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 Hirtenreise ins dritte Jahrtausend

Hirtenreise ins dritte Jahrtausend

Erich Langjahr

Schweizer Filmpreis 2003: Bester Dokumentarfilm

Nach SENNEN-BALLADE und BAUERNKRIEG ist HIRTENREISE INS DRITTE JAHRTAUSEND der dritte Film einer Trilogie, in der ich mich mit den elementaren Fragen des Menschen und seiner Existenz auseinandersetze. Im Zentrum stehen die Fragen nach Identität, Überleben und Zukunft.

Eine der ältesten Kulturformen menschlicher Existenz ist das Hirtentum. In seinem Wesen beinhaltet es bis heute nicht nur wirtschaftliche Interessen, sondern verkörpert eine eigene Lebenshaltung und Weltanschauung. Ich wollte das Hirtenleben von heute, am Übergang ins dritte Jahrtausend, kennen lernen. In einer Zeit des Umbruchs und des Wertewandels zwischen Tradition und Zukunft ist der Film auch Ausdruck meiner eigenen Zerrissenheit.

Ich erzähle eine moderne Hirtengeschichte, ausgehend von der Transhumanz, der Weidewirtschaft zwischen den Jahreszeiten und dem damit verbundenen Überbringen der Herden von der Winterweide auf die Sommerweide und umgekehrt.

Die Hirten im Film nehmen ein Leben mit viel Entbehrung auf sich und stellen sich einer Herausforderung, die öfters auch die Grenze ihrer Belastbarkeit erreicht. Sie kommen nicht aus der Tradition des Bäuerlichen, sondern haben diese Lebensform selber gewählt, im Bedürfnis nach der Freiheit, selber etwas Sinnvolles zu tun.
Erich Langjahr

Aus der reichen Ernte eines im Dokumentarfilm überaus fruchtbaren Schweizer Filmjahrs entfaltet dieser Film das Panorama eines Lebens, das dem Rhythmus der Jahreszeiten folgt. Menschen, Familien, die sich nicht aus Verpflichtung familiärer Tradition, sondern aus freiem Entschluss dem harten und entbehrungsreichen Alltag des Hirtenlebens unterworfen haben, erfahren die Ordnung der Natur als persönliche Freiheit. Selbst überwältigend schöne Bilder und Ereignisse verführen nicht zur Beschwörung nostalgischer Gefühle. Aus seiner klassischen Formensprache folgt eine Nüchternheit, die begeistert. Erich Langjahr, der sein eigener Produzent ist, vollendet mit der HIRTENREISE INS DRITTE JAHRTAUSEND nach SENNENBALLADE und BAUERNKRIEG eine Trilogie, die sich nach zehnjähriger Arbeit zu einem einzigartigen Oeuvre rundet.
Laudatio Schweizer Filmpreis

Nach SENNEN-BALLADE, einer Hymne an die Harmonie zwischen Natur und Kultur, und BAUERNKRIEG, einer Anprangerung der Industrialisierung in der Viehzucht, legt Erich Langjahr HIRTENREISE INS DRITTE JAHRTAUSEND vor. Dieses Werk stellt einen Bruch mit den beiden ersten Filmen des Cineasten dar, ist aber zugleich auf eigenartige Weise deren meditative und poetische Vollendung.
Der Film beginnt im rauhen Winter. Ein Mann stellt sein Zelt zwischen Bäumen auf, er macht Feuer und wärmt sein Essen. Um ihn herum Stille, eine Schafherde weidet, einzig der Wind faucht mit eisigen Böen. Zunächst fällt es einem schwer, sich vorzustellen, dass jemand heutzutage noch ein solches Leben führen kann, dann aber geht einem dessen erstaunliche Realität allmählich auf.
Erich Langjahr hat mit einer 16mm-Kamera zwischen 1994 und 2001 insgesamt während 53 Tagen gedreht, in den Kantonen Aargau, Graubünden, Luzern, Uri und Tessin. Er fängt das alltägliche Leben ohne melancholische Anflüge ein. Diese Schafhirten sind Saisonniers und müssen die kantonalen Vorschriften über die Wanderschäferei einhalten. Die Lebensbedingungen verändern sich: ein Wagen löst das Zelt ab, Viehtransporter fahren die Herde von einer Weide zur nächsten. Der Film setzt den Zuschauer den Erschütterungen unserer Zeit aus. Die erste Einstellung kündet von diesem Vorsatz: Die Kamera erfasst mit einem weit ausholenden Blick ein grasbewachsenes Stück Land, auf dem Schafe umherstreifen und welches von einer unverwüstlichen Asphaltstrasse umrandet ist.
Erich Langjahr (Kamera) und Silvia Haselbeck (Ton) haben die Härten im Leben zweier Schafhirten erfahren. Dies wird in der visuellen Kraft des Films spürbar. Die rauhen, von wenigen Worten gestörten Bilder, entstehen aus der direkten Konfrontation mit dem Schäferdasein. Die Sorgfalt, mit welcher der Cineast filmt, steht der Aufmerksamkeit des Hirten für seine Herde in nichts nach. Sie sind Brüder. Mit Leib und Seele sind sie unabhängig und einzelgängerisch, sie arbeiten zäh und beharrlich.
Diese autobiographisch anmutende Erzählung trägt auch meditative Züge. Im anbrechenden Jahrtausend ziehen diese Figuren durch eine von zahlreichen Gesetzen regierte Welt. Aber ihre Träume haben sie sich nicht nehmen lassen, in ihnen sind die Mythen einer Versöhnung von Natur, Tier und Mensch noch wach.
Visions du Réel Nyon

