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Semaine de la Critique

 Blau

Preis: 25.00 CHF
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DVD5
PAL 16:9
Region 2

Sprachen: Schweizerdeutsch
Untertitel:

Blau
CH 2005 82'
Regie: Norbert Wiedmer, Stefan Kälin
Drehbuch: Norbert Wiedmer, Stefan Kälin
Kamera: Norbert Wiedmer
Ton: Balthasar Jucker, Rolf Büttikofer, Alain Roulet
Schnitt: Stefan Kälin
Musik: Thomas Hösli, Ricardo Regidor
Produktion: Biograph

Stichworte
Musik
Jazz
Dokumentarfilm

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Blau

Norbert Wiedmer, Stefan Kälin

"Hey yo, let's go!"
Thomas Hösli (1965-2007)

Und weil ich einsam oft so für mich in die Sterne schau, bin ich heute, so wie gestern...blau.

"Du schreibst einfach mal den Text und ich komponiere die Musik", meint Ricardo Regidor. "Aber was ich definitiv nicht mehr will, sind klebrige Liebeslieder." Ein Arbeitsgespräch auf dem Vierwaldstättersee. Und Troubadour Hösli singt etwas später: "Du bist nicht die Erste, du musst schon verzeihn, aber meine Letzte, die könntest du sein..." Zwei kreative Geister haben sich gefunden. Das filmische Doppelporträt erzählt von der Geschichte einer Freundschaft und musikalischer Annäherung. Hier Thomas Hösli (1965-2007), das quere Original aus Reussbühl, und dort Ricardo Regidor (1971), der Jazz-Pianist aus Valencia, Komponist und Dozent an der Musikhochschule Luzern. Hösli, einst schweisstreibender Frontmann der Punkband Steven's Nude Club und von Beruf Reprotechniker, suchte um 1997 einen Musiker für sein Chansonprogramm. Mit jedem Bier hätte man sich besser ausgehalten, meinte man und fand: Das ist eigentlich ein ganz guter Typ - der andere.
Der Berner Filmemacher Norbert Wiedmer und der Innerschweizer Cutter Stefan Kälin haben dieses seltsame Gespann begleitet. Die Kamera hat allerlei kreative, schräge und alltägliche Begebenheiten festgehalten - im Waschsalon, im Studio wie im Stadttheater Luzern, beim Beizendisput oder in der Werkstatt. Sie hat sich Zeit für Lieder und Auftritte genommen. Ziel der Filmer war es nicht, eine musikalische Biografie und Chronologie anzubieten, sondern die Entwicklung einer künstlerischen Partnerschaft offen zu legen und offen zu lassen. So entstand ein facettenreicher, cineastischer Bilderbogen, der sich von Höslis Punkzeiten bis zu einem Konzertauftritt im sinfonischen Umfeld spannt. Eine Reise mit Umwegen, kleinen Eskapaden und intimen Momenten. Das wirkt oft sprunghaft, aber auch spontan, schöpferisch, schräg. Der Film, teils spröde und sachlich, teils spritzig und witzig, wird zum Dokument einer spontanen, improvisationsfreudigen Lebenshaltung, die sich abseits gängiger Trends und Leistungszwänge entfaltet.
BLAU - der Filmtitel bezieht sich auf das gleichnamige Album, 2000 in New York eingespielt - steht für Lebensgefühl, für blaue Stunde, blauen Dunst, für Musikleidenschaft und Träume. Der Film enthält sich jeden Kommentars. Es werden keine (biografische) Daten, keine Fakten, keine Koordinaten genannt. Die Bilder sprechen für sich. BLAU ist ein offenes Doku-Road-Musical über zwei seltsame, selten gewordenen Freigeister. Eigenwillig, verschroben, witzig wie diese beiden Typen zwischen Piano und Poesie.
rb, Semaine de la Critique Locarno

