artfilm.ch
Preis: 25.00 CHF
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DVD5
PAL 16:9
Region 2
Sprachen: Schweizerdeutsch
Untertitel: Deutsch Français English
Frau Mercedes
CH 2007 52'
Regie: David Fonjallaz, Simon Jäggi, Louis Mataré
Drehbuch: Simon Jäggi, David Fonjallaz
Kamera: Louis Mataré, David Fonjallaz
Ton: Balthasar Jucker
Schnitt: David Fonjallaz
Musik: Mario Batkovic, Andi Hug
Produktion: Lomotion
Stichworte
Sexualität
Gesellschaft
Schweiz
Bern
Dokumentarfilm
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Frau Mercedes
Alt werden auf dem Autostrich
David Fonjallaz, Simin Jäggi, Louis Mataré
Seit 35 Jahren arbeitet Sylvia Leiser auf dem Autostrich in Bern. Hier heisst sie Frau Mercedes, wie ihr Auto, das ihr als Arbeitsort dient. Den Wandel im Milieu hat Sylvia hautnah miterlebt: Bordelle wurden legalisiert und gleichzeitig ist das Gewerbe gesetzloser geworden, die Prostitution hat an gesellschaftlicher Akzeptanz gewonnen und dabei an Glamour und Verdienstmöglichkeiten verloren, die Zahl der Freier blieb stabil, doch in Bern arbeiten zehn Mal mehr Frauen im Milieu. Heute verdient Frau Mercedes in einem Monat, was sie früher in einem Tag einnahm.
«Salut.»
«Sali.»
«Was möchtest Du?»
«Mmh, wie sieht es aus?»
«Es wäre fünfzig, im Auto.»
«Was machen wir alles Gutes?»
«Vorspiel mit Verkehr, schön gemütlich. Fährst Du mir nach? Es geht hier hinten durch.»
Der Autostrich ist ein Relikt aus verganenen Tagen, bald wird er verschwinden. Noch sieben Frauen warten auf Kunden – die jüngste ist 55 Jahre alt, die älteste 74. Prostituierte, die noch den alten Regelkodex befolgen. Frauen von einem anderen Schlag, wie der Berner Sittenpolizist Ernst Jost sagt. Freundschaften gibt es auf dem Autostrich keine, aber man schaut zueinander.
Früher lebte Sylvia in Saus und Braus. Mit leiser Wehmut erinnert sie sich an die «goldenen Jahre» zurück, die Zeit der Nerzmäntel, amerikansichen Sportwagen und der Illussion, dass die gute Zeit ewig anhalte. Heute führt die 60-Jährige in einem Bieler Wohnblock ein bescheidenes, etwas einsames Leben. Sie könnte Häuser besitzen, sagt Sylvia, doch sie habe gelebt.
Die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen, auch einige Wunden. Sylvia habe sich eine Mauer aufgebaut - genial für die Arbeit, hinderlich im Privaten, sagt Martha Wigger von der Beratungsstelle Xenia. In Sylvias Wohnung hängt eine Fotocollage mit ihren Liebschaften, von den vielen Frauen ist keine geblieben. Ihr Bett teilt Sylvia mit Samona, ihrem Pudel. Lieber lebe sie alleine, als dass sie verletzt werde, sagt sie.
Ein intimes, vielschichtiges Porträt über das Altwerden als Prostituierte - ein Dokumentarfilm über ein untergehendes Stück Schweizer Sittengeschichte.
Warum interessiert sich ein junges Filmteam für eine alternde Prostituierte?
"Bestimmt der aussergewöhnlichen Persönlichkeit wegen, die Sylvia Leiser besitzt. Ihre Geschichte beinhaltet aber auch eine Reihe weiterer Geschichten. Sie erzählt von der Prostitution in der Schweiz und vom gesellschaftlichen Wandel, sie handelt vom Umgang mit dem Altwerden in einer Branche, die eigentlich nach jungen, makellosen und unverbrauchten Körpern verlangt. Sie thematisiert Sexualität und das komplexe Wechselspiel zwischen triebhaften und emotionalen Bedürfnissen. Und sie spielt in einem gesellschaftlichen Bereich, der verpönt und doch Realität ist. Die Prostitution macht Werte einer Gesellschaft sichtbar – und auch deren Doppelmoral. Wer eine Gesellschaft verstehen will, so finden wir, muss ihre Ränder beleuchten und ihren Aussenseitern eine Stimme geben. Daher interessiert uns die Prostitution als Thema. Denn gerade die Auseinandersetzung mit einer Person, die einer «randständigen» Gruppe angehört, zeigt, auf welch wackeligen Beinen unsere Klassifizierungen und stereotypen Vorstellungen stehen. Sylvia Leiser weist eine hohe Arbeitsdisziplin auf, zahlt monatlich AHV-Beiträge ein, freut und sorgt sich über dieselben Dinge wie ihre Mitmenschen.
Mit diesem Porträt haben wir versucht, einen möglichst authentischen Einblick in den Alltag von Frau Mercedes zu gewähren. Uns interessierten das Alltägliche, das «Normale», das unerwartet Gewöhnliche der Sexarbeit. Uns interessierte das wirklich Intime auf dem Strich: die Gefühle der Menschen. Uns interessierten die Empfindungen einer Sexarbeiterin, die es in ihrer Arbeit gewohnt ist, Emotionen hinter der Schutzmaske aus Schminke, Strapsen und routinierten Sätzen zu verbergen."
David Fonjallaz
Geboren 1980 in Lausanne. Ab 1998 Video- und Multimediaarbeit. 2001-06 Studium in Zeitgeschichte, Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Fribourg. Gründet 2001 mit Louis Mataré die Produktionsfirma Lomotion AG. Als Regisseur und Cutter tätig.
2007 FRAU MERCEDES
2004 SECOURS AUX ENFANTS
Simon Jäggi
Geboren 1980 in Bern. Ab 2000 Studium in Zeitgeschichte, Politologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Fribourg.
2007 FRAU MERCEDES
Louis Mataré
Geboren 1980 in Bern. Seit 1995 Fotograf für verschiedene Sportmagazine. Ab 1998 Video- und Multimediaarbeit. 2001 Mitgründung der Produktionsfirma Lomotion AG. Seit 2005 Studium in Betriebswirtschaft und Soziologie an der Universität Bern.
2007 FRAU MERCEDES
2003 DIE LORRAINE - EIN QUARTIER IM WANDEL DER ZEIT
News
Internet
EAN 7640126562797
ISAN 0000-0001-BDBC-0000-H-0000-0000-N
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