De En Fr It
iPhone Classic

NZZ: Abschied von der Filmkritik
"Vom Leser zum User – die Tageszeitung verzichtet zunehmend auf eines ihrer klassischen Gefässe". Der abtretende Filmkritiker der NZZ Christoph Egger sieht das Ende Kritik als öffentliche Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk Film, obwohl die Berichterstattung darüber zunimmt. "Bezahlt wird der Kritiker [...] nicht für Kolportage von Informationen aus dem Presseheft, das die allenfalls interessengesteuerte Perspektive von Produktion und Regie wiedergibt (die aufzudecken unter Umständen wiederum sinnvoll sein kann). Sondern für die Beurteilung der künstlerischen Umsetzung all dieser politischen, sozialen, wirtschaftlichen, ideologischen oder was auch immer Aspekte. Er sollte für eine saubere, trennscharfe Begrifflichkeit bei der Genrezuschreibung sorgen und, beispielsweise, nicht einfach alles als Melodrama bezeichnen, bei dem es um «grosse Gefühle» geht. Er sollte begriffen haben, dass Kamera und Montage einen Film «erzählen» und nicht die «Geschichte», die gern so wiedergegeben wird, wie wenn es sich um eine Romanzusammenfassung handelte. Der Kritiker braucht zwar den Mörder nicht preiszugeben, sollte aber trotz dem Protestgeheul des Publikums grundsätzlich keine Angst davor haben, das «Ende» des Films zu verraten – jedenfalls dort nicht, wo das Wie wichtiger ist als das Was. Woraus folgt, dass der ideale Leser jener ist, der sich erst den Film ansieht und dann die Kritik liest..." http://www.nzz.ch
2009-06-12 Permalink Tweet Weiterempfehlen

Kommentar hinzufügen
Neue Kommentare