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El Acordeón del Diablo

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El Acordeón del Diablo
CH 2000 90'
Regie: Stefan Schwietert
Drehbuch: Stefan Schwietert
Kamera: Ciro Cappellari
Ton: Dieter Meyer
Schnitt: Tania Stöcklin
Musik: Pacho Rada, Manuel Rada, Alfredo Gutierrez, Jan Tillman Schade
Produktion: Neapel Film

Stichworte
Musik
Welt
Kolumbien
Schweiz
Dokumentarfilm

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El Acordeón del Diablo

Stefan Schwietert

Die Geschichte von Pacho Rada, dem grossen alten Mann der karibischen Musik. Es ist die Geschichte eines Sängers und Komponisten, der mit vier Jahren zum erstenmal ein Akkordeon in der Hand hält und es nie wieder los lässt. Der sein Leben lang durch Kolumbien zieht, von Dorf zu Dorf, von Fest zu Fest um für ein paar Cantavos zu singen und zu spielen. Der heute, mit 93 Jahren, in einer Wellblechhütte am Rande der kolumbianischen Stadt Santa Marta lebt, während seine Lieder die Hitparaden erobern.

"Ein Kinosaal am Filmfestival von Locarno mit fast 3000 Zuschauern. Etliche Male Applaus auf offener Szene, am Schluss tobt das Publikum, das Klatschen will kein Ende nehmen. Beim Hinausgehen sehe ich, dass ich nicht der einzige mit verweinten Augen bin. Ein Film über und mit Menschen, die berühren."
Paul Riniker in metropol

EL ACORDEÓN DEL DIABLO ist eine Reise an die kolumbianische Karibikküste, in die Heimat des großen Sängers und Komponisten Pacho Rada. Mit ihm taucht der Film ein in die Musik der Karibik, in das Reich von Cumbia, Vallenato und Son. Es ist eine Welt von Musikern wie Alfredo Gutierrez, der die Stierkampfmusik seiner Heimat in einen fiebrigen, pulsierenden Big-Band-Sound verwandelt. Oder Israel Romero, unbestrittener Star und König des Vallenato-Akkordeons, der sich mit seinem Neffen El Morré einen atemberaubenden Zweikampf unter Akkordeonvirtuosen liefert.

Francisco ‚Pacho' Rada selbst ist heute 93 Jahre alt. Er lebt in einer Wellblechhütte am Stadtrand von Santa Marta, während seine Musik die Hitparaden stürmt. Seine Lebensgeschichte aber ist eine Legende. Sie inspirierte Gabriel Garcia Márquez zur Figur des Troubadours "Francisco El Hombre", die sich wie ein roter Faden durch seinen Roman "Hundert Jahre Einsamkeit" zieht. In EL ACORDEÓN DEL DIABLO erzählt Pacho Rada seine Version der Geschichte. Mit vier Jahren hält er zum ersten Mal ein Akkordeon in der Hand und läßt es nie wieder los. Er zieht als junger Mann von Dorf zu Dorf, von Fest zu Fest, spielt und singt für ein paar Centavos, komponiert dabei unzählige Lieder. Und er berichtet von jener Nacht, in der er den Teufel in einem Akkordeonduell bezwang und seine Seele rettete.

Wie in den Romanen von Márquez sind auch in den Erinnerungen von Pacho Rada die Grenzen zwischen Fantasie und Realität aufgehoben. Für ihn, der 422 Enkel und Urenkel hat, ist der tägliche Überlebenskampf in Kolumbien so wirklich wie Fabeln und Märchen über Hexen und Ungeheuer. Der Film folgt ihm auf seiner Reise in beiden Welten: in ein Land, das von Armut und Gewalt zerrissen wird, und in ein Reich fantastischer Legenden und mitreissender Musik.

