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images/l/leviathan01.jpg Sennhausers Filmblog: LEVIATHAN
LEVIATHAN ist ungeheuer. Was für ein Hammer, dieser Dokumentarfilm! Als Hardcore-Fisch-Holocaust könnte man ihn bezeichnen, aber damit käme man unter Umständen in des Teufels Küche (wo sich der Film irgendwie schon befindet).
Die ersten fünfzehn Minuten lässt einen das fast abstrakte Bild- und Tonchaos auf der Leinwand einigermassen im Dunkeln, ganz wörtlich. Wir sind unter Wasser, über Wasser, an der Winde für irgendetwas Nasses, Tropfendes, das sich mit der Zeit als Einholmaschine für das riesige Fischnetz eines mittelgrossen Fischerbootes entpuppt.
Irgendwann liege ich zwischen hunderten von toten und halbtoten Fischleibern, werde auf Deck hin- und hergespült und fühle eine leichte Übelkeit aufsteigen.
Das hat damit zu tun, dass wir Filmbilder nicht zum Nennwert nehmen können. Nicht, wenn sie so daherkommen. Ein Haufen glitschiger, toter Fischleiber, Köpfe, offene Mäuler, glasige Augen: Kein Mensch entgeht der sofortigen Allegorisierung des Bildes. Die Aufladung im Kopf erfolgt fast wie beim Haare bürsten, induktiv, unvermeidbar. Wir liegen in nassen Leichenbergen.
Das ist ein Film, den man sich antun muss. Es gibt dafür keine moralische Verpflichtung und auch keinen vernünftigen Grund, jenseits der schieren Neugier auf das, was mit Bildern beschworen werden kann, mit Bildern, die einzig durch ihren Standpunkt und ihren eigenwilligen Duktus einen winzigen Teil unserer Welt mit uns selber und unseren Ur-Ängsten aufladen. Der Film dürfte bei seiner Vorführung etliche Zuschauerinnen und Zuschauer verlieren. Aber um einen Preis dafür kommen die diversen Festivaljuries nicht herum.
http://sennhausersfilmblog.ch
2012-08-10 Permalink Tweet Weiterempfehlen

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