"Ihre Gespräche haben etwas Theatralisches, die Dialoge erinnern oft an ein Beckett-Stück. Die Frage nach der Grenze zwischen Performance und Authentizität wurde von den Filmemachern bewusst thematisiert, indem sie Hösli und Ricardo baten, selber Szenen aus ihrem Privatleben zu drehen. Der Spagat zwischen Alltag und Auftritt wird vor allem bei Hösli sichtbar, da sein Brotjob im Reprografiegeschäft und seine bescheidene Wohnung nicht wirklich zum Showbusiness-Leben eines Kabarettisten passen.
Aber irgendwie doch. Denn: Die meisten seiner Liedtexte – mit ihren zynischen Zeilen über Konsum, Katerstimmung und die Befindlichkeiten im «demokratischen Folterkabinett» Schweiz – nehmen genau jenes Durchschnittsleben aufs Korn. Diese Selbstironie findet ein Pendant in den augenzwinkernden Anspielungen von Ricardos Kompositionen, welche – zwischen Schlager und Salsa, Chanson und Jazz – mit musikalischen Klischees jonglieren.
Das Unbehagen am (Deutschschweizer) Alltag war bereits in früheren Filmen Wiedmers ein Thema, insbesondere in SCHLAGEN UND ABTUN (1999) und BESSER UND BESSER (1996, in Ko-Regie mit Alfredo Knuchel). Mit Hösli und Ricardo fand er zwei Protagonisten, welche diese Malaise in ihrer eigenen künstlerischen Arbeit thematisieren. Darin findet sich auch eine Antwort auf die Frage, wie aus einem Punk ein Kabarettist werden kann. Denn die satirische Beschäftigung mit dem Lokalen und Banalen sowie die Persiflage gängiger Musikstile ist auch eine Fortsetzung von Punk mit anderen Mitteln.
Marcy Goldberg, CINEMA

"Entstanden ist so ein Film, der sich - wohltuend anders als viele Musikfilme - nicht am Erfolg und den Lebensdaten der Protagonisten orientiert und auch keine Lobeshymne anstimmt, sondern feinsinnig nach (im Privaten und Alltäglichen liegenden) Situationen und Stimmungen tastet, aus denen heraus Musik entsteht. Ein Film, der mit grossen Respekt vor der Musik die Songs nicht nur an- sondern durchspielt und dabei bisweilen unverhofft vom Dokumentarischen ins Experimentelle gleitet. Ein herrlich unkonventioneller und grooviger Film über zwei Männer, über deren Musik und über den Blues, den das Leben schreibt."
Irene Genhart, Independent Pictures

Eigentlich passen sie gar nicht zusammen, die beiden Luzerner Musiker Thomas Hösli und Ricardo Regidor. Der begnadete Entertainer Hösli erlangte als Frontmann von Steven‘s Nude Club, der die Schweizer Rock Szene mit einer schweisstreibenden Mischung aus Rock’n‘Roll, Punk und Ska belebte, nationale Berühmtheit, während Ricardo Regidor die Jazz Schule absolvierte, Grössen wie Rufus Thomas oder Eddie Floyd begleitete und nun an der Musikhochschule Luzern lehrt.

Etwas Gebäck und etwas Politik
Etwas Kultur und ich werd langsam dick
Der grosse Preis von Monza, mit dem Papst dazwischen
Und in den Bergen hat es Schnee, ganz frischen

Und doch fanden sie sich, dank ihrer gemeinsamen Liebe zum Chanson. Es entstanden zwei CD’s. Für das Jahr 2002, zum Beginn der Dreharbeiten, war die Produktion eines dritten Tonträgers geplant, der 2003 veröffentlicht werden sollte. Alles dauerte dann ein bisschen länger... Während dieser Verlängerung, die sich bis Ende 2004 erstreckte, sammelte sich ein kinematographisches Panoptikum aus ca. 30 szenischen und musikalischen Fragmenten an. Diese Miniaturen wurden in Erzählbögen geordnet und dramaturgisch mit Musikelementen verknüpft. Daraus entstand ein von Musik getragener Film, der auf cinéastische Weise eine Lebenshaltung aufflimmern lässt, die dem täglichen Powerplay aus dem „Zuviel“ in ein „Nochmehr“ auf abgründig unterhaltende Weise einen Spiegel vorzuhalten versteht.

