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Image à paroles
Ouvindo imagens
Michel Favre
Es gibt Geschichten, die man beim Ansehen eines Bildes erzählt, und es gibt Bilder, die beim Hören einer Geschichte im Geist entstehen.
Auf dem Rücksitz eines Taxis in Sao Paulo werden die Passagiere aufgefordert, eine Geschichte über ein Bild zu erzählen, das ihnen gezeigt wird, das der Zuschauer aber nicht zu sehen bekommt. Durch diese Erzählungen, die alle einzigartig sind, entfahren wir etwas über den Erzähler und gleichzeitig über einen Aspekt der Grossstadt, die im Hintergrund vorbeizieht.
Bei der Suche nach den zu den Geschichten passenden Orten der Metropole, macht der Filmemacher Michel Favre mit uns eine ungewöhnliche Stadtrundfahrt - zu absurden oder ernsten Situationen, irgendwo zwischen der Wirklichkeit und der Vorstellungswelt der Personen, denen wir begegnen. «Bildergeschichten» ist ein mehrschichtiger Film, der uns eine aussergewöhnliche Erfahrung der Sinne und der Emotionen machen lässt, frei von den thematischen Zwängen, denen ein Dokumentarfilm gewöhnlich unterliegt.
Ein Film mit der Wirklichkeit als Hauptfigur, der uns hilft, besser in die Welt der Phantasie einzutauchen. merse us more thoroughly in the depth of human imagination.
Schwarzweissaufnahmen von Lautsprechern
auf den Dächern einer Grossstadt. Ein Durcheinander
von Stimmen und Musik ist zu hören,
wie wenn man am Radio auf der Suche nach
einem Sender am Frequenzregler dreht. Dann
kommt die Nacht. Im Off erzählen Stimmen
Fragmente von Geschichten, die ineinander
verwoben werden. Wir sind in São Paulo, in
einem noch freien, auf den Namen „Autopsi”
getauften Taxi. Eine Radiosendung liefert
die Erklärung dieses rätselhaften Einstiegs:
Als Gegenleistung für eine Gratisfahrt in
der Metropole erzählt der Fahrgast Fabiana
de Barros eine Geschichte, die ihm nach
Betrachtung eines Bilds aus einem psychologischenTest
in den Sinn kommt. Es geht hier
nicht darum, den Kunden psychoanalytisch zu
ergründen, sondern die kollektive Vorstellungswelt
einermodernen Stadt zu erforschen,
in der verschiedene soziale Klassen, Rassen
und Kulturen ineinander greifen.
Der Thematische Apperzeptionstest (TAT)
wurde von Henry Murray entwickelt, um
seinen Patienten einen Zugang zu ihren unbewussten
Zonen zu eröffnen. Zu diesem Zweck
hielt er ihnen Bilder vor, die aus Literaturzeitschriften
oder Modemagazinen stammten
und die sie zu kommentieren hatten. Im Verlaufe
des Films erläutert ProfessorWesley G.
Morgan, wie diese Illustrationen, Fotos, Malereien
ausgewählt und bearbeitet wurden. Oft
waren sie aus ihrem Kontext herausgelöst,
um grössere Mehrdeutigkeit zu erlangen.
DerTAT ist eine Art Rorschachtest, nur erheblich
suggestiver, weil direkt auf Strukturen
verweisend, die in sich starkes narratives
Potenzial bergen.
L'IMAGE A PAROLES ist jedoch zuallererst
eine urbane Symphonie. Mit ihrem „Autopsi”
befahren Michel Favre und Fabiana de Barros
kreuz und quer das Innenleben der modernen
Grossstadt. Gässchen, Strassen, Autobahnen
bilden ein riesiges, unübersehbares
Labyrinth, das der Filmemacher in mannigfaltigen
Perspektiven darstellt. Kontrapunktisch
spinnen 16mm-, Farb- oder Schwarzweissbilder
der brasilianischenWeltstadt die
Videoaufnahmen der Fahrgäste und deren
assoziierte Geschichten weiter; ob diese nun
von Kino, Liebe, Arbeitslosigkeit, Gewalt, der
Stellung der Frau oder vom Glauben handeln.
Auf seiner kurvenreichen und rasanten Fahrt
führt Michel Favre die Autopsie einer modernen
Grossstadt durch, weitab von klinischen
Bedingungen.
