorie
und dem praktischen Leben. In diesem Film gelingt es, die Trennung von Wissenschaft und
Kunst – zumindest für 80 beglückende Minuten – wieder rückgängig zu machen.
Bernhard Pörksen
Autopoiesis
Die neue Bezeichnung von Leben, wie es die Neurobiologen Humberto Maturana und Francisco Varela definiert haben, ist Autopoiesis.
auto = selbst
poiesis = machen
autopoiesis = selbst machen, sich selbst machen, sich selbst kreieren
Die in der Menschheitsgeschichte vor allem von Weisen, Mystikern und Philosophen behauptete Einheit von Subjekt und Objekt, die untrennbare Ganzheitlichkeit des Seins, wird von Maturana und Varela nun auch mit naturwissenschaftlichen Forschungsergebnissen belegt.
Nach Auffassung der alten, darwinistisch geprägten Biologie überlebt ein Lebewesen nur dann, wenn es sich möglichst vollkommen seiner Umwelt anpasst. Es wäre damit sklavisch abhängig von einer objektiven Aussenwelt. Für Maturana und Varela gibt es jedoch keine „objektive“ Wirklichkeit: wenn Grunderfordernisse des Lebens erfüllt sind, haben lebende Systeme – von Heinz von Förster auch mit „nichttriviale Maschinen“ bezeichnet, also auch Menschen – alle Freiheit, sich ihre Welt selbst zu schaffen, anstatt nur auf Vorgegebenes zu reagieren. Das Subjekt ist somit entscheidend an der Schöpfung seiner nur scheinbar objektiven Wirklichkeit beteiligt.
Maturana und Varela entwickelten ein Systemleitbild der elementaren Lebensvorgänge sowie
der Prozesse, durch die wir zu Wissen bzw. Erkenntnis gelangen. Durch dieses Systembild wird
das Weltbild der Biologen und auch unser tradiertes Weltverständnis radikal umgewälzt. Es
lässt uns erkennen, dass Kooperation und Toleranz, nicht Konkurrenz, Grundlage aller
Lebensvorgänge sind. Die Welt, in der wir leben, ist eine Welt, die wir im Prozess des
Erkennens gemeinsam erschaffen. Es liegt an uns, ob wir die in unserem biologischen Erbe
angelegten Gesetze des Lebens erkennen und danach handeln oder ob wir sie verkennen und
die Grundlagen unseres Lebens und unserer Menschlichkeit damit zerstören.
Text teilweise übernommen vom Goldmann Verlag, zur deutschen Ausgabe von Humberto Maturana, Francisco
Varela: Der Baum der Erkenntnis – die biologischen Wurzeln menschlichen Erkennens.
Komplementäre Wissenschaft als Grundlage der Ganzheitsmedizin. Vom Denken, dem Leben und Sterben des grossen Vordenkers Francisco J. Varela.
von Herbert Schwabl, Zeitschrift Schweizerische Ganzheits Medizin
Der Chilenische Wissenschafter Francisco Varela (1946-2001), ist vielleicht noch immer vielen in der Ganzheitsmedizin Tätigen unbekannt1. Varela hat zwei grosse Entwicklungen massgeblich beeinflusst: Zum einen revolutionierte er durch seinen mit Humberto Maturana entwickelten Ansatz der autopoietischen Syteme die Systemwissenschaften und begründete damit eine moderne Wissenschaft lebender Systeme. Zum anderen beeinflusste er wesentlich die Wissenschaft vom Erkennen, und plädierte für eine Wissenschaft die das Subjekt miteinbezieht.
Die Frage „Was ist Leben?“ führte Varela und Maturana zur Idee der sich selbst organisierenden Systeme als autopoietische Systeme. Das sind Systeme, die fähig sind sich selbst – auto – zu erschaffen – poiesis. Ein solches System ist operationell und informationsmässig geschlossen. Es ist also nicht nur ein System, das seine eigenen materiellen Bestandteile erschafft, es ist auch ein System, das sich selbst und der Umwelt Bedeutungen zuschreibt, sozusagen aus dem Nichts. Neben dem Prozess des Lebens wird mithin auch der Schöpfungsakt erstmals in einer wissenschaftlichen Theorie begreifbar.
