artfilm.ch
Preis: 47.00 CHF
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DVD5 2 DVS
PAL 16:9 + 4:3
Region 2
Sprachen: Deutsch Italiano Schweizerdeutsch
Untertitel: Deutsch Français English (Siamo Italiani also Español)
Siamo italiani - Septemberwind
Siamo italiani (Wir sind Italiener)
CH 1964 75'
Regie: Alexander J. Seiler
Drehbuch: Rob Gnant, June Kovach, Alexander J. Seiler
Kamera: Rob Gnant
Septemberwind
CH 2002 105'
Regie: Alexander J. Seiler
Drehbuch: Katharina Bürgi, Alexander J. Seiler
Kamera: Pio Corradi
Ton: Nicola Bellucci
Schnitt: Rainer M. Trinkler
Musik: Michel Seigner
Produktion: Ventura Film
Stichworte
Geschichte
Politik
Identität
Italien
Migration
Dokumentarfilm
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Siamo italiani - Septemberwind
Alexander J. Seiler
Siamo italiani
1964 hat Alexander J. Seiler SIAMO ITALIANI gemacht und damit einen der Schlüsselfilme des eben keimenden Neuen Schweizer Films. Der Film zeigte Einwanderer aus Süditalien, die in unwürdigenWohnverhältnissen in der Schweiz lebten, hart arbeiteten, sozial ausgegrenzt wurden.
Septemberwind - Il vento di settembre
Was ist aus den Italienern und Italienerinnen geworden, deren unwürdige Wohnverhältnisse, fremden-polizeiliche Tribulationen und soziale Ausgrenzung wir im Film SIAMO ITALIANI (1964) zeigten? Zum Beispiel aus Marco Scupola, der seinen weinenden dreijährigen Sohn Luigi tröstet, aus seiner Frau Maria Assunta, die ihrem Mann die Serviette umbindet, aus der Tochter Anna, die sich, noch nicht zweijährig, bei Tisch mit der Pasta abmüht und bekleckert? Was aus Antonio und Carolina Scotti, die, ihre Kinder Elfriede und Umberto auf dem Arm, im Rummel einer Kirchweih in einer Gemeinde des «Birseck» zu sehen sind?
Marco und Maria Assunta, Antonio und Carolina leben als Rentner in ihrem apulischen Heimatstädtchen Acquarica del Capo (Provinz Lecce). Luigi (40) hat sich in Basel als klassischer Gitarrist ausgebildet, erteilt dort Musikunterricht an einer Privatschule und lebt mit seiner deutschen Gefährtin Corinna und der 1999 geborenen Tochter Naomi bei Freiburg im Breisgau. Anna (38) lebt in Aesch BL mit ihrem Mann Graziano Barone, der in Basel einen Coiffeursalon mit zwei Angestellten betreibt, und den beiden Töchtern Ilenia (13) und Luana (10). Umberto (38) hingegen hat sich schon früh für eine Existenz in der Heimat entschieden; als Betriebsleiter der Firma «Italsocks» engagiert er sich auch politisch im Gemeinderat von Acquarica.
Anfang Juli 2000 reist Anna mit den Töchtern nach Acquarica, um dort die sechswöchigen Schulferien mit den Eltern zu verbringen. Gegenläufig dazu fährt Carlo Olimpio (50), der mit seiner Schweizer Frau Marlies und den Kindern schon vor siebzehn Jahren aus Weinfelden (Thurgau) nach Acquarica zurück-kehrte, in die Schweiz, um dort Verwandte, aber auch alte Kollegen und frühere Meister zu besuchen.
Auch den in der Schweiz geborenen Christian Alemanno (18), der vor drei Jahren mit den Eltern nach Apulien zurückkam und dort die Berufsschule besucht, zieht es in den Ferien zurück nach Adliswil bei Zürich.
In der Schweiz geblieben ist Marco Scupolas Schwester Antonietta Cazzato: vom Ehemann verlassen, hat sie als Fabrikarbeiterin fünf Kinder alleine grossgezogen. Ihr einziger Sohn Antonio Cazzato fertigt als Apparatebau-Schlosser anspruchsvolle Arbeiten für Kunden aus Industrie und Gewerbe an; ihre jüngste Tochter Assunta Ungari ist nebenberuflich als Aerobic-Instruktorin tätig und liebt ihren Wohnort Aesch «über alles». SIAMO ITALIANI zeigte die Emigration als materielle und gesellschaftliche Diskriminierung.
