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La forteresse

La forteresse

Fernand Melgar

Léopard d'or Cinéastes du présent Locarno 2008
Nominiert für den Schweizer Filmpreis 2009

In einem Empfangszentrum im waadtländischen Vallorbe begleitet der Dokumentarfilmer Fernand Melgar Asylbewerber während des Verfahrens, bei dem innert 60 Tagen ihr Flüchtlingsstatus anerkannt oder abgelehnt wird. Hier kommt etwa ein Armenier nachts in einem LKW an, erhält ein paar Toilettenartikel und trifft im Schlafraum einen anderen Russischsprachigen, der ihn auf einen Rundgang durchs Haus mitnimmt. Während zweier Anhörungen durch einen Bundesbeamten müssen die Bewerber ihre Anwesenheit in der Schweiz mit den Gefahren begründen, denen eine Rückkehr in ihr Ursprungsland sie aussetzen würde. Da versucht zum Beispiel diese Angestellte des Zentrums einem jungen Togoer zu erklären, dass sein Land jetzt sicher sei und er zurückkehren müsse, wo dieser doch bloss seinen in der Schweiz wohnhaften Vater wiedersehen will und nicht begreift, warum man ihm das verwehrt. Manchmal entsteht ein echter Gemeinschaftsgeist – wie an diesem langen Winterabend, als der Leiter des Zentrums zu einem Gottesdienst eingeladen wird und bewegt auf diese Gläubigen schaut, die fernab von Heimat und Familie sich Hoffnung und ein Lächeln bewahrt haben. Der Film bleibt nicht an einem Einzelfall hängen, sondern streift durch diesen Ort der «Selektion», begegnet Wächtern, Beamten und dem Geistlichen, die alle angesichts der schwierigen menschlichen Situationen widersprüchliche Gefühle erleben: Ermattung und Zorn, Ohnmacht und Freude. Vor allem jedoch dokumentiert La forteresse das Schicksal und den Austausch zwischen Menschen aus allen Winkeln der Erde (Kurdistan, Irak, Kosovo, Litauen, Togo, Ghana, Kolumbien u. a.), die – angetrieben von Hoffnungslosigkeit und Elend in ihren Ländern oder aus wirtschaftlichen Gründen – in die Schweiz kommen. Fernand Melgar nimmt uns mit in diese unbekannte Welt der Schweizer Empfangszentren für Asylbewerber und zeigt das Klima, das dort herrscht.

Ein Film von bemerkenswerter Sensibilität und tiefer menschlichen Intelligenz. Eine diskrete und gemeisterte Umsetzung, welche nie voyeuristisch ist und die Aussage gezielt und bewegend rüberbringt.
Rencontres Internationales du Documentaire de Montréal

«Empfangs- und Verfahrenszentrum», so heisst dieser Transitraum in amtlichem Deutsch. Mindestens zur Hälfte klingt das hübsch gastfreundlich, und so ist es nur recht, wenn ein paar Afrikaner den lieben Gott in einem flammenden Bittgesang ersuchen, er möge die Schweizer Behörden beschützen und ihnen Gastfreundschaft eingeben. Neben ihnen steht der Beamte und verzieht keine Miene – doch dann wippt sein Fuss doch im Takt. Das hat die dramatischen Qualitäten eines Spielfilms. Und wenn ein albanisches Mädchen einen Pullover mit Stacheldrahtmuster trägt, könnte man fast meinen, da habe ein Regisseur noch ein symbolträchtiges Requisit in seinen Dokumentarfilm geschmuggelt.
Ganz ohne Kommentar lässt Melgar die Gesichter der Menschen sprechen, und zwar beidseits der unsichtbaren Wand, die sie trennt. Wir hören ihre Geschichten des Leids und ertappen uns manchmal dabei, sie auf undichte Stellen abzuklopfen. Wir sehen Beamte, die in ihrem Job erstaunlich nahtlos zwischen kalter Bürokratie und Seelsorge pendeln. Und wir hören Übersetzer, die sogar einen Roma-Seufzer pflichtschuldigst ins Französische übersetzen: Ouf!
Florian Keller, Tages Anzeiger

Die komplexe Wirklichkeit eines surreal anmutenden Transitalltags in der «Festung» schlägt uns aus dem Film in ihrer ganzen Wucht entgegen: Wann ist das Boot voll? Was ist Not und wie definiert sie sich? «Nur» ökonomisch? Oder politisch wie im Fall des jungen, an Leib und Leben bedrohten Irakers, dessen Ausschaffung in diesen Tagen über eine superprovisorische Verfügung verhindert werden konnte? Oder genügte psychische Not? Was ist während der vierstündigen (und von Melgar stets vollumfänglich gefilmten) Befragungen Erfindung wie vielleicht beim Jungen, der von Kannibalismus auf einem Boot erzählt und bei der Befragerin diffuse, aber hartnäckige Zweifel wachruft? Wo wird vielleicht abgebrüht eine Show durchgezogen wie von der fahrenden Sippenmutter, deren Tochter urplötzlich auf einen Rollstuhl angewiesen ist?
Martin Walder, NZZ