Francisco ‚Pacho' Rada

Pacho Rada ist am 11. Mai 1907 in Las Mulas, am grossen Magdalena Fluss, geboren. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts befuhren die Schiffe aus Europa den Fluss, an dem Pachos Vater von deutschen Matrosen ein Akkordeon erstanden hatte und einer der ersten Akkordeonspieler in Kolumbien wurde. Auf einem Fest im Nachbarort schnappte sich der kleine Pacho unbemerkt das Akkordeon seines Vaters. Es gelang ihm in kurzer Zeit erkennbar die Melodie von "La Chencha", ein noch heute bekanntes Lied, zu spielen. Der Vater nahm ihn glücklich in den Arm und einige Tage später bekam er sein erstes Akkordeon geschenkt. Pacho Rada wurde einer der ersten Troubadoure, die ohne Begleitung, nur mit Akkordeon und Stimme über das Land reisten, Nachrichten übermittelten und überall dort spielten, wo es etwas zu feiern gab. Hunderte von Liedern entstanden auf seinen Reisen, viele davon gelten heute als Klassiker. Er gilt als der Erfinder des "Son", einem der vier Vallenato Rhythmen. Als die Vallenato-Musik in den 70er Jahren durch den Marihuana Boom über die Provinz hinaus berühmt wurde und die Musiker damit reich werden konnten, war Pacho bereits zu alt. Mit 72 wurde er wieder obdachlos. Mit Hilfe seiner Kinder errichtete er am Stadtrand von Santa Marta ein einfaches Haus, in dem er heute noch lebt. Pacho Rada hat 422 Enkel, Ur- und Ururenkel. Als junger Musiker wurde er von den Frauen geliebt, doch von deren Eltern verachtet. Pacho: "Wer wollte damals schon einen Habenichts als Schwiegersohn, der ausserdem noch wie ein Vagabund umherzog und dessen Geschäft die Musik, der Rum und die Frauen waren? Aber es nützte nichts. Wer vermag eine Frau zurückzuhalten, die liebt?"

Karibik-Popstar

Von Norbert Parzinger, Schnitt

Was macht ein Popstar, und was macht ihn aus? Sein "Werk" oder das Phänomen der Berühmtheit selber? Inhalt oder Accessoires? Man kann sich jetzt leicht irgendwelche Boygroup-Buben vorstellen, die Korona aus Bravo-Fotographen, Profi-Groupies, schwadronierende Musiksenderchefs und Manager immer drumherum, damit das sorgsam aufgebaute Markenimage keine Kratzer bekommt. Dann mag man sich vielleicht fragen, ob das schon immer so war - und sich die Geschichte eines alten Akkordeonspielers ansehen.

Inspiration und Zentrum des jüngsten Films aus der Werkstatt des Dokumentarfilmers Stefan Schwietert ist Francisco "Pacho" Rada Batista. "Pacho" lebt in einer selbstgebauten Blechbaracke am Stadtrand von Santa Marta an der kolumbianischen Karibikküste; einen Manager hatte er nie, nicht mal irgendwelche Plattenaufnahmen. Und doch war er genau das, was man im Südamerika der 30er und 40er Jahre einen "Popstar" nennen könnte: ein Wandermusikant und Erzähler, ein Lebenskünstler und einer der bedeutendsten Komponisten und Musiker in der Geschichte der karibischen Volksmusik, des Vallenato. Viele seiner Stücke sind heute Klassiker, mit denen professionelle Bands wie Israel Romeros "Binomino de Oro" kräftig verdienen; der Romancier Manuel Garcia Marquez schuf nach seinem Vorbild die Figur des Troubadours "Francisco El Hombre" in "Hundert Jahre Einsamkeit". "Pacho" ist eine lebende Legende und trotzdem ein armer alter Mann.

Arm? Ansichtssache. Er hat noch immer sein Akkordeon, auch wenn er nicht mehr oft spielt; er hat seine Familie und viele Freunde. Das Leben habe es schon immer gut mit ihm gemeint: "Paranda, rum y mujer", wie sein Neffe Manuel Rada Oviedo, auch er ein einfacher Musiker, singt. Und genau davon erzählt der Film: nicht von der materiellen Not, die den Menschen das Leben schwer macht - so angebracht das durchaus wäre. Sondern von der Liebe zur Musik, der sozialen Wärme, die sie am Leben erhält. Seine Handkamera läuft nicht kühl beobachtend durch das Elend der kolumbianischen Slums, sondern begleitet den bescheidenen alten Virtuosen auf der Reise in seine Heimatstadt; geduldig sieht sie dem Akkordeonbauer beim Stimmen über die Schulter oder sitzt einfach mit im Kreis der Nachbarn um "Pachos" Hängematte, wenn er seine Nachkommen zusammenzählt und ganz erstaunt auf 422 Kinder, Enkel und Urenkel kommt.

