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Journal de Rivesaltes 1941-1942
Jacqueline Veuve
Schweizer Filmpreis: Bester Dokumentarfilm 1998
Während des letzten Weltkriegs arbeitete Friedel Bohny-Reiter als Krankenschwester für die «Kinderhilfe» des Schweizerischen Roten Kreuzes im Auffanglager von Rivesaltes. Dieses Lager nahm wie viele andere in Frankreich jüdische, jenische und spanische Familien auf, die in der Freizone lebten oder dorthin geflüchtet waren.
Dank der jungen Baslerin wurden zahlreiche Kinder vor dem sicheren Tod in Auschwitz bewahrt. Auf den Spuren ihres Tagebuchs, das sie auch in jenen düsteren Jahren immer weiterführte, und auf Grund verschiedener Gespräche mit geretteten Menschen konnte das Wirken von Friedel-Bohny-Reiter in einem Film festgehalten werden.
Im letzten Teil des Films wird das Schicksal deutscher Kriegsgefangener geschildert, die nach Einstellung der Kampfhandlungen in Rivesaltes in Gefangenschaft gehalten wurden.
Der Journal de Rivesaltes (von Friedel Bohny-Reiter) liegt dem Film von Jacqueline Veuve
zugrunde. Daneben verwendet die Filmemacherin die wunderschönen,zugrunde. Daneben verwendet die Filmemacherin die wunderschönen,
aber schrecklichen Fotos von Paul Seen, Friedels Zeichnungen
– ihre letzte Zuflucht, wenn die Verzweiflung sie zu überwältigen
drohte, – die Aussagen einiger weniger Überlebender, die
sie nach stundenlangen Verhandlungen retten konnte. Man sieht
auch Friedel Bohny-Reiter selbst, wie sie durch den öden Ort
von damals streift, von dem nur noch vom Wind gepeitschte
Ruinen übriggeblieben sind. Und schliesslich dienen – wahrscheinlick
unnötige – fiktive Szenen als Übergänge.
Dennoch bleibt das Zeugnis beeindruckend. Durch seine Einfachheit,
durch seine Schonungslosigkeit. Die Verantwortung der
französischen Behörden ist erdrückend. Beschämend. Indessen
kämpft die kleine Krankenschwester Tag für Tag ohne jeden
Anspruch auf Heroismus gegen Schrecken und Schuld. «Wir
sind zu Komplizen dieses Menschenhandels geworden», klagt
sie voller Bitterkeit. Viele dieser Fragen beschäftigen die humanitären
Hilfsorganisationen heute noch. Doch Friedel hat gehandelt,
gestern schon, völlig im Verborgenen, einzig ihr Glaube gab ihr
die Kraft.
Visions du Réel 1998
Vom Wind ist als erstes die Rede. man hört ihn im Mikrophon des Tonmanns heulen. man sieht ihn im Haar der alten Frau wühlen. die für den Film nach über einem halben Jahrhundert an die Stätte vergangener Schrecken und tapferer Taten zurückgekehrt ist, man sieht ihn an den Bäumen rütteln und zerren und - in einer der schön gestalteten nachinszenierten Szenen - achtlos die Seiten des Tagebuchs umschlagen, das die junge Schweizer Krankenschwester im Barackenlager bei Rivesaltes in der Nähe von Perpignan in diesem Kriegsjahr 1941 zu führen begonnen hat. Und es wird die Rede davon sein, wie er die ausgemergelten Menschen und zumal Kinder mitunter fortgetragen und gegen Hausmauern geworfen habe.