Wenn man anfängt, den Geist zu erforschen, untersucht man nicht mehr etwas, das dort draussen ist, entfernt und abstrakt, obschon klar ist dass die Mehrzahl der Wissenschafter den Geist noch immer auf diese Art behandeln. Man untersucht vielmehr etwas, das letzlich jeder von uns selbst ist: das Ich, die erste Person. Varela war davon überzeugt, „dass die Erforschung des Bewusstseins das Potential hat, eine bedeutende Revolution zu bewirken bezüglich dessen, worum es in der Wissenschaft überhaupt geht, weil uns das auf wirklich definitive Weise über das klassische Bild von Subjekt-Objekt hinausführt, über die Beschreibung eines abgetrennten Subjekts, die tatsächlich alles wegnimmt, was mit dem eigenen Leben, genauer gesagt, mit der eigenen Verkörperung zu tun hat, und so eine Analyse der Welt macht. Das ist natürlich das klassische Modell der Physik. Je mehr man die Leute hinter den Experimenten entfernt, umso mehr ist es ein dritte Person Objektiv. Doch die Erforschung des Bewusstseins erfordert die Entwicklung von Erste Person-Methoden. Und diese Erste Person-Methoden bedeuten eine radikale Abweichung von der klassischen Wissenschaft.“
Varela hat damit für all jene, die in den komplementären Wissenschaften arbeiten, neue Pfade beschritten. Es sind dies Wege, die so manchen unkonventionellen Ansatz beinhalten. Es ist auch ein Weg, der uns aufzeigt, dass sich Quer- und Mitdenken lohnt. Ein wichtiger Ansatz für sämtliche komplementären Wissenschaften, und gerade heute ist es so wichtig zu betonen: es ist die Funktion komplementärer Ansätze ausserhalb der ausgetrampelten Pfade der technisierten Wissenschaft neues Terrain aufzubereiten und die Erkenntnis weiterzutreiben. Ein wichtiger Apell für all jene, die in der Forschung in der Komplementärmedizin tätig sind. Wir dürfen unser komplementäres Querdenken nicht weglegen, sondern sollten es kreativ und lebendig weiterführen.
Der neue Dokumentarfilm von Franz Reichle „MONTE GRANDE what is life?“ beschreibt in kompakter Form das Leben und Denken Francisco Varelas. In den letzten Jahren seines Lebens durchlitt Varela eine Hepatitis C Infektion mit anschliessender Lebertransplantation mit immer wieder auftretenden Komplikationen. Der Film begleitet Varela bis zu den letzten Phasen seines Lebens. Der grosse Wissenschafter reflektiert in faszinierender Art über sein bevorstehendes Sterben und über transzendente Erkenntnis. Er kann allen an den wissenschaftlichen Grundlagen der Komplementärmedizin Interessierten herzlichst empfohlen werden.
Franz Reichle
Geboren 1949. Studium an der Schule für Gestaltung Zürich. 1974-80 Studium an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg.1989-95 Aufenthalt in Burjatien, Ostsibirien. Seit 1996 Dozent an der ZHDK (Zürcher Hochschule der Künste).
2011 FRANCISCO CISCO PANCHO
2004 MONTE GRANDE - WHAT IS LIFE? (VOD D, VOD E, VOD F)
1997 DAS WISSEN VOM HEILEN (VOD D, VOD E, VOD F)
1992 TRAUMZEIT
1990 LYNX
1986 AUGENBLICK
1978 ROSMARIE, SUSANNE, RUTH
Videos
News
- Die spirituelle Welt des Franz Reichle 2006-04-12
Internet
Preis: 45.00 CHF
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DVD9
NTSC 16:9
Region 0
Sprachen: Deutsch English
Untertitel: Deutsch English Français Italiano Espanõl Greek
Monte Grande
CH 2004 80'
Regie: Franz Reichle
Drehbuch: Franz Reichle
Kamera: Franz Reichle, Matthias Kälin
Ton: Franz Reichle
Schnitt: Franz Reichle
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Dokumentarfilm
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