Die wunderbar entspannte Atmosphäre der Karibikküste haben Schwietert und seine Kameraleute hier in Bildern eingefangen, die man in dieser poetischen Intensität selten zu sehen bekommt. Nervig ist dabei einzig der (deutsche) Off-Kommentar. Gegen das freie Fabulieren des Volkserzählers setzt Schwietert eine "eigene, verdichtete, literarische Form dieser Geschichten und Gedanken", die in ihrer gerafften, rationalisierten Erscheinung nicht wirklich in den Kontext paßt - und die noch dazu immer gerade dann wieder einsetzt, wenn der Zuschauer in die Welt der karibischen Legenden einzutauchen beginnt.

So müde und bekümmert, wie Günter Lamprecht hier klingen zu muessen meint, ist "Pacho" Rada dabei wirklich nicht. Ein knappes Jahr nach Abschluß der Dreharbeiten hat der alte Kolumbianer mit 93 Jahren zum dritten Mal geheiratet: kein Groupie. Eine alte Freundin.

Hundert Jahre Einsamkeit

Von M. Schleicher, Filmszene.de

Auch in der Literatur ist der hagere, alte Mann zu finden: Der Schriftsteller Gabriel Garcia Márquez nahm unter anderem Pacho Rada als Vorbild für die Figur des Francisco El Hombre in seinem Roman "Hundert Jahre Einsamkeit". Ähnlich wie vor fünf Jahren, als Stefan Schwietert mit A TICKLE IN THE HEART dem Klezmer und den Epstein-Brüdern ein filmisches Denkmal setzte, erzählt der Regisseur auch diesmal nicht. Schwietert lässt sich erzählen. Und diese subjektive Sicht der Dinge, Radas persönlicher Blick eben, macht den Reiz von EL ACORDEON DEL DIABLO aus. Und dann ist da natürlich noch diese teuflische Musik. Als ob der Gehörnte selbst zum Tanze aufspielt.

Stefan Schwietert

Geboren 1961 in Esslingen (DE), aufgewachsen in Therwil/BL. Erste Filme in der Videogenossenschaft Basel. 1981-82 Brasilienaufenthalt. Arbeit als Regieassistent für TV Globo im Bereich Musikfilm. 1982 Gaststipendium am California Art Institute in San Francisco, Film und Videoklasse. 1984-90 Studium an der DFFB (Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin). 1991 Gründung von Neapel Film in Therwil. Produktion und Regie von Dokumentarfilmen. Lehrtätigkeit an Filmschulen in der Schweiz und in Deutschland. Wohnt und arbeitet in Berlin und Therwil.

2012 BALKAN MELODIE
2007 BIG BAND POESIE
2007 HEIMATKLÄNGE (Soundtrack Version française)
2004 ACCORDION TRIBE
2004 SCHWARZE MADONNA
2003 DAS ALPHORN
2001 LIEBESLIEDER
2000 EL ACORDEON DEL DIABLO
2000 VOYAGE ORIENTAL - THE GEORGE GRUNTZ CONCERT JAZZ BAND IN TURKEY
1998 IM WARTERAUM GOTTES
1996 A TICKLE IN THE HEART
1994 DER SCHATTEN IST LANG
1991 SPRUNG AUS DEN WOLKEN
1988 FUALNI 88, THE LAST TEN DAYS OF A CAMPAGNE

News

Internet

Kommentare

Today i recieved my order , the fantastic movie EL ACORDEON DEL DIABLO. I am very grateful for it , becuase i chearch everywhere.......... It s also a revelation to be introduced whit Artfilm.ch
M.B. 2008-05-16 Tweet

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EAN 4021308887434
ISBN 3898487431
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