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Visions du Réel

 Lynx

Preis: 38.00 CHF
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PAL 4:3
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Sprachen: Schweizerdeutsch
Untertitel: -

Lynx
CH 1990 82'
Regie: Franz Reichle
Drehbuch: Franz Reichle
Kamera: Gisela Tuchtenhagen, Franz Reichle
Ton: Ingrid Städeli, Franz Reichle
Schnitt: Franz Reichle, Myriam Flury
Musik: Joseph Haydn, Carl Maria von Weber

Stichworte
Tiere
Land
Dokumentarfilm

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Lynx

Franz Reichle

"LYNX ist ein Tierfilm, der den üblichen Rahmen sprengt. Denn eine wesentliche Eigenart des Luchses ist, dass er sich den Blicken (und den Kameras) verbirgt. So macht sich Franz Reichle auf eine äusserst ertragreiche Spurensuche, lässt Zoologen, Wildhüter und Bauern zu Worte kommen. Der Luchs gilt aber auch als Barometer für das ökologische Gleichgewicht; die Natur überhaupt wird zum eigentlichen Thema dieses Films. Die Suche nach dem Luchs entwickelt sich zu einem Essay über unseren Umgang mit dieser Wildkatze und ihren Lebensräumen, die auch die unseren sind. So akribisch und differenziert, wie die Luchsforscher ihrem Objekt nachstellen, befragt und kritisiert Franz Reichle unser Naturverständnis. Dabei erweisen sich sowohl die Argumente der Luchsforscher wie diejenigen der Gegner des Luchses als fragwürdig; der Luchs hat wohl weder in einer hochtechnisierten noch in einer vorurteilsbehafteten bäuerlichen Welt Platz. Es ist das grosse Verdienst dieses Films, aufzuzeigen, dass mit Reflexionen dieser Art letztlich mehr über das Wesen des Luchses ausgesagt wird, als dies in einem traditionellen Tierfilm überhaupt möglich gewesen wäre."
Jury des Zürcher Filmpreises

Tierfilm über den Menschen

Martin Schaub, Wochenzeitung WoZ

Über drei Jahre Recherchen, Planung, Drehbuchschreiben, Reisen, Lauern und Warten für einen bei weitem nicht „perfekten“ Dokumentarfilm; das ist selten geworden, und das kann das Fernsehen nie leisten: Franz Reichles Film über den Luchs, den König der Wälder.

LYNX von Franz Reichle, dem Filmemacher, der sich die Arbeit nie leicht gemacht hat, lebt und berührt durch seine Vorsicht und Unsicherheit, durch die prekäre Offenheit. Dieses Tasten und Suchen ist das Wesen des Films, das Wesen, das mit dem bis zum Schluss unsichtbaren Hauptdarsteller zu tun hat, dem Nachttier Luchs, das ein Geheimnis ist und eines bleiben muss, damit der Film funktioniert.

Der Film nämlich handelt nicht nur von dem einzigen (seit 1972 wieder) einheimischen Raubtier ohne natürlichen Feind, sonder viel mehr von dem Umgang, den die Menschen mit dem Ungeheuren pflegten und pflegen. Der Luchs selbst wird in Reichles Film zur Chiffre jener Natur, die sich der Mensch noch nicht „untertan gemacht“ hat. Angst hat zur Ausrottung der Raubkatze geführt, Angst lässt den wieder eingesetzten „König“ der Wälder überleben. Er ist so raffiniert und naturgescheit, dass er sich kaum fassen lässt. Orten lässt er sich bloss mit sophistiziertem technologischem Gerät. Trügen die in der Schweiz lebenden Luchse keinen Sender im Halsband, sähen wir nur seine Spuren: die Abdrücke seiner Tatzen und die Überreste der Schafe und Rehe, die er gerissen hat. Ein wunderbares Tier.

Alles Wunderbare allerdings hat ein schweres Leben. Was man (das heisst der Mensch) nicht beherrschen kann, muss beseitigt werden. Wenn es nach den Schafhirten und Jägern ginge, gäbe es keinen Luchs mehr. Man hätte ihn geschossen und notfalls (wie den tollwütigen Fuchs) vergiftet, vergast. Zum Glück ist der Luchs einerseits Forschungsgegenstand, anderseits – für hellhörige Zeitgenossen wie Franz Reichle – Symbol des Sinnes für das Ganze, den der moderne Mensch (seit der Renaissance) verloren hat. Und den er wieder finden muss, wenn er überleben will. Aber das wissen noch wenige, und deshalb gibt es jetzt diesen Film. Und deshalb hat „Lynx“ vielleicht auch diesen absoluten Einstieg mit Schöpfungsgeschichte und „Macht-euch-die-Erde-untertan“- Ideologie. Ich verzeihe sie dem Autor, schätze aber mehr die dokumentierte Filmodyssee auf den Spuren des Luchses, auch ihre selbstironische Dimension.

Franz Reichle hat wie die Sozialdokumentaristen zuerst auch mit einem Team arbeiten wollen, doch die spannendsten Sachen sind ihm gelungen, als er als Filmbastler allein mit Kamera und Tonband unterwegs war. Der Luchs hat ihn zum Improvisieren gezwungen. Welch Kluges Tier! Zum Schluss sehen wir es dann doch noch. Ein magischer Moment: nichts als der Wärmekörper des abwesenden Helden, aufgenommen mit höchst raffinierter Wärmebildtechnologie.

Die junge Lüchsin, die von den WissenschafterInnen noch nicht registriert und mit Sender ausgerüstet ist, tritt in die Falle. Und jetzt finden wir das Tier, das Geheimnis, den Sinn der Natur im Netz. Es wird vermessen; es bekommt einen Namen und einen Sender und wird auf freien Fuss gesetzt. Franz Reichle übertrifft die Einlösung der Spannung – die Erscheinung des Luchses – noch einmal. Was heisst da „Reichle“? Der Luchs ist es, der zum Schluss die optimistische Wende bringt. Er hat seinen Sender abgestreift – man sieht das Senderhalsband in einer inszenierten Einstellung – und ist wieder unsichtbar geworden. Der Film zeigt sein mutmassliches Revier in einer Flugaufnahme.

LYNX ist – ich komme an den Anfang zurück - ein tröstlicher Film, weil er etwas auf den Punkt bringt, ohne es in den Griff zu bekommen. Vielleicht sind jene Filme die stärksten, die das Unsichtbare präsent machen. Der Film führt das Tier im Titel und spricht vom Menschen. Damit dies möglich wurde, musste Franz Reichle zum Luchs werden.

Franz Reichle

Geboren 1949. Studium an der Schule für Gestaltung Zürich. 1974-80 Studium an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg.1989-95 Aufenthalt in Burjatien, Ostsibirien. Seit 1996 Dozent an der ZHDK (Zürcher Hochschule der Künste).

2004 MONTE GRANDE - WHAT IS LIFE?
1997 DAS WISSEN VOM HEILEN
1992 TRAUMZEIT
1990 LYNX
1986 AUGENBLICK
1978 ROSMARIE, SUSANNE, RUTH

Internet

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