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 A perdre la raison

A perdre la raison

Joachim Lafosse

Festival de Cannes 2012: Meilleur actrice Un Certain Regard
Les Magritte du Cinéma: 4 Magritte

Murielle und Mounir lieben einander leidenschaftlich. Mounir lebt seit seiner Kindheit bei Doktor Pinget, der ihm ein komfortables Leben bietet. Als Mounir und Murielle beschliessen zu heiraten und Kinder zu bekommen, gerät das Paar in eine übermässige Abhängigkeit des Arztes. Murielle sieht sich gefangen in einem unerträglichen emotionalen Klima, welches die Familie auf einen tragischen Ausgang zuführt.

kino-zeit.de: A PERDRE LA RAISON

A PERDRE LA RAISON trägt den englischen Titel OUR CHILDREN der nur unzureichend den Film widerspiegelt. Denn das französische Original bedeutet so viel wie den Verstand verlieren. Genau darum geht es Lafosse. Erbarmungslos heftet er sich an ein unheilvolles Dreierbündnis, das mit der Zeit für Murielle zu einer unerträglichen Hölle wird, die sie in die Depression führt. Lafosse erzählt also weniger eine Geschichte sondern zeigt uns einen Prozess. Interessant sind dabei vor allem die atmosphärischen Verschiebungen unter den drei Hauptfiguren. (...)
Lafosse erzählt seine Geschichte elliptisch, zwischen Sequenzen und Szenen vergehen manchmal Minuten, dann wieder ganze Monate. Murielle rückt ganz sachte aber konsequent in den Mittelpunkt. Obwohl nie gezeigt wird, wie sich ihre Beziehung mit Doktor Pinget vertieft, ahnt man, dass die Frau eigentlich mit zwei Ehemänner und vier Kindern in einem Haus wohnt. Damit stellt Lafosse das europäische und arabische Familiensystem gegeneinander. In den Augen von Mounirs marokkanische Mutter ist Murielle großartig und macht alles richtig.
Familien- und Geschlechterrollen fallen so allerdings in ein recht klischeehaftes sie/wie Schema ab. Es mag an Lafosses Idee liegen, dass sich kulturell stark geprägte Konzepte wie die Familie nicht ohne weiteres in andere Umgebungen übertragen lassen. Aber das überzeugt nicht. Und so führt letztlich die große Stärke von Lafosses bisherigen Inszenierungen zum Scheitern von A PERDRE LA RAISON. Das konsequente Ausschließen von Erklärungen wirkt unentschlossen. Auch wenn die Ruhe mit der er alles auf den tragischen Höhepunkt zusteuern lässt emotional vereinnahmt.
http://www.kino-zeit.de

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A perdre la raison
B/F/CH 2012 90'
Regie: Joachim Lafosse
Drehbuch: Joachim Lafosse, Matthieu Reynaert
Kamera: Jean-François Hensgens, Thomas Bidegain
Ton: Henri Maikoff, Ingrid Simon, Thomas Gauder
Ausstattung: Anna Falguères
Schnitt: Sophie Vercruysse
Produktion: Versus production, Samsa Films, Les Films du Worso, Box Productions
Mit: Niels Arestrup, Tahar Rahim, Emilie Dequenne

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