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Sennhausers Filmblog: VOL SPÉCIAL von Fernand Melgar
Wie schon in LA FORTERESSE arbeitet Melgar mit Respekt und Distanz, aber präzise und dringlich, vor allem die Beziehung zwischen den Insassen und ihren Betreuern heraus. In ihnen spiegelt sich die ganze Schizophrenie der Situation und der Festung Europa wider. Alle diese Männer (und eine einzige Frau) betonen immer wieder, dass sie nur das vollziehen, was das Gesetz, die Administration und der Souverän vorgegeben haben. Und als Zuschauer hat man keinen Grund, auch nur eine Sekunde daran zu zweifeln. Diese zum Teil herzlichen, ernsthaft bedauernden und alles in ihrer Macht stehende umsetzenden Männer sind die Pufferzone zwischen uns und den Verzweifelten, die ausgeschafft werden. Die einzige Wahl, welche diesen Abgewiesenen bleibt, ist die zwischen widerstandsloser Rückschaffung via regulärem Flug, oder der Zwangsausschaffung über einen vol spécial.
Der Film ist so stark wie sein Vorgänger und noch deutlich erschütterndet. Auch darum, weil es ihm gelingt, die zu erwartende Hoffnungslosigkeit noch zu übertreffen. Auch VOL SPECIALwird viel Zustimmung erfahren, und wohl noch mehr denunzierende Häme von der anderen Seite, insbesondere eine eindringliche, ziemlich unheimliche Sequenz, in der ein unmittelbar von der Zwangsausschaffung bedrohter Familienvater in seiner Verzweiflung verkündet, eines Tages werde sich das Blatt wenden und Europa nicht mehr in der Postion der Macht verharren können. Das ist der erschreckendste Moment in einem erschreckenden Film, denn er packt jeden einzelnen von uns bei den gleichen Ängsten gegen die sich viele kaum mehr zu wehren vermögen – auch wenn sie das ihre Menschlichkeit kostet. http://sennhausersfilmblog.ch
2011-08-06 Permalink Tweet Weiterempfehlen

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