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 Bauernkrieg

Bauernkrieg

Erich Langjahr

Der Film beschäftigt sich mit dem Überleben der Landwirtschaft. Es ist die Zeit der explosiven Liberalisierung des weltweiten Handels.

BAUERNKRIEG ist der zweite Film einer Bauern-Trilogie, die sich mit der Existenz des Bauern am Ende des 20. Jahrhunderts auseinandersetzt (zusammen mit SENNEN-BALLADE und HIRTENREISE INS DRITTE JAHRTAUSEND). Im Zentrum stehen die Fragen nach Identität, Überleben und Zukunft. Jedes dieser drei Themen bildet jeweils den Schwerpunkt eines einzelnen Films. BAUERNKRIEG beschäftigt sich mit dem Überleben der Landwirtschaft am Übergang von einer staatlich gelenkten Planwirtschaft zur Marktwirtschaft. Die meisten Bauern setzen auf den technischen Fortschritt und die Hochleistungszucht, um in dieser neuen Marktsituation zu überleben. Viele können nicht mithalten und geben auf.

Langjahrs Film ist mehr als nur eine allegorische Chronik vom Umbruch des bäurischen Lebens: eine Elegie in Bildern, um deren emotionale Kraft noch so viele Spielfilmregisseure den Innerschweizer Dokumentarfilmer beneiden dürften. Ein Film, der, und das rückt ihn in die Nähe grosser Kunst, mit einfachsten Mitteln an Wesentliches rührt.
Vinzenz Hediger, Tele

Langjahr hält seine Kamera hartnäckig und unerbittlich auf eine Wirklichkeit, die weitgehend verdrängt wird. Die nachhaltige Wirkung entsteht aber nicht nur aus der schonungslosen Darstellung einer schockierenden Realität, sondern auch daraus, dass er hartnäckig auf die Ursache hinweist: den Profit als höchsten Wert. Bauernkrieg ist ein Film von grosser sinnlicher und emotionaler Kraft.
Franz Ulrich, Zoom

Dass der Bauernstand in seiner Existenz bedroht ist, wo nur noch das Geld zählt, weiss, wer die Zeitung liest. Was das aber in der Praxis bedeutet, wie sich Bauern wehren, wie eine industrialisierte Milchwirtschaft aussieht - das wird erst sinnlich erfahrbar aus Filmen wie BAUERNKRIEG des Schweizers Erich Langjahr. Diese Dokumentation, die geduldig, aber keineswegs nur aus sicherer Distanz hinschaut, auch wo es unappetitlich wird, macht bewusst, dass wir Zeitgenossen sind von Vorgängen, die vergleichbar sind mit der Weberrevolte hundertfünfzig Jahre zuvor. Von dieser haben wir freilich auch gelernt, dass profitable technische Neuerungen nicht zu verhindern sind, dass Menschen geopfert werden, wo Maschinen effektiver sind, und dass als romantischer Träumer erscheint, wer sich dieser Entwicklung entgegenstellt.
Thomas Rothschild, Frankfurter Allgemeine

Erich Langjahrs BAUERNKRIEG spielt auf dem Land, doch in einer Landwirtschaft, die bis auf die baumelnden Kuhglocken demonstrierender eidgenössischer Bauern mit Idylle nichts mehr zu tun hat. Die Vertreibung resignierter Kleinpächter von ihrem Land, Versteigerungen von Embryonen und eutergeschwollenem Zuchtmilchvieh, die serielle Herstellung schockgefrosteten Stierspermas mit Hilfe nachgebauter Ersatz-Vaginas: ein Schreckensbild industrieller Agrarproduktion, das längst Bauernalltag ist, doch uns gewöhnlich hinter grünen Almweiden und lila Kühen verborgen bleibt. Mit der räumlichen Teilung von reinem und unreinem Bereich in einer Tiermehlfabrik hat Langjahr geradezu symbolische Bilder für diese Spaltung gefunden. Muss so etwas sein? Langjahr, ganz Künstler, bezeichnet die Frage nach der Schmerzgrenze angesichts solcher Bilder als musikalische Frage. Das Ergebnis gibt ihm recht. Denn es ist auch und vor allem der Rhythmus dieses Films, der gelingen lässt, was so schwer ist: auch aus abstrakt Hässlichem sinnliche Präsenz zu erzeugen. Sehen, was wirklich los ist ist seit einigen Jahren das Motto des Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm, das letztes Jahr seinen 40. Geburtstag feierte. Das klingt schön einfach. Aber lässt sich die Komplexität der Welt noch sichtbar machen, indem man einfach hinschaut? Langjahr ist es gelungen.
Silvia Hallensleben, Der Tagesspiegel