Der Mistral fegt auch heute noch über die öde Ebene, in der kaum etwas zu gedeihen scheint. und hätte nicht die In Wien geborene. als Kind in die Schweiz gekommene Friedel Bohny-Reiter ihre damals dem Tagebuch anvertrauten Erlebnisse und Gedanken publiziert und die Filmemacherin Jacqueline Veuve das Buch (das zuerst auf französisch und erst zwei Jahre später, 1995, auf deutsch erschien) zu lesen bekommen und daraus die Idee zu einem Dokumentarfilm entwickelt - die Erinnerung an diese Vergangenheit wäre wohl längst verweht. Die Leute aus der Gegend jedenfalls, das haben die beiden Frauen inzwischen an Diskussionen über den Film von Perpignan bis Lyon wieder und wieder erfahren, wussten von nichts (von nichts mehr?).
Man sieht den Bildern (Kamera Thomas Wüthrich und Edwin Horak) die Kälte, den eisigen Luftzug an, der durch diese Landschaften unter einem hohen, pastellfarbenen Himmel fegt. Die Baracken sind heute Ruinen; sie scheinen in nicht wesentlich besserem Zustand gewesen zu sein in jenem Winter 1941, in dem die 29jährige Friedel Reiter im Internierungslager Rivesaltes ankam, um den Kindern all der Spanien-Flüchtlinge zu helfen, zu denen nach der Kapitulation Frankreichs in steigender Zahl Juden und Zigeuner kamen. Manche haben überlebt, darunter viele, die ihr Leben wohl ganz direkt dem unerschrockenen Einsatz der jungen Frau verdanken, die gleichsam um jedes einzelne Kind kämpfte und - wiewohl häufig genug erfolglos - versuchte, es vor der Deportation zu bewahren, indem sie Passierscheine fälschte und Namen abänderte.
Ob der Film darauf verweisen will, wenn nun die Frauen und Männer die das Lager als Kinder erlebt haben und heute davon erzählen, namenlos bleiben' Ihre Berichte künden von Unmenschlichkeit, von Glück und von der Notwendigkeit eines Schutzengels, von der ein Mann spricht, dem die Flucht in die Schweiz gelang, wo er von der Polizei. bei der er sich meldete, unverzüglich wieder ausgeschafft wurde. Zu den schlimmsten Erfahrungen im Lager muss die Brutalisierung unter den Insassen gehört haben. die nicht einmal die für sie bestimmten Rationen erhielten und durch Hunger und Todesangst alle mitmenschlichen Regungen verloren. Zeichnungen von Friedel Reiter und von Insassen eines andern Lagers, Gurs, die aber nicht gekennzeichnet sind, zeugen davon sowie die eindrücklichen Aufnahmen Paul Senns, deren Schönheit das Elend zwar nie verklärt, aber hier wohl doch etwas entrückt.
Christoph Egger, Neue Zürcher Zeitung
Jacqueline Veuve
Vor ihrer Zusammenarbeit mit Jean Rouch am Pariser Musée de l'homme (1955) und mit Richard Leacock am Massachusetts Institute of Technology hat Jacqueline Veuve sich Studien der Bibliothekswissenschaft, des Films und der Anthopologie gewidmet. Mit einem ersten Kurzfilm, SCHLACHTTAG (LE PANIER A VIANDE), den sie 1966 zusammen mit Yves Yersin realisierte, begann ihre Laufbahn als Filmemacherin. Die meisten ihrer Filme erhielten internationale Auszeichnungen. Heute hat Jacqueline Veuve gegen 60 Filme geschaffen – die meisten in der Schweiz, einige in Frankreich und den USA –, die an vielen internationalen Festivals gezeigt worden sind. Mit ihren Filmen, die ihr Land – ohne Nostalgie – zeigen: seine Armee, seine Bauern und Weinbauern, die Heilsarmee, die Handwerker, nicht zuletzt die Frauen, zählt die Filmemacherin heute zu den bedeutendsten Dokumentarfilmschaffenden der Schweiz.
