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Happiness Is A Warm Gun
Variationen über eine wahre Geschichte
Thomas Imbach
Happiness is a warm gun yeah eh
happine-e-ess is a warm gun
when I hold you in my arms
and I feel my finger on your trigger …
Petra, die grüne Friedenskämpferin der 80er Jahre, wird im Schlaf von ihrem Gefährten, dem früheren Bundeswehrgeneral Gert erschossen. Kurz darauf erschiesst er sich selber. War es Mord oder hat sie sich diesen Schuss gewünscht? Was geht ab in Petra, während Gerts Kugel in ihren Kopf eindringt bis zu dem Moment, wo die Kugel stecken bleibt und Petra stirbt? Sie hat ein Flash-forward in die Gegenwart und erwacht im gläsernen Transit eines internationalen Flughafens. Auf ihrem Trip durch dieses moderne Fegefeuer ringt Petra zusammen mit Gert und anderen Personen aus ihrem Leben um den Sinn dieses Schusses. Als «Durchgeknallte» entdeckt sie dabei die Wucht ihrer absoluten Wünsche.
Statement des Regisseurs
Am 20. Oktober 1992 las ich in der Zeitung: Petra Kelly wurde von Gert Bastian erschossen. Die Meldung traf mich wie ein Blitz, obwohl ich gar kein eigentlicher Petra Kelly-Fan war. Es war der Schuss, der mich faszinierte; ich wollte mehr darüber herausfinden. Weder die wilden Medien-Spekulationen – von wegen Atommafia, chinesischem Geheimdienst, Eifersucht usw., noch die allgemeine Empörung über den Ex-General, der ihr im Schlaf die Kugel gibt, befriedigten mich. Für mich stand von Anfang an fest, dass dieser Schuss ein Resultat ihrer eigenen Liebesgeschichte war, dass Petra am Trigger dieser Pistole mitgezogen hat. Ich wollte sie im Film wiederauferstehen lassen und ihr die Chance geben, ihren Tod zu verstehen. Nach langem Zögern habe ich mich 1998 entschieden, dieses Abenteuer zu wagen.
Kritik
Wenn Thomas Imbach sich einen Stoff vornimmt, ist eine kühne Tat zu erwarten. Und sein erster Spielfilm HAPPINESS IS A WARM GUN macht da fürwahr keine Ausnahme. Imbachs nicht naturalistische Methode hat hier zu einem Spiel von ausserordentlicher Dichte und Intensität geführt. Und wie immer bei Imbach ist es ein ausserordentlich schöner Film geworden.
Neue Zürcher Zeitung
Der mit Abstand reifste und schönste Film des Festivals war HAPPINESS IS A WARM GUN eine essayistische Annäherung an das Paar Petra Kelly und Gert Bastian, das der Schweizer Thomas Imbach im Untertitel »Variationen über eine wahre Geschichte« nennt. Das Unglück ist passiert. Die Kugel steckt in der Schläfe Petra Kellys. In rasender Geschwindigkeit laufen die Bilder vorbei, die Bilder einer beispiellosen Beziehung. Von nun an wird sich das Paar auf Laufbändern, in Andachtsecken, Sanitätsstuben, Toiletten, den Transiträumen eines Flughafens bewegen, sich einander nähernd und voneinander entfernend, eintauchen in Dokumente der Geschichte, öffentlich und intim, aufwühlend und erregend. Linda Olsansky, zur Zeit im Engagement an Thomas Ostermeiers Schaubühne, und Herbert Fritsch vom Ensemble der Volksbühne am Luxemburgplatz, spielen das Paar so intensiv, heutig und furios, dass man sich diesem intelligent-eigenwilligen Film nicht zu entziehen vermag. Aber Grenzerfahrung vermittelt er auf eine Weise, wie man es noch nie so sah.
Neues Deutschland
Während sich der deutsche Filmnachwuchs weitgehend ohne Widerstand den Kino- und Fernsehkonventionen ergab, kam aus der Schweiz innovative Filmkost ins Festivalmenü. Der Züricher Filmemacher Thomas Imbach lässt in seinem skurril biografischen Gedankenspiel HAPPINESS IS A WARM GUN die Ikonen der Friedensbewegung Petra Kelly und Gert Bastian im Transitraum eines Flughafens wieder auferstehen. Mit einer atemberaubenden schauspielerischen Tour de Force gelingt es Linda Olsansky den bohrenden, moralischen Impetus der Generation Kelly neu zu beleben.