Dieser Film ist genauso turbulent, wie SENNEN-BALLADE friedlich war. Oder eher, BAUERNKRIEG ist umso hektischer und angriffiger, als SENNEN-BALLADE beschaulich und gelassen war. Doch dieses zweite Werk der Trilogie, die Erich Langjahr dem Bauernstand widmet, ist in einem anderen Umfeld angesiedelt. Hier steigt der Autor von den Alpweiden herab in die Ebene. Am Anfang wie auch am Ende des Films demonstrieren Bauern mit Glocken und Pfeifen, ergreifen das Wort, machen Politik unter freiem Himmel. Die Bauernschaft der 90er Jahre ist im Alarmzustand, und der Filmemacher hält die wichtigsten Probleme, das grundsätzliche Unbehagen fest. Er zeigt verschiedene Situationen und Praktiken, die für die Entwicklung, das heisst – und darin liegt die Aussage dieses Filmes – die Verschlechterung der Produktionsweise in der Land- beziehungsweise Viehwirtschaft symptomatisch sind.
Von der Versteigerung der Habe von Bauernhöfen, deren Besitzer wirtschaftlich nicht mehr mithalten können, über die effizientesten Fortpflanzungsmethoden und den internationalen Spermatozoidenhandel bis zum industriellen Schlachthof erforscht Langjahr die Situationen und stellt sie als Archetypen dar, mit deren Hilfe er seine Überlegungen weiterführt. Denn es geht ihm nicht um eine Bildreportage über eine aktuelle Frage, sondern um die Erzählung einer erbaulichen Geschichte. Die detaillierte Beschreibung der künstlichen Befruchtung von Kühen zum Beispiel ist zunächst eine klare und verständliche wissenschaftliche Information. Doch parallel dazu enthält sie auch eine metaphysische Dimension, die ihrerseits eine politische Interpretation der Praktiken und der Theorien antönt. Die Stiere werden von einer Maschine geführt, die sie an den Nüstern festhält. Ihr Zwangsspaziergang wirkt absurd, doch die kurzen Erklärungen des Bauern verweisen auf eine erschütternde Normalität.
Es wäre jedoch völlig falsch, eine oberflächliche Anklage zu erwarten («die armen Tiere»): Dem Filmemacher geht es darum, als eine Art Archäologe die grundlegende Logik der industriellen Milch- und Fleischproduktion an den Tag zu bringen. Bis hin zu dieser grauenhaft langen Sequenz, wo starke Maschinen Innereien zermahlen. Sie erhält dann ihren Sinn, wenn man begreift, dass diese unendlichen Mengen blutender Abfälle zu Tierfutter verarbeitet werden. Der Kreis ist geschlossen, die Tiere fressen sich selbst in einem schwindelerregenden Recycling.
Dieser Bauernkrieg ist unbequem, voll von bohrenden Blicken, die einen kritischen Standpunkt zusammenfassen, ohne dabei die Komplexität der wirtschaftlichen und psychologischen Realitäten zu vergessen. Ein politischer, aufmüpfiger und konstruktiver Film, in der Schweiz gedreht, doch von allgemeinem Interesse.
Jean Perret, Visions du Réel Nyon

Auch in seinem fünfzehnten Film sagt Langjahr kein einziges Wort. Die Vorgänge selbst sind beredt genug. Einmal fixiert die Kamera, Instrument der aufgestauten Wut, das übergroße, von dicken Adern überzogene Euter einer Milchkuh, die außer dem Gang zum Melkstand keine Bewegung mehr kennt. Die Tiere werden zu Leistungsmaschinen gezüchtet, ihre natürlichen Bedürfnisse spielen keine Rolle mehr. Wen wundert es, dass der Mensch über dem Wahnsinn der Überproduktion selber wahnsinnig wird, indem er der vom Tiermehl verursachten BSE-Seuche zum Opfer fällt?
Werner Ginsberg, Der Tagesspiegel

Erich Langjahr

Geboren 1944 in Zug. Seit 1971 selbständiger Filmschaffender. 1994 Gründung der Langjahr Film GmbH zusammen mit Silvia Haselbeck (Produktion von Kino-Dokumentarfilmen, Verleih der eigenen Produktionen sowie Filme von Walter Marti und Reni Mertens, Isa Hesse und andere).

2009 GEBURT
2006 DAS ERBE DER BERGLER - ALPINE SAGA
2002 HIRTENREISE INS DRITTE JAHRTAUSEND
1998 BAUERNKRIEG
1996 SENNEN-BALLADE
1992 UNTER DEM BODEN
1990 MÄNNER IM RING
1986 EX VOTO
1978 MORGARTEN FINDET STATT

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EAN 7640139362612
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Sprachen: Schweizerdeutsch
Untertitel: Deutsch English

Bauernkrieg
CH 1998 84'
Regie: Erich Langjahr
Drehbuch: Erich Langjahr
Kamera: Erich Langjahr
Ton: Silvia Haselbeck
Schnitt: Erich Langjahr
Musik: Mani Planzer
Produktion: Langjahr GmbH

Stichworte
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Globalisierung
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