IL VENTO DI SETTEMBRE erzählt Geschichten von der Migration als einer wirtschaftlich und gesellschaftlich normalisierten, aber unterschwellig labilen, ja oft prekären Existenz zwischen den Kulturen.
"In einer liebevollen Dokumentation nimmt Seiler am Schicksal dieser unterschiedlichen Personen teil und schafft einen wunderschönen Film, der durchaus seine glücklichen, zufriedenen und humorvollen Momente aufweist. Etwa als ein junger Italiener in Zürich gefragt wird, ob er denn glücklich sei in der Schweiz, antwortet er: «In einigen Jahren kommt dann die EU und dann kommt es sowieso nicht mehr darauf an, wo man wohnt!» Diese Aussage, so witzig und liebevoll sie ist, spricht für sich."
Rona Grünefelder, Cineman
«Metà, metà», «halb, halb», so hat Graziano sein labiles Nationalitätsgefühl auf den Punkt gebracht. Italien ist zum Ferienland geworden, die Schweiz aber nicht unbedingt zur Heimat. Der 18-jährige Christian lebt seit drei Jahren mit seinen Eltern in Italien – «ich war zu jung, um alleine in der Schweiz zu bleiben» – und besucht im Sommer Adliswil, wo seine Freunde leben. Er hofft, dass durch einen eventuellen Beitritt der Schweiz zur EU die Grenzen verschwimmen und er als «Mischling» sich nicht mehr zwischen zwei Ländern zu entscheiden hat.
Diese Bilder stehen im Kontrast zu den Schwarzweissausschnitten aus Siamo Italiani , wodurch nicht bloss der Weg der (teilweisen) Integration aufgezeigt wird – auch das inzwischen vorangeschrittene, langsame Sterben der Industrie wird deutlich. Die Spinnerei ist lahm gelegt, der Bauboom abgeflaut. Assunta, die Tochter einer ehemaligen Fabrikangestellten, arbeitet als Aerobic-Lehrerin. Seilers liebevolles Porträt der MigrantInnen und ihrer Nachkommen lässt bewusst Fragen offen. Interessant wäre allerdings gewesen, die Zerrissenheit zwischen zwei Ländern, den Begriff Heimat expliziter anzusprechen. Auf formaler Ebene hätte der Film eine angenehmere Erzählerin verdient als die gelangweilte Frauenstimme. Bewegend und interessant aber ist es allemal, die Einzelschicksale zu verfolgen und dadurch – im Kleinen wie im Grossen – den Zeitwandel nachzuvollziehen.
Flavia Giorgetta, CINEMA
"In einem von Zürich nach Lecce fahrenden Zug wird das
Thema von SEPTEMBERWIND von Beginn weg deutlich. Der Zug
steht für Migrationen, Entwurzelung, Wiedersehensfreuden und
Abschiedstränen. Er verbindet den Norden mit dem Süden, er
trennt Reich von Arm. Vor 45 Jahren sind zahlreiche Arbeiter
aus den wirtschaftlich schwachen Gegenden Süditaliens in die
Schweiz gekommen. Ihnen hat Alexander Seiler SIAMO ITALIANI
gewidmet, einen Klassiker des helvetischen Filmschaffens.
Der Cineast beobachtete die Umstände ihres Einzugs und ihre
Integration in die hiesige Arbeitswelt. Heute sind diese Arbeiter
pensioniert und in ihre Heimat zurückgekehrt, wo sie eine
zweite Entwurzelung erleben. Es bereitet ihnen Mühe, in ihrem
eigenen Land wieder Fuss zu fassen. Ihre Familien sind
auseinander gerissen, die Kinder der zweiten Generation
haben in der Schweiz ein behagliches Zuhause gefunden. Sie
denken nicht daran, das traute Heim zu verlassen, höchstens
für den Urlaub. Einen Gegensatz dazu bildet diese
Deutschschweizerin, die ihrem Ehemann nach Italien gefolgt
ist, oder dieser junge Mann, der im Süden seine Lehre
absolviert. Jede Geschichte bringt ihre Schwierigkeiten und
Leiden mit sich, zwischen zwei Sprachen, zwei Lebensweisen,
zwei Vorstellungswelten.