Maerkische Allgemeine
Das Glück der warmen Pistole. Ein Phantasma.
Monika Gsell zu Thomas Imbachs neuem Film HAPPINESS IS A WARM GUN
Was für ein Glück nur könnte das sein, das sich wie eine warme Pistole anfühlt? Diese Frage habe ich mir oft gestellt, als ich jung war und Beatles hörte, aber ich konnte mir darauf keinen Reim machen, und irgendwann vergass ich, darüber nachzudenken. Bis eben jetzt, wo mir dieses rätselhafte Glück wieder begegnet ist, im Titel von Thomas Imbach’s neuem Film - und sofort war sie wieder da, die alte Frage, und ich war gespannt, ob mir der Film eine Antwort geben würde. Und, um es gleich vorwegzunehmen: das tut er tatsächlich, und dies auf ebenso überraschende wie überzeugende Art: Das Glück der warmen Pistole, das scheint jenes – im wörtlichen Sinn – wahnsinnige Glück zu sein, das nur im Jenseits, in der Überschreitung zu haben ist, in der Explosion, im Blow up des (eigenen) Körpers. Die Psychoanalyse hat dieses unmögliche, weil im Grunde nicht oder eben nur im Wahnsinn einlösbare Glück “la jouissance féminine” genannt, wohlwissend, dass das Unbewusste dieses Glück den Frauen andichtet, die es realiter genauso wenig zu realisieren vermögen wie die Männer. So ist es denn – um eine meiner Lieblingsstellen aus der zeitgenössischen Literatur zu zitieren – nicht zufällig die Frau in Nicholson Bakers wunderbar-heiteren Telefonsex-Novelle, deren erotische Phantasie darin kulminiert, schwebend in die Düsen eines Flugzeuges eingesogen und hinten als Blutnebel wieder ausgespuckt zu werden. Und genauso schön wie diese literarische Phantasie ist es, wenn Petra am Ende von Imbachs Film mit leuchtenden Augen erzählt, wie ihr die Kugel in den Kopf eingedrungen ist, wie sich die Wärme langsam ausgebreitet hat und sie abheben liess...
Aber beginnen wir am Anfang: Ausgangspunkt von Thomas Imbachs neuem Film HAPPINESS IS A WARM GUN (nach WELL DONE und GHETTO) ist ein Ereignis, das vor knapp zehn Jahren Schlagzeilen machte und (zumindest die deutschsprachige) Welt erschütterte: Gert Bastian, Ex-Bundeswehr-General, hat seine Lebenspartnerin, die grüne Pazifistin Petra Kelly im Schlaf erschossen und danach sich selbst getötet. Warum? War es die Reaktion auf eine innere Krise des Paares? Oder die Antwort auf die politische Isolierung der beiden innerhalb der Grünen Partei? War es Hass oder war es Liebe? War es Mord oder ging der Tat ein gemeinsamer Entscheid voraus? Es gab Thesen und Spekulationen, aber keine befriedigenden Antworten, weil befriedigend in diesem Fall nur eines sein könnte: ein Abschiedsbrief, ein Tagebucheintrag, irgendein Zeugnis, das uns irgendetwas erklärt hätte.
Was Imbach mit diesem dramatischen Stoff macht, ist verblüffend: Der Film setzt dort ein, wo das Leben der realen Figuren endet – und markiert so das nun Folgende von Anbeginn an als Fiktion. Der Film gibt damit gar nicht erst vor, den realen Tod der realen Personen ergründen zu wollen. Der Tod – der Moment des Todes, der Schuss, mit dem der Film einsetzt - eröffnet einen phantasmatischen Raum, einen Unort zwischen Leben und Tod: Petra und Gert finden sich im Transitraum eines modernen Flughafens wieder und richten sich in dieser artifiziellen Zwischenwelt ein, versuchen an die Vergangenheit - ihre politische Tätigkeit – anzuknüpfen, während sich in ihren Gesprächen das Geschehene bruchstückhaft zusammensetzt. (“Ich bin nicht tot, ich sitze hier vor Ihnen, leibhaftig. – Warum sollte Gert mich umbringen? – Was heisst denn hier, du bist tot? Du bist zynisch, du bist anders – was ist mir dir passiert?”) Der Film konzentriert sich ganz auf diese beiden Figuren und lotet in einer assoziativ verknüpften Abfolge von Bildern und Szenen die explosive Dynamik zwischen zwei starken, exaltierten, nervösen, verletzlichen und verletzenden Menschen aus. Atemlos sehen wir zu, wie zwei Menschen, Mann und Frau, sich suchen und fliehen, sich quälen und lieben – und entgegen allen Wahrscheinlichkeiten unbeirrbar an der Möglichkeit festhalten, doch noch glücklich zu sein, doch noch irgendeine Form von Zukunft zu haben, und sei dies auch nur, indem ein naiver Kleinmädchen-Traum in Erfüllung geht. “Einmal im Leben etwas mit pietätvoller Feierlichkeit zu vollziehen” (Petra) – einmal im Leben eine Prinzessin mit Gänseblümchen im Haar zu sein. Einmal im Bett zusammen frühstücken ...
