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Erfolgsfaktor Schweizer Film
Aline Schmid
Der Schweizer Film boomt. Nach einer über 20-Jährigen Krise kann sich der aktuelle Schweizer Spielfilm zunehmend wieder mit den Zuschauerzahlen der ausländischen Konkurrenz messen. Die Auslöser für diesen Höhenflug werden hierzulande vor allem in strukturellen und personellen Veränderungen gesehen: Durch den Bund, das Schweizer Fernsehen und verschiedene Regionalfonds wird mehr Geld investiert und mit dem Sonntagabend gewannen Schweizer Filme einen attraktiven Sendeplatz. Ausserdem ist eine junge Filmemacher- Generation mit frischen Ideen und weniger Vorbehalten gegenüber kommerziellem Kino auf dem Vormarsch.
So werden momentan in der Schweiz so viele Filme produziert wie noch nie – und einige der Filme schaffen es auch, das Interesse einer breiten Masse zu wecken. Genau in dieser Begeisterung des Publikums liegt die entscheidende Komponente eines jeden Filmerfolgs: Indem sich das Publikum für oder gegen den Besuch eines Filmes entscheidet, beeinflusst es direkt den Erfolg oder Misserfolg eines Filmes.
Seit der Entstehung des Filmes Ende des 19. Jahrhunderts befasst sich die Kinobesucherforschung mit der Kinobesuchsentscheidung und der Filmauswahl durch das Publikum. Der Communication Theory Approach betrachtet dabei die Faktoren, die das einzelne Individuum zum Kinobesuch bewegen; der Economic Approach die Faktoren, welche die kollektive Kinobesuchsentscheidung beeinflussen. Gesamtheitliche Modelle des Ablaufes der Filmauswahl fehlen weitest gehend.
Ebenfalls praktisch unerforscht ist die Frage nach der Filmauswahl bei Filmen aus dem eigenen Land. Zwar hat die Film-Erfolgsfaktorenforschung auf diesen Faktor hingewiesen, doch wurde er bisher nur in den USA überprüft und bestätigt.
Die vorliegende Arbeit will sich dieser Forschungslücke annehmen. Anhand einer standardisierten, quantitativen Befragung von Besuchern des Schweizer Filmes NACHBEBEN (Stina Werenfels, 2006) in Bern und Zürich soll ermittelt werden, aus welchen Gründen Deutschschweizer Kinogänger sich einen Schweizer Film im Kino anschauen. Neben den persönlichen Bedürfnissen und Motiven (den so genannten Nutzungsmotiven) und dem Einfluss der Massenmedien und der interpersonalen Kommunikation liegt ein besonderes Gewicht auf den Produktmerkmalen der Filme und damit der ökonomischen Perspektive des Kinobesuchs. Konkret stellt sich hier die Frage, ob sich der Kinogänger bei der Entscheidung, einen Schweizer Film zu sehen, auf traditionelle Produktmerkmale wie Genre, Darsteller oder Inhalt stützt oder ob die Information, dass es sich um einen Schweizer Film handelt, einen ebenso bedeutenden Einfluss auf die Filmauswahl nimmt.
Grundlage und Struktur der Arbeit bilden Modelle und Theorien zu Filmauswahl und Kinobesuch aus der Medien- und Kommunikationswissenschaft und den Wirtschaftswissenschaften. Denn nur durch das Zusammenführen dieser beiden Ansätze ist es möglich, den Ablauf der Kinobesuchsentscheidung und der Filmauswahl zu verstehen und darin schliesslich die Entscheidung für den Schweizer Film einzuordnen.
Die Entscheidung des potentiellen Kinogängers sich einen Film anzusehen, verläuft unter der Beeinflussung verschiedener Faktoren: Zum einen hat jedes Individuum persönliche Bedürfnisse und Motive, weshalb es einen Kinospielfilm besuchen möchte. Um zu erkennen, wie diese Bedürfnisse am besten befriedigt werden können, braucht das Individuum Informationen über das Angebot. Da das Angebot an Kinospielfilmen gross ist, übernehmen die Massenmedien, vor allem aber auch die interpersonale Kommunikation also Gespräche mit Freunden, Bekannten usw., eine wichtige Funktion in der Orientierung und Auswahl des spezifischen Filmes. Durch die Kommunikation werden dem Individuum Informationen über den Film vermittelt, welche die Erwartungen an einen Spielfilm prägen und den Kinobesuch zur Folge haben – oder nicht. Die Wirtschaftswissenschaften nennen diese Merkmale Erfolgsfaktoren. Je nachdem welche und wie viele dieser Erfolgsfaktoren ein Film vorzuweisen hat, desto grösser ist die Chance, dass sich viele Leute für ihn entscheiden und der Film entsprechend erfolgreich wird.
Der Ablauf der Filmauswahl strukturiert auch den Aufbau dieser Arbeit. Den ersten Teil bilden die Modelle und Theorien zu den Nutzungsmotiven des Kinobesuchs auf Grundlage des Uses-and-Gratifications-Ansatzes und den Motivfaktoren von Palmgreen et al.
Das Kapitel 3 widmet sich den medien- und kommunikationswissenschaftlichen Modellen und Ansätzen zu Einflussfaktoren bei der Auswahl des spezifischen Filmes. Aktuelle Forschungsergebnisse aus Deutschland und Österreich ergänzen dabei die amerikanische Grundlagenforschung von Bruce A. Austin und Linton/Petrovich. Das Kapitel 4 befasst sich schliesslich mit dem dritten Teil der Filmentscheidung: den Erfolgsfaktoren der Filme. Anhand des Modells von Hennig-Thurau/Wruck werden die relevanten Erfolgsfaktoren genannt und in den Prozess der Filmauswahl eingeordnet. Eine gewisse Überschneidung der beiden Ansätze lässt sich aufgrund der ähnlichen Ausgangslagen nicht vermeiden.
Das Kapitel 5 zu Kino und Film in der Schweiz liefert abschliessend die nötigen Angaben zum Umfeld und den potentiellen Zuschauern des Schweizer Kinospielfilmes. Neben den Mechanismen der Filmförderung und der Filmpolitik soll so auch die Schweizer Filmbranche charakterisiert und der aktuelle Schweizer Kinospielfilm noch genauer definiert werden. Dieses Kapitel ist insbesondere für die Interpretation der Ergebnisse von grosser Bedeutung und stellt gleichzeitig den Übergang zum empirischen Teil dar.
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