Visions du Réel Nyon
Bilder (sprechen) hören
„Psi! Psi! Psi! So ruft man ein Taxi in den Strassen von São Paulo. Doch was passiert, wenn das Taxi, das anhält, ein Auto PSist? Steigen Sie ein! Steigen Sie ein! Die im Stau verlorene Zeit können Sie wieder aufholen, indem Sie sich auf ein Spiel einlassen: Ich fahre Sie, wo immer Sie hin wollen in dieser Stadt. In meiner Stadt, in Ihrer Stadt, in São Paulo. Die Fahrt ist gratis, aber dafür erzählen Sie mir eine Geschichte. Ich zeige Ihnen ein Bild, von dem Sie sich zu einer Geschichte inspirieren lassen: eine Auto-Psychoanalyse, schmerzfrei und kostenlos.“So viele Fahrten wie Geschichten, die in der kokonartigen Geborgenheit des Autos anvertraut werden. Eine Entdeckungsreise durch São Paulo, bei der das Leben der Grossstadt wie mit einem Scanner in kleine Scheiben geschnitten und von Michel Favre mit der Kamera eingefangen wird.
Im Laufe der Begegnungen gewinnt das urbane Leben durch die vielen einfachen und bewegenden Geschichten mehr und mehr an Profil. Gleichzeitig wird das Leben auf den Strassen um das Taxi herum in langen Kamerafahrten eingefangen. Im Hintergrund sieht man Strassenverkäufer, skurrile Läden und Passanten, die es immer eilig haben. Ebenso viele Ausblicke wie tiefere Einblicke, die Michel Favre aus dem Leben liefert - mit dem Blick des Fremden, der sich da hinwagt, wo die Brasilianer nicht auf die Idee kommen, anzuhalten, hinzusehen oder zuzuhören. Die Kamera wandert in diesem „No man’s land“ aus grossen Ausfallstrassen, krummen Gässchen, Kreuzungen in Vorstädten umher und beleuchtet auf diese Weise den persönlichen Eindruck des Regisseurs von São Paulo, wie ein Echo der teils intimen, teils dramatischen Geschichten, die auf dem Rücksitz des Taxis anvertraut werden.
Der Film L'IMAGE A PAROLES schöpft aus mehreren Quellen. Es handelt sich nicht nur um das Portrait einer Stadt, um die Chronik eines Kunstexperiments oder eines psychologischen Spiels, welches das Ausmass der menschlichen Fantasie aufdeckt, sondern auch um einen Dokumentarfilm voller Gefühl und Poesie. Eine Liebeserklärung an eine Stadt.
Die Musik
São Paulo ist nach wie vor das Zentrum des brasilianischen Rock. Hier ist dieser Musikstil in den 60er Jahren entstanden und noch heute pulsiert die Stadt zu elektrischen Vibrationen und schweren Rhythmen. Michel Favre hat die junge, für São Paulo typische Band Naffta gebeten, einen Song für den Film zu schreiben. Statt nach Samba und Strand klingen die elektrischen Gitarren und skandierten Rap-Texte deutlich nach urbaner Kultur: „Ich fahre durch die Vorstadt, wo die Menschen in der Gosse schlafen, eine Bleibe oder 'was zu essen suchen, und sie wissen nicht, ob sie morgen überhaupt noch leben…“.
Michel Favre
2012 SI PRES SI LOIN
2006 L'IMAGE A PAROLES
2004 AUTO PSI
2003 FITEIRO CULTURAL
1999 GERALDO DE BARROS - SOBRAS EM OBRAS
1992 STICK
1988 L'AN
1985 SUSPENDUS A UN FIL
News
- L'IMAGE A PAROLES von Michel Favre 2009-09-14
- L'IMAGE A PAROLES de Michel Favre le 29 mai sur TSR2 2009-05-29
- IMAGE A PAROLES de Michel Favre sur les écrans romands 2007-03-17
Internet
- Website L'IMAGE A PAROLES
- OutNow.ch IMAGE à PAROLES
- Sélection Visions du Réel Nyon
- Visions du Réel Nyon Fiche du film
Kommentare
Stichworte: Brésil, psychologie, art, imaginaire
Michel 2009-10-16 Tweet
Preis: 30.00 CHF
An Lager
DVD9
NTSC 16:9
Region 0
Sprachen: VO Português English Español
Untertitel: Français Português English Deutsch Español
Image à paroles
CH/Brazil 2006 90'
Regie: Michel Favre
Drehbuch: Fabiana de Barros, Michel Favre
Kamera: Heloisa Passos, Denis Jutzeler, Ulrich Fischer, Michel Favre
Ton: Tide Borges, Lia Camargo, Michel Favre
Schnitt: Michel Favre, Bruno Saparelli
Musik: Banda Naffta
Produktion: Ulrich Fischer
Stichworte
Kunst
Psychologie
Brasilien
Photographie
Dokumentarfilm
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