Eure tausend Geschichten, ich hab aufgehört mit zu zählen
Alle eure schönen Möglichkeiten, ich kann keine davon wählen
Ich habs wieder mal nicht geschafft, euch davon zu laufen
Gebt mir ein Meer voll Alkohol, um darin zu ersaufen

Thomas Hösli war stets eine Reizfigur. Er polarisiert, er ist schrill, laut und sonderbar, mit einem bizarren Hang zum Pathetischen. Als Punk-Rocker mit seiner Band Steven’s Nude Club, beheimatet im Sedel, einem ehemaligen Knast oberhalb des Rotsees bei Luzern, zeigte er der Welt den Stinkefinger. Als Beinahe-Rockstar wollte er sie verändern. Will er diese Welt bloss noch mit Chansons und Schlagern unterhalten? „Die höchste Form der Weltveränderung wäre wahrlich jene, die mit der Kraft der Unterhaltung gelänge,“ bemerkt er dazu verschmitzt.

Hösli ist der Zampano der Luzerner Musikszene. Man kennt ihn. 1997 wurde ihm gar als erster Rockmusiker der Anerkennungspreis der Stadt Luzern zugesprochen. Eine zwiespältige Erfahrung für den Geehrten: „Einerseits ist das sicher eine schöne Sache, andererseits fühlt man sich auf einen Schlag auch alt und etabliert.“

Wir wollten alle hoch hinaus, doch der Fall war tief
Ich werde nicht mehr los all die Geister, die ich rief
Und zum Schluss bleibt ein Häufchen Mensch, abgeklärt
im Saft des Weltschmerzes, halb gegärt

Die musikalische Lebensversicherung des Duos ist seit sechs Jahren, der aus Valencia stammende, seit seinem sechsten Lebensjahr in Luzern wohnhafte, Jazz-Pianist Ricardo Regidor.

Schon während der Ausbildung war Ricardo ein gefragter Mann. In zig Big-Bands unterschiedlichster Ausrichtung spielte der Pianist und Keyboarder; etwa in der Brasil Band von Luiz Serradalle.

Ricardo Regidors wichtigste Referenz auf seiner Liste ist allerdings Rufus Thomas. Der junge Pianist gehörte seit 1995 zur europäischen Tourband dieser über 80-jährigen Legende, die vor kurzem verstorben ist. Wie schon einst Elvis Presley ist auch Ricardo voll Bewunderung und Respekt für diesen Musiker, der Anfang der 50er Jahre den modernen schwarzen Memphis Sound begründete, aus dem sich dann der Rock’n’Roll entwickeln sollte.

Gebt den Menschen, was sie wollen
Osterhasen und Christstollen
Grosse Brüste, lange Schwänze
Altersheime, Gesellschaftstänze
Autobahnen, Videospiele
Grosse Feste, hohe Ziele
Einkaufszentren, Schiffsrundreisen
Tombolas mit tollen Preisen

Eigentlich passen sie gar nicht zusammen, dieser Thomas Hösli und Ricardo Regidor. Und doch fanden sie sich, dank ihrer gemeinsamen Liebe zum Chanson. So entstand 1998 ihr erstes Chanson-Programm „Alles Liebe“, mit dem sie durch Kleintheater, Clubs und Bars tingelten.

Eigentlich passten sie auch danach immer noch nicht zusammen, Hösli, das chaotische, inzwischen 40-jährige Luzerner-Szeneoriginal, und der 34-jährige disziplinierte, musikbesessene Spanier. Und trotzdem entschlossen sie sich nach der ersten gemeinsamen Platte, zusammen eine Wohnung zu beziehen, „denn nur zu zweit lässt sich perfekt basisdemokratisch funktionieren“, wie Ricardo ironisch vermerkte. Kreativ gipfelte dieser WG-Groove im Album “Blau“, das Anfang 2001 in New York eingespielt wurde. Im Gegensatz zum farbenfrohen und stilistisch vielfältigen Debut „Alles Liebe“, klingt „Blau“ stimmiger und melancholischer. Dunkle, von Ricardo jazzig arrangierte Thekenmoritaten, die Hösli mit seinem gewaltigen Bariton und seinem ureigenen Mix aus Pathos und Witz inszeniert.