2012 VIBRATO
2010 C'ETAIT HIER
2008 UN PETIT COIN DU PARADIS
2005 LA NEBULEUSE DU COEUR
2005 LA PETITE DAME DU CAPITOLE
2002 JOUR DE MARCHE (Deutsche Untertitel / English Subtitles)
2000 LE SALAIRE DE L'ARTISTE
2000 DELPHINE SEYRIG, PORTRAIT D'UNE COMETE
1999 CHRONIQUE VIGNERONNE
1997 JOURNAL DE RIVESALTES 1941-1942
1997 BALADE FRIBOURGEOISE
1995 OH! QUEL BEAU JOUR
1994 L'HOMME DES CASERNES(Deutsche Untertitel)
1992 ARNOLD GOLAY, FABRICANT DE JOUETS
1992 L'EVANOUIE
1991 FRANOIS JUNOD, FABRICANT D'AUTOMATES
1991 LES EMOTIONS HELVETIQUES
1990 CHRONIQUE PAYSANNE EN GRUYERE - (Deutsche Untertitel) (English subtitles)
1989 MARCELIN BABEY, TOURNEUR
1988 CLAUDE LEBET, LUTHIER
1988 MICHEL MARLETAZ, BOISSELIER
1988 FRANÇOIS PERNET, SCIEUR - SCULPTEUR
1988 LES FRERES BAPST, CHARRETIERS
1988 O. VEUVE ET J. DOUTAZ, TAVILLONEURS
1987 ARMAND ROULLIER
1987 LA FILIERE
1987 LE SABLE ROSE DE MONTAGNE
1986 PARLEZ-MOI D'AMOUR
1987 LA TRAVERSEE
1982 PARTI SANS LAISSER D'ADRESSE
1979 L'AVENIR A 15 ANS
1978 LA MORT DU GRAND-PERE OU LE SOMMEIL DU JUSTE - (English Edition)
1974 SUSAN
1974 NO MORE FUN, NO MORE GAMES
1975 SWISS GRAFFITI
1966 L'ECOLE ET LA VIE
1972 LA GREVE DE 18
1972 GENEVE, lE8 NOVEMBRE 1932
1972 LES LETTRES DE STALINGRAD
1966 MUSIQUE EN TETE
1966 DIMANCHE DE PINGUINS / DIMANCHE DE PINGUINS
1966 LE PANIER A VIANDE
Livres:
1992 UNE FEMME DE CINEMA de Bertil Galland
1983 LA MORT DU GRAND-PERE de Jacqueline Veuce
Videos
News
- Filme von Jacqueline Veuve mit deutschen Untertiteln 2006-09-05
- Kulturschaffende sagen Nein zum Asylgesetz 2006-09-03
- Retrospective Jacqueline Veuve à Paris 2006-06-20
- Jacqueline Veuve in Nyon und zehnmal bei artfilm.ch 2006-04-16
Internet
- Website Jacqueline Veuve
- Editions Zoé
- Association des professeurs d'histoire et de géographie, cercle d'étude de la déportation et la shoah, discussion sur le film
- Le mémorial du camp de Rivesaltes
- Memo.fr Interview de Repérages avec Jacqueline Veuve
- Wikipedia Jacqueline Veuve
- Centre culturel suisse de Paris: Retrospective Jaqueline Veuve
- Documentary Resources on the Nazi Genocide and its Denial
- Kritik von Martin Schlappner im Zoom
- Le "camps de la honte"
- Enseigner l'holocaust au 21ème siècle
- Fiche Visions du réel Nyon
- Sélection Visions du Réel Nyon
- Visions du Réel Nyon Fiche du film
Preis: 34.00 CHF
An Lager
DVD9
PAL 4:3
Region 0
Sprachen: Français
Untertitel: Français Deutsch English Español Catalan
Journal de Rivesaltes 1941-42
CH 1997 77'
Regie: Jacqueline Veuve
Kamera: Thomas Wüthrich, Edwin Horak
Ton: Michel Casang, Fred Kohler
Schnitt: Fernand Melgar
Musik: Thierry Fervant
Stichworte
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