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Märkische Trilogie

Volker Koepp

In der märkischen Kleinstadt Zehdenick an der Havel bestimmen seit 1888 Ziegeleien den Lebensrhythmus der Bewohner. Im Frühjahr 1988 besucht Volker Koepp mit seinem Kameramann Thomas Plenert die Zehdenicker. Die kommende politische Veränderung ist noch fern. Der Dokumentarfilm MÄRKISCHE ZIEGEL entsteht, wird aber wegen seiner Einblicke in die unwürdigen Arbeitsbedingungen von der DDR-Zensur zunächst zurückgehalten. Als die Filmemacher im Herbst 1989 nach Zehdenick zurückkehren, ahnen sie nicht, dass sie den Zusammenbruch der DDR aus dem märkischen Blickwinkel heraus filmen werden. Etwas unaufgeregter, doch nicht weniger folgenschwer, vollziehen sich hier die Veränderungen, versuchen sich die Einwohner im Ruppiner Land mit den neuen Gegebenheiten zurechtzufinden. Koepp und Plenert gelingt es, in MÄRKISCHE HEIDE, MÄRKISCHER SAND die politischen Veränderungen ebenso präzise einzufangen wie die zeitlose Schönheit der Landschaft. Ein Jahr später, im nun wiedervereinigten Deutschland, drehen sie wieder am selben Ort, der aber nicht mehr derselbe ist. MÄRKISCHE GESELLSCHAFT MBH zeigt, wie an die Stelle der harten Arbeit lähmende Arbeitslosigkeit getreten ist.

Märkische Trilogie

60 km nördlich von Berlin, in Brandenburg am Ufer der Havel, liegt die Kleinstadt Zehdenick. Volker Koepp benutzte sie als Zeugin der Umwälzungen zwischen Herbst 1989 und Anfang 1990, die vom Ende des kommunistischen Regimes und dem Fall der Berliner Mauer geprägte Zeit. Sein Beobachtungsgebiet ist diese kleine Stadt, die auf die Produktion der für die Architektur Nordeuropas so typischen roten Backsteine spezialisiert war. In dieser Filmtrilogie hat der Regisseur – der seine Laufbahn in den staatlichen Studios der DDR begonnen hat – die Weitsicht, in einem gegebenen Zeitraum die Unbeweglichkeit einerseits und die Dynamik andererseits aufzuzeigen, welche diese Ecke Deutschlands ebenso wie ganz Osteuropa verändern sollten.

Erster Teil, vorher.
MÄRKISCHE ZIEGEL dokumentiert die veraltete Infrastruktur der Ziegeleien. Die Zeit scheint zwischen den fünfziger und achtziger Jahren stehen geblieben zu sein. Die ausserordentliche Qualität der Schwarzweissaufnahmen des unersetzlichen Thomas Plenert ist ein eigentliches archäologisches Zeugnis dieser heruntergekommenen, staubigen, unwirtlichen Stätten, in denen manche Arbeiter seit über dreissig Jahren schuften.Wurde der Film wohl zensuriert, weil er ein negatives Bild Ostdeutschlands und seines triumphierenden Sozialismus zeigte?
Die urbane Landschaft besteht aus Häusern mit abblätterndem Verputz, gesichtslosen Strassen, einer ausgedienten Brücke mitten in der Stadt. Eine maskierte kollektive Depression scheint zu herrschen, die Vorsicht der Menschen macht nachdenklich. „Ich weiss nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin…“ heisst es in Heinrich Heines Lied von der Loreley.

Zweiter Teil, während des Umbruchs.
MÄRKISCHE HEIDE, MÄRKISCHER SAND wurde zur Zeit des historischen Berliner Mauerfalls gedreht, im November 1989 und in den folgenden Monaten. Wiederum nimmt sich Volker Koepp die Zeit, die Bürger von Zehdenick zu beobachten. Er geht ins Gasthaus, den Drehpunkt des sozialen und musikalischen Lebens (ein Handorgelspieler!), in die Betriebe, auf die Strasse. Manchmal stellt er in seiner unnachahmlichen Art Fragen, beendet sie nicht, bittet um ein Wort, einen Rat, ein Gefühl. So wird der Film zum unschätzbaren Dokument über die Art, wie die Menschen über sich und miteinander sprechen. Eine emblematische Szene ist die des Optikers, der darauf wartet, in der Sache klarer zu sehen. Oder jene der Burschen, die Tausende wertlos gewordener Pfandflaschen zerschlagen. Und auch die grossartige Szene der Frauen, die Hunderte von Schnapsbuddeln in Kartons verpacken. Seit Jahren arbeiten sie hier, diskutieren, lachen, werden ernst und dann sogar heftig. „Der Direktor war ein stalinistisches Schwein!“, sagt eine.