Die Symbiose von Petra und Gert wird im Film immer wieder durch die Begegnung Petras mit Figuren aus ihrem früheren Leben aufgebrochen: Sie trifft Tashi, ihren tibetanischen Liebhaber, in einem Hotelzimmer im Flughafen (und Tashi schmiert ihr liebevoll die eklige Plastilin-Wunde an der Schläfe weg, die uns den ganzen Film hindurch an den Schuss erinnert). Ihre über alles geliebte Omi findet Petra nach einem Schwächeanfall auf dem Fussboden des Transits und ermöglicht ihr ein paar Momente ausgelassener Unbeschwertheit. Petra macht auf ihrer Odyssee durch den Flughafen aber auch neue Bekanntschaften: die Ausschaffungshäftlinge, die sie im Gefängnis besucht und dabei mit ihren Lebensgeschichten konfrontiert wird. Einen davon – Serge – trifft sie noch zwei weitere Male und es scheint, als ob sich zwischen den beiden eine herzliche Freundschaft entwickelte.
In den Szenen mit Serge zeigt sich eine Besonderheit von Imbachs Film ganz besonders deutlich: das unauflösliche Ineinanderverwobensein von Fiktivem und Realem, die Einmischung der Figuren in das Hier und Jetzt des realen Schauplatzes. Denn Serge und die anderen Ausschaffungshäftlinge sind ganz und gar real – genauso wie das Flughafenpersonal, von der Polizistin über den Seelsorger bis hin zu der Notfallcrew, die Petra versorgen, nachdem sie zusammengebrochen ist. Dieses Oszillieren zwischen den Realitäten verleiht den beiden Figuren Petra und Gert ein Höchstmass an Authentizität, das auch dann nicht gebrochen wird, wenn sie der realen Petra Kelly und dem realen Gert Bastian gegenübergestellt werden. Im Gegenteil: In einer ungemein stimmigen Inszenierung sehen wir Petra und Gert in einem Fernsehstudio sitzen, hinter ihnen auf riesigen Monitoren die Archivbilder von Kelly und Bastian im Bundestag, zusammen mit Altkanzler Kohl, Erich Honecker, Lady Diana oder dem Dalai Lama. In dieser synchronen Gegenüberstellung wird denn auch deutlich, wie kongenial die beiden Schauspieler (Linda Olsansky und Herbert Fritsch) ihre Figuren verkörpern, wie nahe sie ihnen nicht nur im Äusseren, sondern vor allem auch im Ausdruck kommen – und dies, obwohl oder gerade weil ihr Spiel einen Hang zum Witz und zur Ironie hat, welche die Besessenheit, die symbiotische Verstrickung von Kelly und Bastian bricht und zugleich pointiert.
Dass die Found Footage-Bilder sich so bruchlos in die gespielten Szenen einfügen, hat aber noch einen weiteren Grund: Sie haben ganz offensichtlich nicht die Funktion, auf eine historische Realität, auf ein filmisches Ausserhalb zu verweisen. Wie in den traumhaft-irrealen Sequenzen – Fahrten durch blühende Kirschbäume; Petra, nackt, in einer hyperrealistischen, moosigen Böschung versinkend; Petra und Gert an einer Gletscher-Felswand wie in einem Stummfilm, immer wieder von neuem abstürzend – geht es in diesem Film letztlich um eines: Bilder für eine innere Realität zu finden. Diese innere Realität ist vor allem ein Zustand der Spannung, der Gespanntheit, der Intensität, die sich auf den Zuschauer überträgt und ihn unter Draht setzt. Es ist die Spannung des Fingers am Abzug. Es ist das Loch, das an Petras Schläfe klafft und uns durch den ganzen Film hindurch begleitet, uns permanent mit unseren eigenen, zutiefst beunruhigenden Phantasien konfrontiert. Nur: Was haben diese Phantasien mit dem realen Tod von Kelly und Bastian zu tun?