Durch die nüchterne Betrachtung überlässt der Regisseur das Urteil fast ganz dem Publikum. Melgar verzichtet zwar auf Manipulation durch Musik oder Interviews, aber die (bewusste oder unbewusste) Entscheidung, den Film im Winter zu drehen, beeinflusst die Wahrnehmung trotzdem. Der dichte Nebel verstärkt den Eindruck von Isolation und Trostlosigkeit. Darüber täuscht auch eine in den Schnee gezeichnete, lachende Figur nicht weg. Die Sonne scheint für diese Asyl Suchenden offensichtlich nicht. Wie auf den Film reagiert wird, hängt ganz bestimmt von der eigenen Einstellung hinsichtlich der «Asylfrage» ab. Der offene Blick von Melgar lässt auf jeden Fall alle möglichen Herangehensweise zu: Ärger über die vermutlich lügende Roma-Mutter, Kopfschütteln über die kühle Beurteilung der erzählten Geschichten, Mitleid mit dem verzweifelten Armenier. Zur Erweiterung des eigenen Horizonts ist der Dokumentarfilm unabhängig von der persönlichen politischen Einstellung auf jeden Fall zu empfehlen.
Thomas Hunziker, filmsprung

Wie ein unsichtbarer Beobachter schildert der Autor, was er sah und hörte, ohne Interviews, ohne Kommentar, ohne Musik. Kritische, engagierte und parteiische Filme zu diesem Thema gibt es bereits. LA FORTERESSE macht die hoch komplexe Problematik ohne Stellungnahme erlebbar, wahr-nehm-bar und bietet sie als sinnliche und sinnvolle Ergänzung zur Auseinandersetzung und Meinungsbildung an. «Wir wissen nicht, wo sie herkommen, und sie wissen nicht, wo sie hingehen», meint Estrela von der Fürsorge zu ihrem Dilemma.
der andere film

Kommentar des Regisseurs

Am 24. September 2006 stand es fest: Eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung (68 Prozent) sagte Ja zu einer Verschärfung des Asyl- und Ausländerrechts. Die Tagesschau fasste die Neuerungen so zusammen: Abgewiesene Asylbewerber haben kein Recht mehr auf Sozialhilfe; wer trotzdem bleibt, riskiert zwei Jahre Haft (ab 15-jährig); Sans-papiers werden innerhalb von 48 Stunden ausgeschafft; Durchsuchungen können ohne entsprechenden Befehl durchgeführt werden… In der Folge wollte ich herausfinden, was hinter der Angst vor dem anderen steckt, was uns dazu bringt, unsere Tür zu verriegeln und dieses Land in eine uneinnehmbare Festung zu verwandeln. Dazu habe ich meinen Blick auf einen hochstrategischen Ort gerichtet: ein Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) – denn dort werden die Flüchtlinge gesiebt, dort entscheidet sich das Schicksal der Asylsuchenden.

Fernand Melgar

2008 LA FORTERESSE
2005 EXIT, LE DROIT DE MOURIR
2005 LA VALLEE DE LA JEUNESSE (CARTOGRAPHIES No. 6)
2005 LE PUIT
2003 LE PREMIER JOUR (LE COMBAT, LA VISITE)
2003 A TABLE / A L'ARRIERE / J
2002 REMUE - MENAGE
1998 LA CLASSE D'ACCEUIL
1997 FOU DU JEU: LES FRISSONS DU HASARD
1993 ALBUM DE FAMILLE
1991 JE ZAPPE DONC JE SUIS
1990 CHRONIQUES CATHODIQUES
1987 L'HOMME-NU
1986 LE MUSEE IMAGINAIRE

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Kommentare

Qu'est-ce que vous voulez dire par "Pas de vente vers la Suisse allemande"?
Stichworte: au sujet de la commande
Jonny 2009-10-22 Tweet

Die DVD wird in die deutsche Schweiz aus lizenzrechtlichen Gründen erst ab 19. November ausgeliefert.
Wir nehmen schon Bestellungen per Email entgegen.
Pour des raisons de licenses, le DVD n'est envoyé en suisse alémanique seulement le 19 novembre. Nous acceptons déjà des commandes par Email.
artfilm 2009-10-22 Tweet

Je n'ai pas encore eu le privillège de voir le film mais c'est juste la bande d'annonce qui m'a plongé dans une amertune sans précédent du point de vue morale et humaine. Il est évident que lorsqu'on a jamais de sa vie vécu ou connu la situation désastreuse des Africains ou ceux du balkan, il est cependant quasiment difficle d'avoir le dicernement de ces personnes qui justement ne savent pas là où leurs pieds leur transportent.Est ce que des peuples savent reellement ou connaissent leur origine?impossible d'y apporter une réponse affirmative d'autant plus que aucun homme n'a crée la terre sur laquelle nous vivions aujourd'hui, et par conséquent, les Occidentaux se doivent d'avoir un regard plus humain et d'adopter un traitement digne à l'égard de ces Africains aujourd'hui indésirables.Nous sommes tous passagers sur cette terre qui pourtant nous acceuille sans pour autant nous demander quoi que ce soit si ce n'est les Hommes eux-même qui se prennent pour des propriétaires terriens.Nous sommes poussière donc nous retournerons poussière, cette parole biblique nous invite pourtant à nous demander si effectivement ce monde nous appartient d'autant plus que nous ne savons quand nous le quittons et en mourrant nous ne le l'amenons avec nous.Ayons plus d'humanisme à l'égard de ces Africains et d'autres races qui s'y trouvent dans "votre pays" pour demander l'asile.
Stichworte: l'illusion d'un monde dit civilisé
Binouane Attas 2009-01-24 Tweet

LA FORTERESSE est actuellement dans les salles romandes avec un grand succès. il sera plus tard dans les salles allémaniques et sortira en DVD seulement après.
artfilm 2008-11-10 Tweet

Quelqu'un pourrait il me dire si La forteresse est disponible en DVD ou téléchargeable.
Merci
Charles
Charles 2008-11-06 Tweet

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La forteresse
CH 2008 90'
Regie: Fernand Melgar
Drehbuch: Fernand Melgar, Alice Sala, Claude Muret
Kamera: Camille Cottagnoud
Ton: Marc von Stürler
Schnitt: Karine Sudan
Produktion: Climage

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