Die wenigen Szenen in Schwarzweiss von SIAMO ITALIANI, die
wie versprengte Gedächtnis-Fragmente in den Film eingelegt
sind, bilden einen spektakulären Kontrast zu den heute
gedrehten Bildern. Die Farbe stigmatisiert die äusseren
Anzeichen des sozialen Aufstiegs. Die in Italien mit den
Früchten der harten Arbeit erbauten Häuser sind gewiss
geräumig und komfortabel, aber sie sind zu gross für Familien,
die niemals zusammen darin wohnen werden.
Alexander Seiler nimmt am Schicksal dieser Personen Anteil
und hält ihre luziden und desillusionierten Überlegungen fest.
Die Trennung und die Abwesenheit rufen quälende Schmerzen
hervor. Die entwurzelten Helden von Seiler sind die Zeitzeugen
einer florierenden Epoche der westeuropäischen Wirtschaft. Ihr
kollektives Schicksal situiert sich im Kontext der gegenwärtig
rund um den Erdball vor sich gehenden Flucht- und
Wanderbewegungen, die stets enttäuschte Erwartungen und
zerrissene Identitäten zeitigen. Der Schlussgesang von
Septemberwind trägt den Unterton eines existenziellen
Klagelieds.
Jean Perret, Visions du Réel Nyon
Alexander J. Seiler
Geboren 1928 in Zürich. Studium in Zürich, Basel, Paris und München. Promotion mit einer theaterwissenschaftlichen Dissertation. Journalist. Seit 1961 Filmemacher, langjährige Zusammenarbeit mit June Kovach und Rob Gnant. 1971-81 Produktionsgemeinschaft mit Kurt Gloor, Markus Imhoof, Fredi M. Murer, Yves Yersin. Daneben publizistische und filmpolitische Tätigkeit, u.a. als Filmkritiker. Mitherausgeber der Zweimonatsschrift «Einspruch».
2010 GEYSIR UND GOLIATH
2002 SEPTEMBERWIND
1990 PALAVER, PALAVER
1982 LUDWIG HOHL - EIN FILM IN FRAGMENTEN
1980 DIE SIEBEN TODSÜNDEN
1979 DER HANDKUSS - MÄRCHEN AUS DER SCHWEIZ
1976 DIE FRÜCHTE DER ARBEIT
1974 WER EINMAL LÜGT ODER VICTOR UND DIE ERZIEHUNG
1971 UNSER LEHRER
1968 FIFTEEN
1967 MUSIKWETTBEWERB
1967 VIA ZÜRICH
1966 IM LAUFDE DES JAHRES
1966 MIXTUREN
1964 SIAMO ITALIANI
1964 ENTWICKLUNGSHILFE
1962 IM WECHSELNDEN GEFÄLLE
1961 AUF WEISSEM GRUND
News
- Populaire et qualité: Quarante ans déjà! 2008-09-28
- SIAMO ITALIANI von Alexander J. Seiler am 24. September auf SF1 2008-09-24
- artfilm.ch und der Schweizer Film zu Gast in Berlin 2007-06-10
- Rob Gnant: Die Zeit im Auge 2007-02-22
- SIAMO ITALIANI und SEPTEMBERWIND von Alexander J. Seiler 2006-09-22
Internet
- SI PENSAVA DI RESTARE POCO
- Website Rob Gnant
- Website June Kovach
- Historisches Lexikon der Schweiz: Der neue Schweizer Film: 1960er bis 1980er Jahre
- Ventura Film: IL VENTO DI SETTEMBRE
- kulturinfo.ch SEPTEMBERWIND
- Visions du Réel Nyon 2003: Compétition: IL VENTO DI SETTEMBRE
- CINEMA Kritik SEPTEMBERWIND
- Cineman Kritik SEPTEMBERWIND
- culturica.de Rückschau: Septemberwind/Schweizer Filmfestival
- medientipp.ch Kritik SEPTEMBERWIND
- Felix Aeppli: Aussenseiter, Oppositionelle und Querulanten im Schweizer Film
- encounters Biography Alexander J. Seiler
- Wikipedia Alexander Seiler
- Autorinnen und Autoren der Schweiz: Biographie Alexander Seiler
- Sélection Visions du Réel Nyon
- Visions du Réel Nyon Fiche du film



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