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Die Macht der Gefühle
Alexander Kluge
Gefühle sind nicht zu verwechseln mit Sentimentalität. Sie sind sehr alt und mächtiger als jede Kunst. Im Film geht es um junge Paare, die ihre Liebeserfahrungen in klare Entschlüsse umsetzen wollen, was sich als schwierig erweist. Eine Frau, die ihren Mann erschoß, gibt einem Richter Rätsel auf. Liebende können durch Kooperation Tote zum Leben erwecken. Davon handelt die Oper, das "Kraftwerk der Gefühle", und das Kino, die "Oper des 20. Jahrhunderts".
Serpentine Gallery Program
Ein Schatz von TV-Filmen. WER IMMER HOFFT, STIRBT SINGEND und andere wahre Geschichten. Außerdem enthält die Doppel-DVD frühe Kurzfilme von Alexander Kluge und im ROM-Bereich das 623seitige Buch DIE MACHT DER GEFÜHLE
Alexander Kluge: Leben der Gefühle
Als ich mit den Arbeiten zur MACHT DER GEFÜHLE anfing, war ich in keinem rationalen Zustand. Ich habe mir nicht gesagt, jetzt habe ich ein Thema und jetzt werde ich dieses Thema verfilmen, sondern mich hat es gepackt, zu beobachten, bei meiner näheren Umgebung beispielsweise, wie sich Gefühle bewegen. Das Motiv, daß meine Mutter gestorben ist, und daß ich "wie Gefühle sich bewegen" eigentlich von ihr gelernt habe, und wie sie gestorben ist, habe ich bis heute nicht richtig verarbeitet. Da war ein ganzes Programm von Gefühlen: "alle Gefühle glauben an einen glücklichen Ausgang", und alle glauben stillschweigend an ein ewiges Leben: Irgendwie ist das gesamte Programm einer optimistischen Natur, die sich eine positive Lebenseinstellung zum Programm gemacht hat, solange sie jung war, solange der Körper reichte, von einem Tag auf den anderen zusammengebrochen. Sie ist plötzlich gestürzt, wie in einer Oper, in der im fünften Akt die Katastrophe eintritt. Es war so, als hätte ich einem Luftangriff, einer Katastrophe zugesehen.
Der Film DIE MACHT DER GEFÜHLE handelt nicht von den Gefühlen, sondern davon, wie sie sich organisieren: wie sie organisiert werden, durch Zufall, durch fremden Einfluß, Mord, Schicksal; wie sie sich organisieren, wie sie Glück haben, das sie ja suchen. Um was geht es bei diesen Organisierungen des Gefühls? Normalerweise neigen die Gefühle zur Diktatur. Das ist die Diktatur des Moments. Ein starkes Gefühl, das ich jetzt gerade habe, verdrängt die übrigen. Das wäre bei den Gedanken nicht so. Ein Gedanke zieht eher den anderen magnetisch an. Menschen brauchen deshalb, um ihrer Gefühle sicher zu sein (die fremde Aneignung ihrer Gefühle rückgängig zu machen), die Bestätigung durch andere Menschen. Im Verhältnis vieler Menschen zueinander, also ihrer Öffentlichkeit, haben nämlich auch die verschiedenen Gefühle aufeinander eine magnetische Kraft wie die Gedanken. Die Gefühle verständigen sich durch ihre öffentliche Vorführung. Im 20. Jahrhundert ist der öffentliche Hauptsitz der Gefühle das Kino. Die Organisierung lautet: Auch die traurigen Gefühle nehmen im Kino einen glücklichen Ausgang. Es geht um eine Tröstung. Im 19. Jahrhundert ist der Hauptsitz der Gefühle die Oper. Die erdrückende Mehrheit der Opern hat ein tragisches Ende. Man sieht einem Opfer zu.
Ich bin überzeugt, daß es eine unternehmungslustigere Kombination geben müßte: sowohl in der Oper wie im klassischen Kino bleiben die Gefühle gegenüber der Macht des Schicksals ohnmächtig. Im 20. Jahrhundert verbarrikadieren sie sich um den Trost herum, im 19. Jahrhundert verschanzen sie sich um den Wahrheitsgehalt des tödlichen Ernstes.
Internet
Preis: 44.00 CHF
An Lager
DVD5 2 DVD
PAL 4:3
Region 2
Die Macht der Gefühle
D 1983 112'
Regie: Alexander Kluge
Drehbuch: Alexander Kluge
Kamera: Werner Lüring, Thomas Mauch
Schnitt: Beate Mainka-Jellinghaus
Produktion: Kairos-Film
Mit: Hannelore Hoger, Edgar Boehlke, Klaus Wennemann, Erwin Scherschel, Beate Holle, Suzanne von Borsody, Paulus Manker, Barbara Auer
Feuerlöscher E.A. Winterstein
D 1968 11'
Regie: Alexander Kluge
Kamera: Edgar Reitz, Thomas Mauch
Schnitt: Beate Mainka-Jellinghaus
Produktion: Kairos-Film
Mit: Alexander Kluge, Hans Korte, Peter Staimmer, Bernd Hoeltz
Rennen
D 1961 9'
Regie: Alexander Kluge
Protokoll einer Revolution
D 1963 12'
Regie: Alexander Kluge
Serpentine Gallery Programm
D 2005 100'
Regie: Alexander Kluge
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