Wider die laute Verödung. Langjahrs HIRTENREISE

Der Schweizer Erich Langjahr ist ein Mann der Beharrlichkeit. Unbeirrbar verweigert er sich dem Diktat gängiger Erwartungen an Rasanz, Farbigkeit, Beliebigkeit leicht verdaulicher Kinokost.

Seine Dokumentarfilme hasten nicht von Station zu Station, geben Gesprächspartnern mehr als die modischen dreißig Sekunden, um Gedanken und Gefühle auszudrücken. Damit wird er auf ganz unspektakuläre Weise zu einem Rebellen wider alles Oberflächliche.

So auch mit HIRTENREISE INS DRITTE JAHRTAUSEND. Beobachtet werden Hirten, die auf Schweizer Höhen mit scheinbarem Gleichmut ihrer traditionellen Arbeit nachgehen. Lange Einstellungen schenken dem Zuschauer Muße, das Miteinander von Mensch und Tier zu erleben. Ein Genuss.

Die Geburt eines Schafes, das Balzen eines Geißbocks, das stille Grasen werden dabei zu Metaphern auf den leisen Widerstand gegen die laute Verödung unserer Welt durch ein Mehr und Mehr an genormten Abläufen und Verhaltensmustern. Lange Passagen sind von geradezu meditativer Kraft.

Wenn die Hirtenreise nach zwei Stunden zu Ende ist, möchte man das Kino gar nicht verlassen. Denn zu schön ist dieses Abtauchen in die Weite eines Daseins fern alltäglicher Hast. Hier wird der Kinobesuch gleichsam zu einer Urlaubsreise - bei der das Denken allerdings nicht ausgeschaltet wird.

Wenn da in kargen Worten von Freiheit die Rede ist, von Träumen, von Angst vor einer Zukunft, in der das Jahrhunderte alte Handwerk des Hirtens möglicherweise nicht mehr gebraucht wird, setzt ein Nachsinnen über den Gang der Zeit ein. Sollten wir nicht vielleicht die Uhren manchmal bewusst ein kleines Bisschen zurück stellen?
Peter Claus. Die Welt (Berlin)

Erich Langjahr

Geboren 1944 in Zug. Seit 1971 selbständiger Filmschaffender. 1994 Gründung der Langjahr Film GmbH zusammen mit Silvia Haselbeck (Produktion von Kino-Dokumentarfilmen, Verleih der eigenen Produktionen sowie Filme von Walter Marti und Reni Mertens, Isa Hesse und andere).

2009 GEBURT
2006 DAS ERBE DER BERGLER - ALPINE SAGA
2002 HIRTENREISE INS DRITTE JAHRTAUSEND
1998 BAUERNKRIEG
1996 SENNEN-BALLADE
1992 UNTER DEM BODEN
1990 MÄNNER IM RING
1986 EX VOTO
1978 MORGARTEN FINDET STATT

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EAN 7640139360335
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PAL 4:3
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Sprachen: Schweizerdeutsch
Untertitel: Deutsch Français English Italiano Español

Hirtenreise ins dritte Jahrtausend
CH 2002 120'
Regie: Erich Langjahr
Drehbuch: Erich Langjahr
Kamera: Erich Langjahr
Ton: Silvia Haselbeck
Schnitt: Erich Langjahr
Musik: Hans Kennel, Alpine Experience, Schönbächler Sisters, Mytha

Stichworte
Bauern
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