Blau

„Blau“ steht, im Gegensatz zur Farbe in gewissen WC-Schüsseln, nicht für desinfizierte Sauberkeit, sondern für ein Lebensgefühl. Nicht nur für dasjenige nach allzu heftigem Genuss alkoholischer Getränke. Blau sind auch Pianoklänge in Moll, gespielt in den blauen Stunden nach Mitternacht, eingenebelt vom Dunst der letzten Zigarette im Stehen. Und Blau, das ist die Farbe einer gesicherten Mittelstandsexistenz in der Hälfte eines Lebens: Sie ist die Deutung der verhaltenen Träume, der abgeschwächten Ideale und kleinen Gesten, bei denen es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis auch sie weg sein werden. Fortgespült von dieser blauen Welle, die sich Leben nennt.

Nur nichts ernst nehmen. Erst recht nicht das Leben. Und schon gar nicht sich selber. Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst. Ein ausgeprägter Freigeist mit viel Sinn für Dramatik und Pathos ist er geblieben, „Luzerns schrägster Entertainer“, wie der deutsche MusikExpress vermerkte, „ein überkandidelter Popanz zwischen Elvis Presley und Eric Burdon, nur zehn Mal besser als die beiden“.

Gebt den Menschen, was sie verlangen
Nummernkonten, Austernzangen
Rasenmäher, Familienplanung
Kulturgüter, Ratenzahlung
Gemeinschaftsgräber, Kreditkarten
Sex in allen unmöglichen Arten
Massensport und Götzenbilder
Beta-Blocker, Parkverbotsschilder

Thomas Hösli

Geboren 1965 in Luzern. Mentor und Sänger der Gruppe Steven's Nude Club. 1997 Preis der Stadt Luzern. Beruf: Reprograph. Berufung: Sänger (Baryton), Musiker, Autor, Reussbühl-Original. Arbeitet seit 1997 mit Ricardo. Konzerte, Musiktheater, Vertonungen, u.a. ALLES LIEBE (1998), BLAU (2000), IN GUTER GESELLSCHAFT (2005). Thomas Hösli starb 2007 wegen Asbeststaub an Lungenkrebs.

Ricardo Regidor

Geboren 1971 in Valencia. Tourneen mit Rufus Thomas, Eddie Floyd, Alex Porter und anderen. Musik für Theater. Diplom an der Jazzschule in Luzern. Lehrt an der Luzerner Hocchschule für Musik.

Norbert Wiedmer

Geboren 1953 in Bern. 1974-75 Arbeit als Lehrer. 1975-80 Studium in Paris und München. Abschluss an der HFF (Hochschule für Fernsehen und Film) in München. 1980-82 Wissenschaftlicher Assistent an der HFF, Abteilung Dokumentarfilm. Seit 1982 unabhängiger Filmschaffender, Kameramann, Cutter und Dozent.

2009 SOUNDS AND SILENCE (Bluray)
2005 BLAU
2004 BRUNO GANZ - SCHAUSPIELER: STATIONEN EINER KARRIERE
2004 HALLELUJA - DER HERR IST VERRÜCKT (Camera)
2002 BEHIND ME
2001 JUNTOS
1999 SCHLAGEN UND ABTUN
1996 BESSER UND BESSER
1994 AUFBRUCH
1994 EIN FROCH, DER KUSS, ZWEI KÖNIGE
1987 ALPENGLÜHN
1985 DAS MÄRCHEN VOM ZIGARERENKÖNIG
1983 FAUSTPFAND
1982 WUNDEN UND NARBEN
1981 DIE KONSUMKATHEDRALE
1980 WEIHNACHTSSAFARI
1979 FÜNF MINUTEN ENDE DER WELT

Stefan Kälin

Geboren 1966 in Küssnacht am Rigi. 1989-90 Vorkurs Schule für Gestaltung Luzern. 1991-94 Kunstklasse Schule für Gestaltung Bern. Seit 1996 freischaffender Cutter.

2005 BLAU
Editing:
2004 BRUNO GANZ - SCHAUSPIELER
2004 HALLELUJA - DER HERR IST VERRÜCKT
2004 DOWNTOWN SWITZERLAND
2003 MORITZ
2002 ELISABETH KÜBLER-ROSS. DEM TOD INS GESICHT SEHEN
2002 BEHIND ME
2001 UTOPIA BLUES
1999 SCHLAGEN UND ABTUN

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