Dritter Teil, nachher.
MÄRKISCHE GESELLSCHAFT MBH interessiert sich insbesondere für die äusseren Zeichen derWende, des Übergangs Ostdeutschlands in die kapitalistische Ära. Die DDR-Geldscheine werden durchleuchtet, die Köpfe des Systems, bis zu Marx, erscheinen in Grossformat. Dann werden die Scheine auf dem Altar des alten Regimes verbrannt und die neuen in Umlauf gesetzt. Zu sehen ist ein junger Mann – arbeitslos, wie fast alle Personen, denen Volker Koepp begegnet –, der die Bank verlässt und die Geldscheine des neuen Deutschlands vorzeigt! Doch die Veränderungen werden – symbolträchtig und sehr ironisch – von einem Rolls Royce aus vorgezeichnet. Reiche Leute aus dem Westen kommen, um dieses neue Territorium zu entdecken, das vielerorts von russischen Slogans in kyrillischer Schrift gebrandmarkt ist. Szenen von hoffnungslos leeren Läden, in denen man kurz darauf die Gestelle mit neuen Konsumgütern auffüllt. Im Kino wird ein Erotikfilm angekündigt. ImWald liegen Haufen von Uniformen herum, die die russischen Soldaten bei ihrem Abzug zurückgelassen haben, wie als Zeugen ihrer Flucht. In den Ruinen des Kommunismus, in denTunneln der Geschichte, findet die Märkische Trilogie ihren bewundernswerten Abschluss: Ein Pastor ruft auf, die Schuld jedermanns zu bedenken, die passive Schuld vieler, die sich von der Realität abgewandt hatten. Die schwiegen: zum Nationalsozialismus wie zum Kommunismus. Doch Schuld gibt es trotzdem, geteilte, kollektive Schuld… „Unsere eigene Schuld…“, sagt der Pastor.

Jean Perret, Visions du Réel Nyon 2009

Volker Koepp

2007 HOLUNDERBLÜTE
2007 SÖHNE
2005 SCHATTENLAND – REISE NACH MASUREN
2005 POMMERLAND
2004 DIESES JAHR IN CZERNOWITZ
2002 UCKERMARK
2001 KURISCHE NEHRUNG
1999 HERR ZWILLING UND FRAU ZUCKERMANN
VOLKER KOEPP KOLLEKTION
DOKUMENTARISCH ARBEITEN: VOLKER KOEPP: DIE DINGE DES LEBENS
1991 MÄRKISCHE GESELLSCHAFT MBH
1990 MÄRKISCHE HEIDE, MÄRKISCHER SAND
1989 MÄRKISCHE ZIEGEL



Internet

EAN 4040592004556
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 Märkische Trilogie

Preis: 33.00 CHF
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DVD5
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Region 2
FSK: 12+

Sprachen: Deutsch
Untertitel: English Français

Märkische Ziegel
DDR 1989 33'
Regie: Volker Koepp
Kamera: Thomas Plenert
Ton: Frank Löprich, Uve Haussig
Schnitt: Yvonne Loquens, Angelika Arnold
Produktion: DEFA

Märkische Heide, Märkischer Sand
D 1990 53'
Regie: Volker Koepp
Kamera: Thomas Plenert
Ton: Frank Löprich, Uve Haussig
Schnitt: Yvonne Loquens, Angelika Arnold
Produktion: DEFA

Märkische Gesellschaft mbH
D 1991 73'
Regie: Volker Koepp
Kamera: Thomas Plenert
Ton: Frank Löprich, Uve Haussig
Schnitt: Yvonne Loquens, Angelika Arnold
Produktion: DEFA

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