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Grounding

Die letzten Tage der Swissair

Michael Steiner, Tobias Fueter

Nominiert für den Schweizer Filmpreis 2007

Der Film erzählt von den letzten Tagen der Schweizer Fluggesellschaft Swissair, vom historischen Grounding ihrer Flotte am 2. Oktober 2001 und davon, wie es überhaupt soweit hat kommen können. Gleichzeitig schildert der Film das mit diesen Ereignissen unzertrennlich verbundene reale Schicksal des Topmanagers Mario A. Corti, dem letzten, glücklosen Chef der traditionsreichen Airline, aber ebenso das tragische Los namenloser Menschen, die im Sog des «Swissair»-Niedergangs beinahe alles verlieren: Job, Haus und ihren Glauben an die bisherige Schweiz.

Als der bisherige Nestlé-Finanzchef Mario Corti im März 2001 den Posten des Swissair-Chefs übernimmt, ist er auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt. Schon kurz nach Amtsantritt landet er aber auf dem harten Boden der Realität: Während er das Gros des Swissair-Personals für sich und seine Pläne gewinnen kann, fühlt sich Corti von einem Teil des Managements im Stich gelassen, das immer noch in der goldenen Vergangenheit lebt und für sein Versagen während der Ära Philippe Bruggisser nicht zur Verantwortung gezogen werden will. Da nützt es Corti wenig, eine alte und treue Verbündete an Bord zu holen, die zähe Texanerin und Nestlé-Finanzfrau Jacqualyn Fouse. In der riesigen Swissair-Zentrale am Klotener Balsberg kämpft das verwegene Duo den ganzen Sommer über gegen Windmühlen, denn das Erbe Bruggisser gleicht einem Chaos. Es zeichnet sich ab, dass Corti, dem bislang der Ruf des souveränen Steuermannes vorausgeeilt ist, sich diesmal überschätzt hat. Unter dem enormen öffentlichen und wirtschaftlichen Druck, der sich nach den New Yorker Terroranschlägen vom 11. September 2001 nur noch verschärft, entsteht deshalb ein unternehmerischer Kompromiss: Swiss Air Lines unter der Führung von André Dosé. Als dieses Konzept aber am mangelnden Goodwill der Banken scheitert und der Swissair Ende September 2001 die Illiquidität droht, steht Corti definitiv mit dem Rücken zur Wand.

Dramatischer Höhepunkt dieses emotionalen Thrillers bilden das Grounding vom Dienstag, 2. Oktober 2001, sowie die Ereignisse der vorangehenden drei Tage, die es in ihrer unglücklichen und intrigenhaften Verkettung verursacht haben. In der Folge entbrennt ein heftiger, dramatischer und offener Machtkampf zwischen der Zürcher Wirtschaftselite rund um den CS-Chef Lukas Mühlemann einerseits und dem Basler Establishment anderseits, zwischen zwei Firmenkulturen, zwischen zwei Management-Generationen, zwischen Staatsräson und New Economy, bis der Konflikt in jene Katastrophe mündet, die auch die Bundesräte Kaspar Villiger und Moritz Leuenberger nicht mehr verhindern: Der Swissair geht das Geld aus, ihre Flotte bleibt am Boden, und die Bilder dieses denkwürdigen Tages gehen um die Welt.

Nicht nur ein Unternehmen, das jahrzehntelang den Ruf einer fliegenden Bank hatte, bricht an diesem Tag zusammen, tausende Menschen sind betroffen, verlieren Job und Zukunftsperspektiven, erleben Dramen und Tragödien und verzweifeln an einer Welt, die sie nicht mehr verstehen. Auch ihr Schicksal wird realitätsnah in die Filmhandlung verwoben. So entsteht anhand des Fall Swissair das Bild einer Schweiz, wie man sie bisher nie wahrgenommen hat, einer Schweiz, die für den Grössenwahn der New Economy der 90er Jahre und die Arroganz von Macht und Geld die Quittung bekommt.

Doppel-DVD mit zahleichen dokumentarischen Materialien

Hand in Hand gehen Drehbuch und Regie beim Mix von Realität und Fiktion. Auf höchstem Niveau werden zahlreiche Doku-Aufnahmen in den Film eingefügt. Das gibt dem Thriller einen sehr authentischen, zugleich aber auch manipulativen Charakter. Die geschickt eingefügten und zusammen geschnittenen Fernsehaufnahmen verleihen natürlich ein hohes Maß an besagter Authentizität, sind aber schlussendlich auch nur Stückwerk. Richtig war die Entscheidung, neben den vielen Doku-Aufnahmen weitere Szenen nachzuspielen. Diese finden vor beeindruckend realistischer und aufwendig ausschauender Kulisse statt. Da die jeweiligen Darsteller ihren Vorbildern tatsächlich ähnlich sehen, muss beim Zuschauer keine Verwirrung aufkommen. Das hohe inszenatorische Niveau lässt den Film so nicht wie eine typische Pseudodokumentation wirken, wie sie auf den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern so gerne ausgestrahlt werden. Im Gegenteil, als äußerst echt wirkender Doku-Thriller überzeugt „Grounding – Die letzten Tage der Swissair“ auf ganzer Linie. Eine lobende Erwähnung verdient in diesem Zusammenhang auch Adrian Frutigers professioneller Soundtrack, welcher das Geschehen ausgezeichnet untermalt und positiv an Hollywoods Genrevertreter erinnert.
René Malgo, Filmstarts.de

Michael Steiner

Geboren 1969 in Hergiswil. Studium der Ethnologie, Kunstgeschichte und Filmwissenschaft an der Universität Zürich. Journalist, Pressefotograf und Regisseur für Condor Film, Zürich. Diverse Auftragsfilme und Werbespots. 2006 Schweizer Filmpreis, Bester Spielfilm für MEIN NAME IST EUGEN.

2012 DAS MISSEN MASSAKER
2010 SENNENTUNTSCHI
2006 GROUNDING - DIE LETZTEN TAGE DER SWISSAIR
2005 MEIN NAME IST EUGEN
2002 SUITE 705
2001 SPITAL IN ANGST
2000 AUF HERZ UND NIEREN
1996 NACHT DER GAUKLER
1991 DIE SCHWEBENDEN HÄUSER

Tobias Fueter

Geboren 1973 in Zürich. Seit 1994 als freischaffender Regisseur, Autor und Editor tätig. 1997 Filmstudium an der Tisch School of Arts (New York University), wo er diverse Kurzfilme realisierte. Führt Regie für Musikvideos und Werbefilme.

2006 GROUNDING - DIE LETZTEN JAHRE DER SWISSAIR
1999 SIGN OF THE TIMES
1999 CITY OF BAGELS

News

Internet

EAN 7611372640607
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 Grounding

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Sprachen: Schweizerdeutsch Français Italiano
Untertitel: Français Italiano

Grounding
CH 2006 120'
Regie: Michael Steiner, Tobias Fueter
Drehbuch: Jürg Brändli, Michael Sauter, Michael Steiner, René Lüchinger, Tobias Fueter
Kamera: Filip Zumbrunn
Ton: Patrick Becker
Schnitt: Tobias Fueter
Musik: Adrian Frutiger
Producer: Peter-Christian Fueter, Peter Reichenbach
Mit: Hanspeter Müller-Drossaart, Gilles Tschudi, László I. Kish, Michael Neuenschwander, Rainer Guldener, Stefan Gubser, Pasquale Aleardi, Stephanie Japp, Hans-Heinz Moser, Leonardo Nigro, Enzo Scanzi

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