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Daniel Schmid (1941-2006)
Der Bündner Filmregisseur Daniel Schmid ist gestorben. Er erlag in der Nacht 64-jährig einem Krebsleiden, wie seine Familie bestätigte. Bekannt wurde Schmid unter anderem mit dem Film BERESINA (1999). BERESINA ODER DIE LETZTEN TAGE DER SCHWEIZ lief 1999 erfolgreich an den Festivals von Cannes und Locarno und wurde vom Bundesamt für Kultur (BAK) für den Ausland-Oscar nominiert. Im selben Jahr erhielt Schmid in Locarno einen Ehrenleoparden für sein Gesamtwerk. Bereits 1998 hatte er den hochdotierten Kunstpreis der Stadt Zürich bekommen. (Tages Anzeiger online.)
Filme von Daniel Schmid sind Träume, die über das realistische Mainstreamkino herausgehen. Die Personen leben in einer parallelen Welt und in Erinnerungen. In HECATE verliert sich ein Botschaftsangestellter in Nordafrika mit seiner Geliebten. In HORS SAISON blickt der Erzähler, Kind von Hotelbesitzern wie der Regisseur, auf die grossen Zeiten des heute stillgelegten Grandhotels zurück. Und sogar in seinem populären Werk BERESINA mutet er der Schweiz die Utopie ihrer Abschaffung zu. In seinen Dokumentarfilmen zeichnet er sich durch seine Feinfühligkeit zu den Protagonisten aus, sei es im Altersheim der Opernsänger (BACIO DI TOSCA) oder im japanischen Theater (THE WRITTEN FACE). Letzten Winter startete Daniel Schmid die Dreharbeiten zu einem Spielfilm (JULIA DISAPPEARS), die jedoch wegen der fortgeschrittenen Krankheit abgebrochen werden mussten.
"Daniel Schmid war früh schon der «internationalste» der Schweizer Filmemacher. Das mag dazu beigetragen haben, dass eine politisch ideologisierte Filmszene in der Heimat ihn mit Misstrauen betrachtete. Dabei gehörten gerade seine ersten beiden Filme zu den radikalsten Arbeiten des jungen Schweizer Films. Filme, die nicht an irgendwelchen Manifestationen und Aktionen interessiert waren, sondern - freilich in verfremdeter Form - fundamentale Fragen nach gesellschaftlichen Zusammenhängen und Funktionen stellten. Dass sie zu scheinbar konservativen Befunden gelangten, macht sie nicht weniger politisch." (Christoph Egger, Neue Zürcher Zeitung)
2006-08-06 Permalink Tweet Weiterempfehlen
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