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Geburt

Silvia Haselbeck, Erich Langjahr

In diesem Film erlebt der Zuschauer die Geburt des Menschen als elementares, körperliches und sinnliches Erlebnis.

Die Filme von Erich Langjahr, die seit zwanzig Jahren in enger Zusammenarbeit mit seiner Frau Sylvia Haselbeck – der Mutter seiner beiden Kinder – entstanden sind, zielen darauf ab, Gesten und Handlungen in ihrer Ursprünglichkeit zu beschreiben. Man denke nur an DAS ERBE DER BERGLER (2006), der von dieser Lust am Beobachten anhand der im Verschwinden begriffenen Bergbauern zeugt. GEBURT, in Co-Regie mit Sylvia Haselbeck entstanden, beginnt mit einer schwangeren Madonna (der Regisseurin selbst) und Ansichten von Grotten und Höhlen, Symbolen für den Bauch der Erde und mithin für den Mutterbauch selbst. Es folgt eine erstaunlich einfache Geschichte, die Augenblicke einer Schwangerschaft zeigt.
Nach ein paar Geburtsvorbereitungskursen – tief durchatmen! – sehen wir die Geburt in Echtzeit, ganz ohne unpassende, beschleunigende Schnitte. Der Film entwickelt seinen eigenen Rhythmus, der der realen Dauer des gezeigten Geschehens so nahe wie möglich kommt. Die beiden Filmemacher, die den Film selbst geschnitten haben, beherrschen die Kunst der Ellipse, ohne die Echtzeit zu beschleunigen.
Im zweiten Teil des Films wird der erste noch vertieft. Wir lernen die charismatische Hebamme Patricia kennen, die ihren Beruf mit Ruhe und Urvertrauen ausübt. Ihre Gesten undWorte, ihr Lächeln fordern dazu auf, sich an dieser Feier des Lebens zu beteiligen, die Erich Langjahr und Sylvia Haselbeck mit dem richtigen Abstand und bemerkenswerter Zurückhaltung zu filmen verstehen. Nie verletzen sie während den einzelnen Etappen der Schwangerschaft die Intimsphäre, sondern nehmen innig Anteil am unvergesslichen Ritual werdenden Lebens. So wird die Ultraschalluntersuchung zu einem spektakulären Erlebnis, wie eine rasende Symphonie hört man den Herzschlag des Kindes.Wir werden Zeugen dieser einzigartigen Augenblicke und der so aufmerksamen Präsenz der Filmemacher.
Hier ist eine reife filmische Konzeption am Werk, die sich Zeit lässt für eine Vision, die nichts erschüttern kann. GEBURT verleiht dem Gebären die Dimension eines natürlichen Vorgangs, jenseits aller unangebrachten medizinischen Eingriffe. Hier ist einfach nur das Leben selbst am Werk.
Jean Perret, Visions du Réel 2009

"GEBURT: eine einzigartige Teamarbeit von zwei Filmschaffenden , die selber Kinder haben, mit zwei Müttern und ihren Familien sowie zwei Hebammen und der Geburtsvorbereiterin. Vor der Filmarbeit war von allen Beteiligten ein tiefes gegenseitiges Vertrauen aufzubauen, das zu einem gemeinsamen Ziel führte, der Vision, die Geburt als etwas ganz Wichtiges in unsere Gesellschaft zurückzutragen und dort sichtbar und erlebbar zu machen, was noch allzu oft verdrängt wird.
Respekt, Verständnis und Anteilnahme sind dabei das Eine, sehr persönliche Nähe und Ehrfurcht vor dem Leben das Andere. Doch dann braucht es jene berufliche Fähigkeit, bei der neben technisch filmischem Können die menschliche Beziehung und das Erfassenkönnen entscheidend sind. Silvia Haselbeck und Erich Langjahr haben sie. Seit zwanzig Jahren arbeiten sie zusammen und zeichnen gemeinsam für Buch, Regie, Kamera, Schnitt und Texte verantwortlich."
Fred Zaugg, Der Bund

Der neue Film "von Langjahr" ist ein Korealisation mit seiner langjährigen Mitarbeiterin und Lebensgefährtin Silvia Haselbeck. Doch wenn man den Film gesehen habe, sagt die Regisseurin vor der Vorstellung, dann merke man, dass es vor allem auch ein Film von ihr ist. Das hat viel damit zu tun, dass Frauen Kinder gebären, aber nicht nur. In den ersten für das Thema überraschenden Einstellungen wird gleich der Ton angegeben: Bilder von Höhlengängen erinnern einen an den Moment gleich vor der Geburt, wenn man sich daran erinnern könnte. Dann Silvia Haselbeck schwanger in einem leicht dunklen Studio, dann massiert eine Frau geduldig die Füsse einer hochschwangeren Frau massiert. Zeit haben ist wesentlich für die Geburt, und diese nimmt sich die Zeit auch, denn in diesem Moment ist eigentlich sonst nichts anderes wichtig. Der Film spielt ausserhalb des Spitalmilieus in einem Geburtshaus, wir sehen die Vorbereitungen, Atmungsübungen und die ersten Wehen. Gesprochen wird fast nichts, eine Frau richtet sich zum Liegen ein, man sieht ihr die Rückenschmerzen an. Die Geburt ist eine Zweiergeschichte, der Vater ist immer präsent, wenn auch natürlich assistierend. Berührend die Geburt selber, man weint, wie damals, als man es selber mitbekommen hat. Die Zweiergeschichte wird zur Dreiergeschichte, und da ist jemand der schreit, die Augen etwas öffnet, mit den Dingen greift. Der Film zeigt, wie schön eigentlich die Geburt sein kann, wenn man sie aus dem hochmedizinischen Kontext herausnimmt und es als natürliche Angelegenheit bertrachtet. Am frappierendsten ist dies gleich nach der Geburt: Im Spital wird der Säugling gleich weggenommen: Blutprobe entnehmen, Gewicht messen, baden, anziehen und kommt dann irgendwann zurück. Hier ist es nicht nötig. Das Kind bleibt mit der Mutter, mit einer Decke geschützt, daneben liegt auch der Vater. Die Zeit ist jetzt, mit dem Neugeborenen, denn das Leben spielt sich in der Zeit ab. Wägen kann man es auch noch später. Der Film zeigt die Geburt unter guten Bedingungen, es sind auch keine Erstgeburten, aber er zeigt vor allem, dass das Leben ein Wunder ist. (MB)

Erich Langjahr

Geboren 1944 in Zug. Seit 1971 selbständiger Filmschaffender. 1994 Gründung der Langjahr Film GmbH zusammen mit Silvia Haselbeck (Produktion von Kino-Dokumentarfilmen, Verleih der eigenen Produktionen sowie Filme von Walter Marti und Reni Mertens, Isa Hesse und andere).

2009 GEBURT
2006 DAS ERBE DER BERGLER - ALPINE SAGA
2002 HIRTENREISE INS DRITTE JAHRTAUSEND
1998 BAUERNKRIEG
1996 SENNEN-BALLADE
1992 UNTER DEM BODEN
1990 MÄNNER IM RING
1986 EX VOTO
1978 MORGARTEN FINDET STATT

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