Eine, die gleich nach dem Tod reagierte, war Alice Schwarzer. Ihr Fazit: “Frauen sind vogelfrei. Auch noch im 20. Jahrhundert.” Imbach macht genau das Gegenteil: Er befreit den tragischen Tod von Kelly und Bastian von solchen ideologischen Vereinnahmungen und gibt ihnen damit ihre Würde zurück. Das Loch an Petras Kopf macht sie nicht zum Opfer von Gert. Beide sind sie im Grunde genommen das Opfer ihrer eigenen Suche nach Intensität und Glück. Das Schöne an Imbachs Film ist, dass er dieses Glück, das Kelly und Bastian weder im Tod noch im Leben finden konnten, dort einholt und spürbar macht, wo es auch seinen einzigen möglichen Ort hat: in der filmischen Phantasie, in der Kunst.
(Petra:) ... und die Kugel, die schaffte es innerhalb kürzester Zeit, mit einer ganz warmen Empfindung, alles wegzudrängen, also sie machte sich Platz in mir und das war wahrscheinlich der Moment, wo ich kurz abgehoben bin. Ich hatte lange oben gewartet auf Gert.
(Gert:) Ich habe gemerkt, dass du an mir gezogen hast. Du hast mir auch geholfen ja, ich habe gespürt, wie du an mir ziehst und wie du mich da in diese andere Dimension rüberziehst.
Petra Kelly (1947 - 1992)
Petra Kelly wurde am 29. November 1947 als Petra Karin Lehmann in der bayerischen Stadt Günzburg geboren – jener Stadt, die – wie Petra Kelly in Interviews und Reden gerne erwähnte – auch die Geburtsstadt des „Todesengels“ Josef Mengele war, dem Chefarzt von Auschwitz. Als Petra sechs Jahre alt war, verliess ihr Vater – ein Kriegsreporter und Journalist – die Familie. Petra begann immer mehr Zeit in der Obhut ihrer Grossmutter mütterlicherseits, Kunigunde Birle, zu verbringen, währenddem ihre Mutter für die amerikanische Besatzungsmacht in Deutschland arbeitete. Petra besuchte eine von katholischen Nonnen geführte Mädchenschule und wurde früh schon von Omi Birles Liebe zur Literatur sowie deren Interesse am Zeitgeschehen und an sozialen Fragen geprägt. Petra litt unter Nierenproblemen und musste sich mehreren schmerzvollen Operationen unterziehen.
1958, als Petra elf Jahre alt war, heiratete ihre Mutter einen amerikanischen Leutnant, der in Deutschland stationiert war. Petra nahm den Namen ihres Stiefvaters an, wurde von diesem aber nie offiziell adoptiert, damit sie ihre deutsche Staatsbürgerschaft behalten konnte. 1959 wurde ihre Halbschwester Grace Patricia geboren, 1960 ihr Halbbruder Johnny. 1959 zog die Familie in die USA, zuerst nach Georgia, dann nach Virginia, wo Petra die Highschool absolvierte. Petra beherrschte die englische Sprache schnell und zeichnete sich als exzellente Verfasserin von schriftlichen Texten und öffentlichen Reden aus. Sie nahm aktiv am Schulleben teil, unter anderem auch als „Cheerleader“. 1966 schrieb sie sich an der American University in Washington D.C. für die School of International Service ein.
1967 wurde bei Petras Halbschwester Grace Krebs diagnostiziert. 1968 gelang es Petra auf Wunsch ihrer Schwester eine Audienz beim Papst Paul VI für das kranke Kind und dessen Familie zu arrangieren. Nach drei Jahren erfolgloser Behandlung starb Grace im Jahr 1970. Der tapfere Kampf des kleinen Mädchens gegen die Krankheit war es, der Petra in ihrem eigenen Kampf um die Anerkennung der Verbindung von Umwelt-Themen, Atomenergie und Gesundheit beflügeln sollte. Sie wird später die Grace P. Kelly-Stiftung für krebskranke Kinder gründen und übernahm ein Jahr nach dem Tod ihrer Schwester die Patenschaft für ein tibetanisches Flüchtlings-Waisenkind, die ihr Leben lang währte.
