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El milagro del papa
José Luis Valle
1990 heilte der Papst in Mexiko einen Buben. Pepe Valle hat das einstige Wunderkind gesucht und stellt mit seinem Film das leise lakonische Porträt einer zwischen Tradition und Moderne oszillierenden Gesellschaft vor.
Was ist ein Wunder? Die Manifestation der Liebe Gottes oder ein unerklärbares Phänomen? Die Standpunkte der Befragten unterscheiden sich erheblich. Fest steht: Heron Badillo erkrankte mit knapp fünf Jahren an Leukämie, wurde von Spital zu Spital gereicht und galt trotz Chemotherapie als aussichtsloser Fall.
Papst Johannes Paul II., der Mexiko 1990 das erste Mal besuchte, war die letzte Hoffnung seiner Eltern. Dem Flugzeug entstiegen, verliess Seine Heiligkeit die protokollarische Route, steuerte auf den Todgeweihten zu und berührte dessen Stirne. Kurz darauf wurde dieser vollends gesund und entwickelte sich normal.
Dies ist die Ausgangslage für eine filmische Enquete in der mexikanischen Provinz. Das Filmteam nähert sich dem Wunderkind indirekt über Nachbarn, Bekannte, Verwandte, kirchliche und weltliche Würdenträger, Ärzte, erkundet die Minenstadt Rio Grande, um ihn endlich zu treffen: einen jungen Mann, der gerne Bier und Tequilla trinkt, Rodeo-Shows und Hahnenkämpfe besucht, der als Metzger und Schweisser sein Brot verdient und wie jeder zweite im Bundesstaat Zacatecas sein Glück in den USA versuchte. Ein durchschnittlicher Zeitgenosse, ein Heiliger wider Willen. Die Erwartungen seines Vaters, der aus ihm einen Priester machen wollte, hat er enttäuscht, auch wenn dieser dies nicht offen sagt.
Überhaupt wird vieles nur beiläufig und mit einer gehörigen Portion Lakonie erzählt. Ein Wunder will verkündet, gedeutet, inszeniert und verwertet sein, von jedem auf seine Art: Da ist die mächtige katholische Kirche Mexikos, Herons Vater, der ein Buch über die Heilung seines Sohnes schrieb und eine Laufbahn als Politiker einschlug – mit erheblicher Hilfe des Wunders.
Mit visueller Experimentierlust (Trick filmszenen, Zeitlupe, 360-Grad-Schwenks), Humor und erzählerischer Nonchalance wirft José Luis Valle einen multiperspektivischen Blick auf seinen Protagonisten – der sich mit seiner Wortkargheit hervorragend als Projektionsfigur eignet – und auf die mexikanische Gesellschaft zwischen Tradition und Moderne. Das Wunder selbst gerät dabei mitunter fast zur Nebensache und der Alltag, bevölkert von einem singenden Bürgermeister, ausladenden Kreuzigungsprozessionen und Papstfiguren in Chips-Packungen, entfal tet seine magischen Seiten.
In entwickelten Ländern sei Herons Art der Leukämie in 90 Prozent der Fälle heilbar, verrät Valle am Schluss, ohne dabei die Kraft und den Charme des magischen Denkens zu zerstören.
Thomas Schärer, Semaine de la Critique 2009
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El milagro del papa
Mexico 2009 75'
Regie: José Luis Valle
Kamera: César Gutiérrez Miranda
Ton: Armando Narváez
Schnitt: José Luis Valle
Musik: José Navarro Noriega
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Religion
Mexico
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