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Hafner's Paradise
El Paraiso de Hafner - Confrontin a Nazi's Mind
Günter Schwaiger
Umgeben von seinen Nazifreunden lebt der frühere Schweinezüchter, ruinierte Erfinder, Playboy und v.a. ehemalige Waffen-SS Offizier HAFNER in Spanien und träumt vom kommenden 4. Reich. Im Laufe des Filmes führt er uns in seine dunkle und groteske Welt ein, die er sich nach seinem Gutdünken zurechtgelegt hat und die er mit Stolz regiert. Schliesslich jedoch wird er von der Realität eingeholt.
Mit Paul Maria Hafner, Hans Landauer – ehemaliger Häftling des KZ Dachau (1941-1945) / ehemaliger Interbrigadist im spanischen Bürgerkrieg, und Jochen Heyroth – ex-NSDAP Mitglied, ex-Soldat der Legion Condor.
Kritik Semaine de la Critique
Ich sehe meinen Film als eine Herausforderung und als Duell zugleich. Als Herausforderung, weil es mich mit der fast verdrängten Vergangenheit meines Heimatlandes, der dunklen Geschichte Österreichs konfrontiert. Als Duell, weil es unglaublich schwierig ist, jemandem zu begegnen, der all das verachtet, was ich wertschätze.
Günter Schwaiger
Was niemand weiss: Es gibt in Spanien noch viele Schweine deutscher Zucht erzählt Paul Maria Hafner in der ersten Szene des Films stolz. Hafner, 84, kam vor über fünfzig Jahren als Angestellter von Mannesmann nach Spanien und hat nicht nur Schweine gezüchtet und einen Apparat zur Jogurtherstellung entworfen, sondern noch viel anderes in diesem Land gemacht, das er heute als sein Paradies bezeichnet. Schon bald erhält das Bild des vielseitigen und doch ganz charmanten Rentners jedoch Risse. Gewaltige sogar. Langsam entfalten sich Geschichten aus der Vergangenheit als SS-Offizier, Hafners ungebrochene Glorifizierungen des Nationalsozialismus und Hitlers. Es wird deutlich, wie während der Francistischen Diktatur verschiedene NS-Verbrecher in Spanien Unterschlupf gefunden haben und zum Teil noch immer dort leben. Den dramaturgischen Kulminationspunkt bildet die tragische und zugleich beinahe unfassbare Gegenüberstellung des Holocaustleugners Hafner mit einem ehemaligen Insassen des KZs Dachau.
Günter Schwaiger, der sich seit längerem intensiv mit den Verbrechen des Franco-Regimes auseinandersetzt, vollbringt auf eindrückliche Weise eine äusserst heikle filmische Gradwanderung zwischen teilnehmender Beobachtung und vehementer Distanzierung, zähneknirschendem Humor und offenem Schaudern, Tabubrüchen und nüchterner Analyse. Hafner ist nicht das blosse Objekt journalistischer Recherche, sondern lebendiges Subjekt mit einem Hang zum Exhibitionismus: Die dadurch entstehende Nähe ermöglicht ebenso tiefere Einsichten, wie sie uns aufwühlt. Immer klarer erscheint die Lebenslüge als Schutz vor dem eigenen Gewissen. Spannend auch, wie der den Körperkult pflegende Hafner, der damit prahlt, noch nie ein Medikament geschluckt zu haben, gegen Ende zunehmend von physischen Schmerzen heimgesucht wird: Ein psychosomatisches Ventil des Schuldgefühls? Regisseur Schwaiger ist ein schonungsloses, in manchen Momenten geradezu bösartiges Porträt gelungen, das gleichzeitig mit dem Atem der Vergangenheit wie dem der Gegenwart spricht. Ein Film, der nachdenklich stimmt, dokumentiert und informiert, ohne jedoch apodiktische Belehrungen aufzuzwingen. Trotzdem bleiben Standpunkte unmissverständlich: man lese noch mal das Zitat am Anfang dieser Besprechung.
Till Brockmann, Semaine de la Critique Locarno
Der Regisseur zum Film
Die Begegnung mit Paul Maria Hafner, einem ehemaligen Waffen-SS Offizier, der in Spanien lebt, war mich mich abstossend und anziehend zugleich. Zum ersten Mal hatte ich die Gelegenheit mit einem Mitwisser, Mittäter und ideologisch gleichgeschalteten Autor des 3. Reiches zu sprechen. Als Österreicher mit Eltern, die während des Nazismus ihre Jugend verbrachten, eine unglaubliche Gelegenheit in die Vergangenheit zu tauchen, um in ihr Antworten zu suchen auf Fragen, die mir bisher unbeantwortbar erschienen.
Auf meinem Weg diesen Film zu realisieren stiess ich v.a. in Österreich auf grosse Ablehnung seitens gewisser Leute, denen der Gedanke unmöglich erschien, einem ehemalgien SS-Offizier und KZ Mitwisser das Wort zu erteilen. Ich liess mich aber nicht davon abbringen, da ich davon überzeugt war, in dieser Begegnung etwas Neues und für mich persönlich Erschöpfendes zu finden.
Hafners NS-Vergangeheit ist in unseren Breiten nichts Aussergewöhnliches. Es ist die Geschichte eines fanatisierten Jugendlichen, der sich in eine Welt hineinreissen liess, die er bis heute nicht verlassen hat. Ich hatte ihn nach monatelangen Recherchen entdeckt, und von Anfang an war es die Intensität, mit der er sich meinen Fragen auslieferte, die mich anzog. Mir war es wichtig ihm zuzuhören und zwischen seinen Worten den Menschen herauszuspüren, den Verblendeten, der sich benutzen liess, den Alten, der sich zu rechtfertigen sucht und den Zyniker, der Komplizen braucht. Zwischen uns entstand dabei eine Beziehung, die nicht leicht zu beschreiben ist. Widersprüchliche Gefühle menschlicher Nähe entfalteten sich gleichzeitig mit verborgener Wut, Widerwillen und Verblüfftheit. Aber hinter all dem gab es immer eine schwer definierbare Verbindungslinie, die wir beide benutzten, um trotz enormer, meist unausgesprochener Differenzen miteinander zu kommunizieren.
Dass es mir viel schwerer fällt auf Deutsch einen Text zum Film zu schreiben als auf Spanisch oder Englisch, hängt wohl damit zusammen, dass ich mich hier an ein ganz anderes Publikum richte. Im Deutschen braucht es nur wenige Worte zum Film, denn sein Inhalt betrifft uns alle, er ist uns allen nahe und holt uns alle ein.
News
- HAFNER'S PARADISE von Günter Schwaiger 2009-08-18
Internet
Preis: 30.00 CHF
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DVD9
PAL 4:3
Region 2
FSK: 6+
Sprachen: Deutsch Español English
Untertitel: Español English Français
Hafner's Paradise
Spain/Austria 2007 72'
Regie: Günter Schwaiger
Drehbuch: Günter Schwaiger
Kamera: Juan Lucas
Ton: Miguel Rejas
Schnitt: Martin Eller, Martin Elner
Musik: Ulrich Fussenegger, Bernhard Lang, Ernesto Molinari
Produktion: Günter Schwaiger
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