Während ihrer Zeit als Studentin in Washington begann sich Petra in der Politik zu engagieren; sie unterstützte die Wahlkampagnen von Robert Kennedy und Hubert Humphrey, einem ihrer Mentoren. Sie engagierte sich in der Studentenpolitik, setzte sich für die Rechte von ausländischen Studierenden ein und organisierte eine Reihe von Veranstaltungen zur Förderung der internationalen Zusammenarbeit. 1970 schloss sie mit einem cum laude-Bachelor in Internationalen Beziehungen ab. Sie ging ohne ihre Familie wieder nach Europa zurück und schrieb sich an der Universität von Amsterdam ein, wo sie 1971 den Master in Internationalen Beziehungen machte. Noch im selben Jahr zog sie nach Brüssel und begann für die EG zu arbeiten.
In den 70er Jahren wurde Petra politisch aktiv im Bereich der Bürgerrechte, des Umweltschutzes, der internationalen Zusammenarbeit und des gewaltfreien Widerstands. In dieser Zeit hatte sie enge private und berufliche Beziehungen zu einer Reihe von politisch tätigen Männern, die oft sehr viel älter waren als sie und die Petra in der Entwicklung ihrer eigenen politischen Position beeinflussten: Sicco Mansholt, der niederländische Präsident des Europa-Rats und Mitglied der holländischen Widerstandsbewegung im 2. Weltkrieg; John Carroll, ein irischer Gewerkschaftsführer und Antiatom-Aktivist; Roland Vogt, der spätere Mitbegründer der Grünen Partei.
1979 wurde die Grüne Partei gegründet, Petra Kelly figurierte als Kandidatin Nummer 1 auf der Liste für die europäischen Parlaments-Wahlen. In den ein Jahr später folgenden Deutschen Bundeswahlen wurde sie ebenfalls an erster Stelle für die bayerischen Grünen nominiert. Die Partei gewann zwar in keiner der Wahlen einen Sitz, aber die öffentliche Unterstützung nahm kontinuierlich zu. 1980 trat Petra Kelly aus der katholischen Kirche aus und begründete diesen Entscheid in einem Brief an Papst Johannes Paul II. Im selben Jahr lernte sie Gert Bastian kennen. Bastian, geboren 1924, ein 3-Sterne-General und in seiner Jugend ein überzeugter Nazi und Wehrmacht-Soldat, trat 1980 aus Protest über die us-amerikanische Stationierung von Atomwaffen auf deutschem Gebiet aus der Armee aus. In den folgenden zwei Jahren entwickelte sich Bastian – nicht zuletzt unter dem Einfluss von Petra Kelly – zu einem vollblütigen Pazifisten und Mitkämpfer der Grünen Partei. Er wurde Petra Kellys Geliebter und ständiger Begleiter; sie nannte ihn ihren „engsten politischen und persönlichen Verbündeten“. 1982 wurde Petra Kelly von der Right Livelihood Foundation in Stockholm der Alternative Nobelpreis verliehen.
1983 wurde die Grüne Partei endlich ins Deutsche Parlament gewählt, Petra war eine von drei Partei-Sprechern. In den 80er Jahren war Petra extrem aktiv: sie war Parlaments-Mitglied, besuchte und organisierte Versammlungen und Konferenzen auf der ganzen Welt und publizierte Bücher. Auf dem internationalen Parkett wurde sie zur wichtigsten Figur der Grünen Partei. Mit ihrem Charisma, ihrer Intelligenz und ihren sprachlichen Fähigkeiten war sie der Liebling der Presse und arbeitete unermüdlich, um die aussenpolitischen Beziehungen der Grünen Partei zu intensivieren. Gleichzeitig begann sie immer stärker unter der Angst zu leiden, alleine zu sein. Sie liess sich permanent begleiten, entweder von Gert Bastian oder von ihrer Omi Birle (die wegen ihrer aktiven Rolle in der Grünen Politik ‚die grüne Omi’ genannt wurde). Die Grüne Partei hatte zunehmend mit inneren Uneinigkeiten zu kämpfen und einige Mitglieder nahmen es Petra übel, dass sie sich weigerte, ihren Sitz weiterzugeben und damit gegen das parteiintern geltende Rotationsprinzip verstiess.
