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Jour de marché (D/E)
Jacqueline Veuve
Jeden Dienstag und Samstag findet im Zentrum der kleinen waadtländischen Stadt Vevey einer der schönsten Märkte des Landes statt. Mit Begeisterung bieten Gemüsebauern, Pilzverkäufer, Fischer und Blumenhändler die Früchte ihrer Arbeit an und trotzen den Gesetzen des Welthandels.
JOUR DE MARCHE (MARKTTAG) ist ihnen gewidmet.
Kein Markplatz der Sensationen mehr
Von Christoph Egger, Neue Zürcher Zeitung
Spätestens seit dem Tod von Reni Mertens darf man Jacqueline Veuve Doyenne des Schweizer Films nennen. Und wie jene hat sie ihr Metier immer mit der grössten Selbstverständlichkeit betrieben. Während eine mittlere Generation irgendwie doch immer noch unter dem dreifachen Verhängnis zu ächzen scheint, als Frau in der Schweiz Filme machen zu müssen – und letztlich auch nie ganz vom Frauenthema wegkommt –, und während die Jüngste bereits professionell effizient Genrefilme realisiert, findet die Dokumentaristin Jacqueline Veuve, die nur selten Ausflüge in die Fiktion unternimmt, unbeirrt ihre eigenen Sujets. Alle ein, zwei Jahre kommt so mit bewunderungswürdiger Konstanz ein neuer Film von ihr heraus.
Es ist ein inzwischen beeindruckend umfangreiches Œuvre, in dessen Mittelpunkt vielleicht nicht von ungefähr die Arbeit steht, über die sich ihre Menschen konkretisieren. Immer aber ist es erfüllte, nie entfremdete Arbeit, der die Protagonisten ihrer Filme obliegen. Auch in JOUR DE MARCHE ist die Arbeit Grundlage der Existenz. Materiell, natürlich, indem man vom Erlös des Marktes lebt. Bei den meisten aber noch in jenem umfassenderen Sinn, der sich eben nicht einfach über Produktion, Distribution und Konsumption definiert, sondern wohl aus dem organischen Zusammenhang rührt, in dem hier angebaut und geerntet, die Ware präsentiert und verkauft wird.
Das hat etwas Altväterisches, und unübersehbar dominieren denn auch auf beiden Seiten der Marktstände betagtere Erscheinungen. Wenn aber ein leiser Hauch von Nostalgie über den Marktplatz von Vevey weht, wo die meisten Aufnahmen entstanden, so hat das nichts mit Sentimentalität zu tun. Der Film macht unmissverständlich deutlich, wie hart das Gewerbe ist und wie bescheiden die Einkünfte sind. - Charakteristisch für Jacqueline Veuves Filme ist ihr ethnologisch-volkskundlicher Blick. Ein Meister in dessen kinematographischer Umsetzung ist ihr langjähriger Kameramann, Hughes Ryffel. Dieses Interesse an den Dingen, den Abläufen, den Arbeitszusammenhängen führt dazu, dass wir die Porträtierten durchaus in persönlichen Momenten sehen, doch nie bei privaten. So sind ihre Menschen stets Individuen und Repräsentanten zugleich. Wie die uralte Dame oben am Berg, wo die Löwenzahnblätter erst spät wachsen und das Kaninchen im Griff ihres Sohns, des Mechanikers, ganz still hält, auch wenn die Bolzenpistole beim ersten Schuss versagt. Wie einen Handschuh streift er ihm hernach das Fell vorn Rumpf. Oder wie die alte Fischerin, deren Familie das Metier seit 1590 ausübt und die mit ihrem Mann in den Ferien in die Bretagne fährt, um Fischer zu sehen– und deren Kinder nun nicht mehr wollen. Der Tagesverdienst beläuft sich manchmal auf nur gerade 3 Franken 50, dennoch wissen Katze, Reiher und Schwäne, dass für sie etwas abfallen wird. Sag neun Pfund, das klingt besser als viereinhalb Kilo, instruiert sie ihren Mann bei einem schönen Hecht.
Wie einige seiner Protagonisten ist auch der Film gern für ein Scherzchen zu haben. Etwa wenn er den alten, Pilzsucher als Hutzelmännchen im Gelände zeigt. wie es ganz cool sein Natel hervorzieht, um eine Bestellung aufzunehmen. Doch der Markt, das ist die Domäne der Frauen. Das bekommt der Alte vorn Blumenstand zu spüren, aus dem es plötzlich herausbricht: Ça m'embête, le marché! Den Grund für seinen Unmut haben wir kurz zuvor gesehen: Madame in fröhlicher Runde beim Damen-Kaffeekränzchen, während er zum Standhüten abkommandiert ist. Bei der schwarzen Früchteverkäuferin fragen wir uns einen Moment, ob sie nun aus Burkina Faso oder aus Kamerun stammt; dank weitreichenden Geschäftsverbindungen erhält sie offenbar eine weitverzweigte Familie am Leber.. was der Film zu einem Exkurs auf afrikanische Plantagen nutzt. Diese Malou ist es auch, die einer etwas abgerissenen Gestalt, die da Waren vom Boden aufliest und so einen momentanen Schatten auf die alles in allem eben doch behagliche Schweizer Idylle wirft, etwas vom Markttisch zusteckt.