Die Krise der Grünen spitzte sich zu Beginn der 90er Jahre zu: Der Fall der Berliner Mauer 1989 und die Wiedervereinigung Deutschlands 1990 haben tiefgreifende Veränderungen im politischen Klima nach sich gezogen. In den Bundeswahlen des vereinigten Deutschlands im Dezember 1990 gewannen die Grünen keinen einzigen Sitz. Zum ersten Mal seit 1983 war Petra ohne politisches Mandat, und 1991 wurde sie von einer grossen Mehrheit als Parteisprecherin abgewählt. Von der Sunday Times wurde sie allerdings noch im Herbst desselben Jahres als eine von tausend Machern des 20. Jahrhunderts geehrt. Obwohl sie kein politisches Amt mehr hatte, setzte sie ihre Reisen fort und nahm weiterhin an Konferenzen teil. Sie und Gert Bastian haben dafür gesorgt, dass der Dalai Lama 1988 nach Deutschland kam und zu Beginn der 90er Jahre setzten sie ihr Engagement für eine öffentliche Sensibilisierung der tibetanischen Sache fort.
Zu Beginn des Jahres 1992 versuchte sich Petra in der Moderation einer Reihe von Umwelt-Sendungen auf SAT1, aber die Zusammenarbeit dauerte nicht lange. Im März 1992 wurde Bastian von einem Auto angefahren und ernsthaft verletzt. Bastians gesundheitliche Probleme verstärkten die Schwierigkeiten, die das Paar ohnehin hatte und zu denen nebst finanziellen Schwierigkeiten auch der Versuch gehörte, eine neue politische Plattform zu finden. Wie auch immer: Petra Kelly schmiedete immer noch Pläne für die Zukunft. Sie überlegte sich, sich als Kandidatin der Grünen Partei für die bevorstehenden Europa-Parlaments-Wahlen aufstellen zu lassen. Am 1. Oktober 1992 erschoss Gert Bastian Petra Kelly im Schlaf und tötete sich danach selbst. Ihre Leichen wurden 19 Tage später gefunden. Was genau passiert ist, bleibt unklar.
Aber man ist sich im allgemeinen darin einig, dass Petra Kelly nicht sterben wollte.
Thomas Imbach
Geboren 1962 in Luzern. Unabhängiger Filmemacher mit Sitz in Zürich. Mit eigener Produktionsfirma Bachim Film produziert er seine Filme. Hat für seine Arbeit in der Schweiz und im Ausland mehrere Preise erhalten.
2011 DAY IS DONE
2007 I WAS A SWISS BANKER
2006 LENZ
2002 HAPPY TOO
2001 HAPPINESS IS A WARM GUN
1998 NANO-BABIES
1997 GHETTO
1994 WELL DONE
1991 RESTLESTNESS
1988 SCHLACHTZEICHEN
News
- Thomas Imbach in Berlin vom 17. bis 30. März 2007-03-16
- Drei Filme von Thomas Imbach 2006-06-03
Internet
- Website HAPPINESS IS A WARM GUN
- Lyrics of the Beatles Song HAPPINESS IS A WARM GUN
- Starpulse Critics All Movie Guide HAPPINESS IS A WARM GUN
- Cineman Kritik HAPPINESS IS A WARM GUN
- Deutsches Historisches Museum: Biographie Petra Kelly
- Institute of International Studies, UC Berkeley: Conversations with History: Petra Kelly and Gert Bastian
- Wikipedia Petra Kelly
- Mother Jones: Who killed Petra Kelly?
- People in Action: Petra Kelly
- High Beam / Natinal Affairs: The pacifist and the general. (Petra Kelly and Gert Bastian) by Melvin J. Lasky
- Greenleft: Petra Kelly by Frank Noakes
- A Convenient Fiction. Stephen Batchelors meets Petra Kelly and Gert Bastian four days before their death
- Website Thomas Imbach - Bachim Film
- SWISSFILMS portrait Thomas Imbach
Preis: 29.00 CHF
An Lager
DVD9
PAL 16:9
Region 0
Sprachen: Deutsch
Untertitel: Deutsch English
Happiness Is A Warm Gun
CH 2001 92'
Regie: Thomas Imbach
Drehbuch: Thomas Imbach, Peter Putschert, Jürg Hassler
Kamera: Jürg Hassler, Thomas Imbach
Ton: Thomas Imbach, Peter Bräker
Schnitt: Jürg Hassler, Thomas Imbach
Musik: Sir Henry, Peter Bräker
Mit: Linda Olsansky, Herbert Fritsch
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