Ein Epilog und kurzer historischer Exkurs, der an die Schrecken des Martinimarkts von ehedem erinnert, Rührt noch einmal vor Augen, dass die Zeiten des Marktplatzes der Sensationen vorbei sind. Ob auch die Tage des ganz gewöhnlichen Marktes gezählt sind? LE JOUR DU MARCHE scheint nicht allzu optimistisch.
Jacqueline Veuve
Vor ihrer Zusammenarbeit mit Jean Rouch am Pariser Musée de l'homme (1955) und mit Richard Leacock am Massachusetts Institute of Technology hat Jacqueline Veuve sich Studien der Bibliothekswissenschaft, des Films und der Anthopologie gewidmet. Mit einem ersten Kurzfilm, SCHLACHTTAG (LE PANIER A VIANDE), den sie 1966 zusammen mit Yves Yersin realisierte, begann ihre Laufbahn als Filmemacherin. Die meisten ihrer Filme erhielten internationale Auszeichnungen. Heute hat Jacqueline Veuve gegen 60 Filme geschaffen – die meisten in der Schweiz, einige in Frankreich und den USA –, die an vielen internationalen Festivals gezeigt worden sind. Mit ihren Filmen, die ihr Land – ohne Nostalgie – zeigen: seine Armee, seine Bauern und Weinbauern, die Heilsarmee, die Handwerker, nicht zuletzt die Frauen, zählt die Filmemacherin heute zu den bedeutendsten Dokumentarfilmschaffenden der Schweiz.
2012 VIBRATO
2010 C'ETAIT HIER
2008 UN PETIT COIN DU PARADIS
2005 LA NEBULEUSE DU COEUR
2005 LA PETITE DAME DU CAPITOLE
2002 JOUR DE MARCHE (Deutsche Untertitel / English Subtitles)
2000 LE SALAIRE DE L'ARTISTE
2000 DELPHINE SEYRIG, PORTRAIT D'UNE COMETE
1999 CHRONIQUE VIGNERONNE
1997 JOURNAL DE RIVESALTES 1941-1942
1997 BALADE FRIBOURGEOISE
1995 OH! QUEL BEAU JOUR
1994 L'HOMME DES CASERNES(Deutsche Untertitel)
1992 ARNOLD GOLAY, FABRICANT DE JOUETS
1992 L'EVANOUIE
1991 FRANOIS JUNOD, FABRICANT D'AUTOMATES
1991 LES EMOTIONS HELVETIQUES
1990 CHRONIQUE PAYSANNE EN GRUYERE - (Deutsche Untertitel) (English subtitles)
1989 MARCELIN BABEY, TOURNEUR
1988 CLAUDE LEBET, LUTHIER
1988 MICHEL MARLETAZ, BOISSELIER
1988 FRANÇOIS PERNET, SCIEUR - SCULPTEUR
1988 LES FRERES BAPST, CHARRETIERS
1988 O. VEUVE ET J. DOUTAZ, TAVILLONEURS
1987 ARMAND ROULLIER
1987 LA FILIERE
1987 LE SABLE ROSE DE MONTAGNE
1986 PARLEZ-MOI D'AMOUR
1987 LA TRAVERSEE
1982 PARTI SANS LAISSER D'ADRESSE
1979 L'AVENIR A 15 ANS
1978 LA MORT DU GRAND-PERE OU LE SOMMEIL DU JUSTE - (English Edition)
1974 SUSAN
1974 NO MORE FUN, NO MORE GAMES
1975 SWISS GRAFFITI
1966 L'ECOLE ET LA VIE
1972 LA GREVE DE 18
1972 GENEVE, lE8 NOVEMBRE 1932
1972 LES LETTRES DE STALINGRAD
1966 MUSIQUE EN TETE
1966 DIMANCHE DE PINGUINS / DIMANCHE DE PINGUINS
1966 LE PANIER A VIANDE
Livres:
1992 UNE FEMME DE CINEMA de Bertil Galland
1983 LA MORT DU GRAND-PERE de Jacqueline Veuce
Internet
Preis: 35.00 CHF
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DVD-R Kopie
PAL 4:3
Region 0
Sprachen: Français
Untertitel: Deutsch English Français Italiano Español Bosnian Croatian Serbian Slovenian

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